Wohin gingen die Abschlussfahrten der Oberklassen in den 1920er und 1930er Jahre der Elfgener Kinder?
Heute war ich mal auf den Spuren der vielen Schulklassen unterwegs, die über Jahrzehnte den „mühsamen“ Aufstieg zum Drachenfels auf sich nehmen mussten.
Was heute für uns ein kleiner Tages- oder Wochenendausflug bedeutet, war in damaliger Zeit für viele Kinder sicherlich ein großes Abenteuer, wie den Einträgen der Elfgener Schulchronik zu entnehmen ist.
„22.7.26 Schulausflug zum Siebengebirge.
Die Oberklasse machte unter Führung der Lehrpersonen einen Schulausflug zum Siebengebirge. Von den 40“
„Kindern hatten nur etwa 5 den Rhein gesehen. In Köln waren 4 gewesen. Einen Berg gesehen oder gar erstiegen hatte kein Kind. Daraus ist ersichtlich, wie wertvoll für den Unterricht und auch für die Pflege der Heimatliebe solche größeren Ausflüge sind. Die Unkosten betrugen für jedes Kind etwa 3 Mark. Dafür konnte folgendes gesehen bez. erlebt werden: Eisenbahnfahrt nach Mehlem, dort bot sich ein Motorbootbesitzer an, für 30 Pfg. pro Kind eine einstündige Bootsfahrt auf dem Rhein zu machen. Die Fahrt ging bis Rolandseck um Nonnenwerth. In Königswinter an Land gesetzt, erstiegen wir den Drachenfels, ließen von der Höhe aus eine mitgenommene Brieftaube Grüße zur Heimat bringen und stiegen dann ab um den Petersberg als neues Ziel zu nehmen. Nachdem wir auch vom Petersberg aus, das rheinische Land bewundert hatten, ging es nach Heisterbach. Auf dem Rückwege nach Königswinter wurde eine angenehme Waldrast mit Stärkung gemacht. 3.14 brachte uns der Zug auf Köln zu, wo wir gegen 5 Uhr eintrafen.“
„Fahrt nach Stieldorf 25.9.29
Die Oberklasse machte eine Fahrt nach Stieldorf im Siebengebirge. Dort führt die Bevölkerung nach dem Muster von Oberammergau Passionsspiele auf. Abfahrt 6 Uhr in einem großen Auto. Fahrt über Köln (Stadtwald – Rehbestand) nach Bonn. (Poppelsdofer Schloß, Münster, Beethovendenkmal, Beethovenhaus, Universität, Simockdenkmal, Arndtdenkmal, Alter Zoll, Rheinbrücke). Das Auto wartete in Beuel und brachte uns dann nach Königswinter. (Ersteigung des Drachenfels) Dann Fahrt nach Stieldorf. Das Passionsspiel machte auf die Kinder einen tiefen Eindruck. Der Gewinn der Fahrt war groß. Wochenlang geben die Erlebnisse und Eindrücke den Konzentrationsstoff für den Unterricht ab. (Das) Der Preis für die Fahrt betrug 3 RM.“
„26.3.36 Fahrt der Oberklasse.
26 Kinder machten zum Schluß des Schuljahres eine Omnibusfahrt an den Rhein. 2 Stunden verweilten wir im Kölner Flughafen, wo uns große Verkehrsflugzeuge gezeigt wurden. Wir lernten die Steuerung eines Flugzeuges kennen und sahen Übungen einer Kampfstaffel. Gegen Mittag erstiegen wir den Drachenfels, machten eine einstündige Bootsfahrt auf dem Rhein von Königswinter aus um Nonnenwerth, besichtigten auf der Heimfahrt die Obstanlage Schmitz – Hübsch in Merten und lauschten von 17 – 18 ½ Uhr dem Kölner Hänneschen.“
Da in den Schulchroniken dazu leider kein Bildmaterial vorhanden ist, führte mich ein Ausflug an diesen geschichtsträchtigen Ort, wo sicherlich Tausende von Schülern von ihren Lehrern „hochgetrieben“ wurden.
Und wer einmal dort ist, sollte unbedingt die Ausstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung als auch das Wohnhaus unseres ersten Bundeskanzlers besichtigen. Der Besuch ist sehr empfehlenswert.
Hallo ,
kann nur sagen : Sehr gut gemacht !.
Tolle Geschichte .
Gruß T.K.
Vielen Dank…
Vielen Dank Stefan! Das gibt einen wirklich tollen Einblick in die Gesellschaft der damaligen Zeit und wie weit man eben nicht aus den Dörfern rauskam. Köln war ja nun wirklich keine Weltreise entfernt und doch haben viele Kinder die alte Römerstadt am Rhein und den Rhein noch nicht gesehen. Allerdings gibt es auch heute noch Kinder, die kaum einmal im Ausland waren und nur durch Schulfahrten diese Möglichkeit bekommen.
Gerne. Nach meinem Ausflug fielen mir einfach die Einträge der Schulchroniken ein und ich habe sie kurz zusammengefasst, um sie zu teilen.
tolle Berichte mein Vater ist 1926 in Elfgen geboren
Vielen Dank. Der Beitrag war eher eine spontane Idee…
Hallo Herr Burbach, falls Interesse besteht, empfehle ich Ihnen mal das Stadtarchiv GV zu besuchen und die Bände Nr. 3 bzw. Nr. 4 der Elfgener Schulchronik einzusehen. Ihr Vater wurde vermutlich 1933 eingeschult und 1941 entlassen. Zur Entlassung 1941 gibt es sogar ein Foto, wo ein Burbach genannt und abgebildet wurde…