Abschlussfahrten der Elfgener Schulklassen

Wohin gingen die Abschlussfahrten der Oberklassen in den 1920er und 1930er Jahre der Elfgener Kinder?

Heute war ich mal auf den Spuren der vielen Schulklassen unterwegs, die über Jahrzehnte den „mühsamen“ Aufstieg zum Drachenfels auf sich nehmen mussten.

Was heute für uns ein kleiner Tages- oder Wochenendausflug bedeutet, war in damaliger Zeit für viele Kinder sicherlich ein großes Abenteuer, wie den Einträgen der Elfgener Schulchronik zu entnehmen ist.

 

StA Grevenbroich, Schulchronik Elfgen, Band 2, Sig. 215, S. 156

„22.7.26 Schulausflug zum Siebengebirge.

Die Oberklasse machte unter Führung der Lehrpersonen einen Schulausflug zum Siebengebirge. Von den 40

StA Grevenbroich, Schulchronik Elfgen, Band 2, Sig. 215, S. 157

Kindern hatten nur etwa 5 den Rhein gesehen. In Köln waren 4 gewesen. Einen Berg gesehen oder gar erstiegen hatte kein Kind. Daraus ist ersichtlich, wie wertvoll für den Unterricht und auch für die Pflege der Heimatliebe solche größeren Ausflüge sind. Die Unkosten betrugen für jedes Kind etwa 3 Mark. Dafür konnte folgendes gesehen bez. erlebt werden: Eisenbahnfahrt nach Mehlem, dort bot sich ein Motorbootbesitzer an, für 30 Pfg. pro Kind eine einstündige Bootsfahrt auf dem Rhein zu machen. Die Fahrt ging bis Rolandseck um Nonnenwerth. In Königswinter an Land gesetzt, erstiegen wir den Drachenfels, ließen von der Höhe aus eine mitgenommene Brieftaube Grüße zur Heimat bringen und stiegen dann ab um den Petersberg als neues Ziel zu nehmen. Nachdem wir auch vom Petersberg aus, das rheinische Land bewundert hatten, ging es nach Heisterbach. Auf dem Rückwege nach Königswinter wurde eine angenehme Waldrast mit Stärkung gemacht. 3.14 brachte uns der Zug auf Köln zu, wo wir gegen 5 Uhr eintrafen.“

StA Grevenbroich, Schulchronik Elfgen, Band 3, Sig. 216, S. 73

„Fahrt nach Stieldorf 25.9.29

Die Oberklasse machte eine Fahrt nach Stieldorf im Siebengebirge. Dort führt die Bevölkerung nach dem Muster von Oberammergau Passionsspiele auf. Abfahrt 6 Uhr in einem großen Auto. Fahrt über Köln (Stadtwald – Rehbestand) nach Bonn. (Poppelsdofer Schloß, Münster, Beethovendenkmal, Beethovenhaus, Universität, Simockdenkmal, Arndtdenkmal, Alter Zoll, Rheinbrücke). Das Auto wartete in Beuel und brachte uns dann nach Königswinter. (Ersteigung des Drachenfels) Dann Fahrt nach Stieldorf. Das Passionsspiel machte auf die Kinder einen tiefen Eindruck. Der Gewinn der Fahrt war groß. Wochenlang geben die Erlebnisse und Eindrücke den Konzentrationsstoff für den Unterricht ab. (Das) Der Preis für die Fahrt betrug 3 RM.“

StA Grevenbroich, Schulchronik Elfgen, Band 4, Sig. 217, S. 108

„26.3.36 Fahrt der Oberklasse.

26 Kinder machten zum Schluß des Schuljahres eine Omnibusfahrt an den Rhein. 2 Stunden verweilten wir im Kölner Flughafen, wo uns große Verkehrsflugzeuge gezeigt wurden. Wir lernten die Steuerung eines Flugzeuges kennen und sahen Übungen einer Kampfstaffel. Gegen Mittag erstiegen wir den Drachenfels, machten eine einstündige Bootsfahrt auf dem Rhein von Königswinter aus um Nonnenwerth, besichtigten auf der Heimfahrt die Obstanlage Schmitz – Hübsch in Merten und lauschten von 17 – 18 ½ Uhr dem Kölner Hänneschen.“

Da in den Schulchroniken dazu leider kein Bildmaterial vorhanden ist, führte mich ein Ausflug an diesen geschichtsträchtigen Ort, wo sicherlich Tausende von Schülern von ihren Lehrern „hochgetrieben“ wurden.

Drachenfels, Foto: (c) Stefan Faßbender, 2023

 

Drachenfels. Foto: (c) Stefan Faßbender, 2023

 

Drachenfels. Foto: (c) Stefan Faßbender, 2023

 

Drachenfels. Foto: (c) Stefan Faßbender, 2023

Und wer einmal dort ist, sollte unbedingt die Ausstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung als auch das Wohnhaus unseres ersten Bundeskanzlers besichtigen. Der Besuch ist sehr empfehlenswert.

Ausstellung Konrad-Adenauer-Stiftung, Foto: (c) Stefan Faßbender, 2023

 

Ausstellung Konrad-Adenauer-Stiftung, Anstellungsurkunde Oberbürgermeister, Foto: (c) Stefan Faßbender, 2023

 

Wohnzimmer Konrad Adenauer Haus, Foto: (c) Stefan Faßbender, 2023

 

In dem Wohnzimmer weilte auch schon Charles de Gaulle. Foto: (c) Stefan Faßbender, 2023

 

Wohnhaus Konrad Adenauer, Foto: (c) Stefan Faßbender, 2023

Der Stammbaum von Carl Oberbach.

Carl Joseph Hubert Oberbach, wie er eigentlich richtig hieß, wurde am 3. August 1869 in Grevenbroich geboren. Er starb am 29. April 1939 ebenfalls in Grevenbroich. Ihm hat die Stadt Grevenbroich unzählige Zeichnungen und Bilder historischer Stadtansichten zu verdanken. Sein Leben wird ausführlich in dem u. a. Buch anhand seiner selbst geschriebenen Chronik dargestellt und ist sehr empfehlenswert, da die Chronik nicht nur familieninterne Vorkommnisse beschreibt, sondern auch lokale und nationale Ereignisse reflektiert.

(Bitte auf das Bild klicken, dann öffnet sich ein weiteres Fenster in dem der Stammbau vergrößert werden kann!)

Inspiriert durch eine Anfrage einer Ahnenforscherin aus dem Ruhrgebiet, die auf der Suche nach noch lebenden Nachkommen der Familie Oberbach war, habe ich mich auf die Suche nach diesen gemacht. Mit Hilfe von Ulrike und Bernhard Oberbach konnte ich einen direkten Nachkommen von Carl Joseph Hubert Oberbach im Raum Bergisch Gladbach ausfindig machen und einen Kontakt der beiden Personen herstellen. Die Familie Ulrike und Bernhard Oberbach kannte jedoch keinerlei Verwandtschaftsverhältnis zu Carl Joseph Hubert Oberbach, da sie selbst über einen eigenen, sehr umfangreichen Stammbaum verfügt und noch nie eine Verbindung feststellen konnte.

Um das u. a. Buch zu ergänzen und allen “Carl Oberbach Freunden” bzw. Namensverwandten eine kleine Freude zu machen, wurde der Stammbaum von Carl Joseph Hubert Oberbach erstellt. Vielleicht findet der ein oder andere ja auch ein Verwandtschaftsverhältnis zu der dargestellten Familie Oberbach.

Weitere Nachforschungen können jederzeit in der monatlichen familiengenealogischen Sprechstunde (in Grevenbroich an jedem 1. Donnerstag im Monat) des Arbeitskreis Familienforschung betrieben werden.

Durch einen Abgleich der Stammbäume – der Familie Ulrike und Bernhard Oberbach und dem dargestellten Carl Joseph Hubert Oberbach – konnte mittlerweile auch eine Verbindung herausgefunden werden. Der erste gemeinsame Urahn findet sich drei Generationen weiter zurück in der Person von Jakob Oberbach (gelbes Feld).

Stefan Faßbender für den Geschichtsverein Grevenbroich.

Ein Gedenkkreuz in der Gemeinde Kreuzweingarten bei Euskirchen

Warum berichtet der Geschichtsverein Grevenbroich über ein Wegekreuz in Kreuzweingarten?

Weil sich dahinter eine spannende, aber auch traurige Geschichte verbirgt.

Als unser Mitglied Stefan Faßbender, Familien- und Heimatforscher im Arbeitskreis Familienforschung, im Jahr 2021 bei der Transkription aller Elfgener Schulchroniken von 1873 bis 1950 auf einen Sterbeeintrag stieß, wuchs in ihm der Gedanke, das Leben und die Geschichte des verstorbenen Philipp Repper in einer Kurzbiografie darzustellen.

Philipp Repper wurde am 21. Juli 1891 als Sohn von Johann Repper und Maria Catharina Böling in Elfgen geboren. Seine Taufe fand am 26. Juli 1891 in der Pfarrkirche St. Georg zu Elfgen statt.

Geburtsurkunde von Philipp Repper, © Stadtarchiv Grevenbroich

In welchem Jahr Philipp eingeschult wurde, lässt sich nicht genau feststellen, da zum Ende der 1890er Jahre in den Elfgener Schulchroniken darüber noch keine namentlichen Aufstellungen geführt wurden. Vermutlich startete seine schulische Laufbahn um 1897/1898 in der zweiklassigen Volksschule in Elfgen.

Am 10. April 1904 war er einer der 14 Schüler*innen aus Elfgen, der am Weißen Sonntag in Elfgen zur ersten heiligen Kommunion ging. Bereits ein Jahr später, am 27. März 1905, wurde Philipp Repper aus der Schule entlassen. Die Entlassungsprüfung legte er vor dem Pfarrer Mainz ab. Er wurde dafür mit folgenden Schulleistungen belohnt:

– Betragen: befriedigend, – Fleiß: befriedigend, – Kenntnisse: befriedigend

Der nächste Eintrag in den Schulchroniken Elfgen findet sich im Jahr 1914. „Repper Philipp aus Elfgen, Dragoner im Dragoner-Regiment Nr. 7 hat am 14. Oktober 1914 das Eiserne Kreuz erhalten.“ Bei Dragonern handelt sich um eine berittene Infanterieeinheit, die ihre Pferde zum Transport, aber nicht im Kampf verwendeten. Vermutlich handelte es sich um das „Westfälische Dragoner Regiment Nr. 7“, welches 1917 in das „Dragoner-Regiment General-Feldmarschall Prinz Leopold von Bayern (Westfälisches) Nr. 7“ umbenannt wurde. Ein Hinweis, wofür Philipp Repper das Eiserne Kreuz verliehen wurde, ist zurzeit leider nicht zu finden.

Am 28. Dezember 1917 heiratete der „Gefreite beim Stab der 113. Infanterie Division Fuhrknecht“ Philipp Repper die Maria Gertrud Schiffer (*26. Oktober 1891) aus Elfgen. Die 113. Infanterie Division war ein Großverband in der Preußischen Armee, welcher 1915 bei Sedan zusammengestellt wurde und ausschließlich an der Westfront eingesetzt wurde.

Heiratsurkunde von Philipp Repper und Maria Gertrud Schiffer, © Stadtarchiv Grevenbroich

Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor, die aus sehr vielen verschiedenen Quellen ermittelt werden konnten. Aus Datenschutzgründen wird hierbei allerdings auf die Nennung der Vornamen verzichtet.

1) „Weiblich“ Repper (Zwilling), *17. August 1918

2) „Weiblich“ Repper (Zwilling), *17. August 1918

3) „Weiblich“ Repper, *6. Dezember 1919

4) „Männlich“ Repper, *21. Oktober 1921

5) „Männlich“ Repper, *18. November 1924

6) Wilhelm Repper, *30. August 1926, +21. Dezember 1927

7) „Weiblich“ Repper, *16. Februar 1928

Am 12. Juli 1931 kam es dann zu dem tragischen Tod von Philipp Repper in Kreuzweingarten bei Euskirchen. Der Eintrag in der Elfgener Schulchronik wird nachfolgend parallel zur Transkription dargestellt, um ein problemloses Lesen zu ermöglichen.

Eintrag Schulchronik Elfgen zum Tod von Philipp Repper, © Stadtarchiv Grevenbroich
Sterbeurkunde von Philipp Repper, © Stadtarchiv Mechernich

Dank des Stadtarchivs Euskirchen, welches sich interessiert, kompetent und ebenso begeisterungsfähig um eine Recherche in ihren Archiven kümmerte, konnte ein Artikel aus der Euskirchener Zeitung vom 13. Juli 1931 gefunden werden, der den tragischen Tod von Philipp Repper beschreibt. Weitere Unterlagen sind dort leider nicht zu finden.

Artikel in der Euskirchener Zeitung, © Stadtarchiv Euskirchen

Wie oben erwähnt, war die Ehefrau von Philipp Repper bei dem Tod mit dem 7. bzw. 8. Kind gesegnet. Dieses weibliche Kind wurde leider am 18. November 1931 tot geboren und hat daher auch keinen Namen erhalten.

Sterbeurkunde von dem totgeborenen Mädchen, © Stadtarchiv Grevenbroich

Wie sehr dieser tragische Tod das Elfgener Dorf erschüttert hat, lässt sich aus den nächsten Eintragungen der Elfgener Schulchronik entnehmen, denn auch 1931 war es nicht üblich für jeden Verstorbenen ein Wegekreuz errichten zu lassen und dieses anschließend auch noch zu besuchen.

„24.4.32               Aufstellung eines Gedenkkreuzes in Kreuzweingarten.

Der Schreiber besuchte mit dem Vorsitzer des Kriegervereins, Adam Breiden, den Pfarrer von Kreuzweingarten. Es soll an der Stelle, wo unser Philipp Repper am 12.7.31 plötzlich verschied, ein Gedenkkreuz errichtet werden. Wir gaben ein Eisenkreuz in Auftrag mit der Inschrift: Hier verschied plötzlich Philipp Repper aus Elfgen am 12.7.1931. Betet für seine Seele! Kriegerverein Elfgen.“

 „10.7.32               Eifelfahrt des Kriegervereins

unter Führung des Schreibers in 2 Omnibussen mit 38 Teilnehmern, die erste Pause war in Kreuzweingarten mit Besuch der hl. Messe für den im vergangenen Jahre plötzlich verstorbenen Philipp Repper. Danach stiegen wir die Höhe hinauf und besuchten das Gedenkkreuz. Nach dem Kaffeetrinken im Jugendheim besuchten wir noch Münstereifel, die Erftquelle, Blankenheim mit Ahrquelle. Die Mittagsrast war in Altenahr, danach Wanderung über den Ahrweg nach Mayschoß. Dann Fahrt bis Ahrweiler zu einer letzten Weinprobe. Gegen 19 Uhr waren wir am Rhein und unternahmen eine Bootsfahrt um Nonnenwerth nach Mehlem. Gegen 23 Uhr gelangten wir zu Hause an. Solche Fahrten sind eine Erholung und Erfrischung für unsere, das Jahr hindurch schwer schaffenden Landleute. Fahrpreis 4,30 RM.“

Gedenkkreuz in Kreuzweingarten, © Stadtarchiv Grevenbroich

Inschrift: „Plötzlich starb hier Philipp Repper aus Elfgen am 12.7.1931. Betet für seine Seele.“

Trotz intensiver Recherchen durch Frau Dünnwald vom Stadtarchiv Euskirchen und Forschern des dortigen Heimatvereines ist der Standort des Kreuzes nicht mehr aufzufinden. Vermutlich ist dieses schon seit langer Zeit nicht mehr vorhanden, denn niemand aus Kreuzweingarten kann sich an das Kreuz bzw. dessen Standort erinnern.

Leider ist es uns bisher auch nicht gelungen, ein Bild von Philipp Repper zu finden. Ein Bild von ihm würde diese Kurzbiographie wunderbar ergänzen. Sollte sich eine Grevenbroicher Familie in diesem Beitrag wiederfinden oder die Familie Repper kennen, würde sich der Geschichtsverein Grevenbroich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen. Diese Biographie könnte so noch um weitere Informationen bzw. um ein Bild ergänzt werden.

Wir vom Geschichtsverein Grevenbroich und insbesondere unser Heimatforscher Stefan Faßbender möchten uns herzlichst bei den Stadtarchiven Euskirchen, Mechernich, Grevenbroich und allen weiteren Beteiligten für die intensive und uneingeschränkte Unterstützung bei der Erstellung dieser kurzen Biografie eines Elfgener Bürgers bedanken. Selbstverständlich werden den Stadtarchiven Euskirchen und Mechernich alle Informationen, Daten, Bilder etc. zur Verfügung gestellt, da es sich ja auch um ein Stück Heimatgeschichte von Kreuzweingarten handelt.

Grevenbroich – Der Zweite Weltkrieg in Auszügen aus den Schulchroniken

Es ist so weit!

Das Buch „Grevenbroich – Der Zweite Weltkrieg in Auszügen aus den Schulchroniken“ ist ab sofort erhältlich.
 
Ihr bekommt das Buch über den Geschichtsverein Grevenbroich, die Mayersche in Grevenbroich und die Genussfaktur in Wevelinghoven. Das Stadtarchiv Grevenbroich und das Museum in Grevenbroich werden es in den nächsten Tagen auch vorrätig haben.
 
Wir wünschen euch interessante und aufschlussreiche Momente beim Lesen und freuen uns schon jetzt auf eure Reaktionen.

1. April 1874 – der Jüchener Friedensrichter erschießt einen Verwandten

„Am 1. April erschießt der Friedensrichter Dahmen von Jüchen in Jüchen einen Verwandten, Köllges mit Namen.“ (StA Grevenbroich: Best GV 12, Schulchronik Elfgen, Band 1, Nr. 214, S. 44)

Dieser Zufallsfund hat unseren Heimatforscher Stefan Faßbender dazu bewegt, etwas mehr über diese Tat und Friedensgerichte im Allgemeinen herauszufinden. Hierbei gilt ein besonderer Dank an Michael Salmann, ebenfalls Mitglied im Geschichtsverein GV und ein ausgesprochener „Jüchen-Experte“, der sowohl beim Zusammentragen der biographischen Daten als auch mit den Zeitungsartikeln große Hilfestellung leistete.

Das Friedensgericht:

Friedensgerichte gehen auf die Zeit der französischen Besetzung des linksrheinischen Rheinlandes zurück. Bereits 1794 wurde die französische Gerichtsbarkeit auf das Gebiet des Rheinlandes übertragen. Mit einer Neuorganisation im Jahre 1798 wurden alle bisherigen Gerichte aufgehoben und eine neue Gerichtsverfassung geschaffen. Wesentliche Aspekte dieser Neuordnung waren folgende Grundsätze:

  • Trennung der Verwaltung von der Justiz
  • vor dem Gesetz sind alle Bürger gleich
  • Gerichtsverhandlungen und die Urteilverkündigungen sind öffentlich
  • die französische Sprache ist die Gerichtssprache

Ein Teil dieser französischen Gerichtsbarkeit waren die Friedensgerichte. Sie waren sowohl in Zivil- als auch in Strafsachen zuständig. Hierzu wurden mehrere Bürgermeistereien (Mairien) zu Verwaltungs- und Gerichtsbezirken (Kantone) zusammengefasst. Somit gab es in jedem Kanton einen Friedensrichter, der eher die Aufgabe hatte, zu vermitteln und zu schlichten als zu urteilen, also die Beilegung von Streitigkeiten im täglichen Leben durch einen versöhnlichen Ansatz. In Strafsachen waren ihre Befugnisse daher auf Polizeivergehen von geringerer Art beschränkt, die höchstens mit einer Freiheitsstrafe von drei Tagen zu ahnden waren.

Der Friedensrichter Dahmen:

Der Jüchener Friedensrichter Carl Philipp Theodor Hubert Dahmen wurde am 9. Januar 1806 in Jülich als Sohn des Kaufmanns Johann Dahmen und seiner Frau Franziska Horneth geboren. Er war mit Amalia Helena Merkens verheiratet, die bereits am 29. Januar 1869 in Jüchen starb. Der Friedensrichter Dahmen starb am 17. Februar 1880 in Jülich. Zeuge war der „Rechtsconsultant“ Otto Dahmen.

Die Tat:

Am Samstag, den 4. April 1874 war folgender Artikel in der Neusser Zeitung zu lesen: „Jüchen, 30. März. Ein erschütternder Vorfall hat unsern stillen Ort in die größte Bestürzung versetzt. Der Sohn des hiesigen schon bejahrten und durchaus geachteten Friedensrichters lebte in Uneinigkeit mit seinem Schwager, der allgemein als ein Mann von heftiger Gemüthsart geschildert wird. In dem Hause des Sohnes, wo auch der Vater (der Friedensrichter) gerade anwesend war, entspann sich ein heftiger Wortwechsel zwischen dem Sohne und seinem Schwager, wobei unverhofft der Letztere einen Revolver hervorzog und auf seinen Gegner anlegte. Da sprang der alte Vater, ebenfalls mit einer Schußwaffe versehen, dem Sohne zur Hülfe, schoß ab und traf den Andern so unglücklich, daß er tödtlich getroffen niedersank und gleich verendete. Der Thäter, welcher vorgibt, sich im Falle der Nothwehr befunden zu haben, hat sich bereits freiwillig bei der Staatsanwaltschaft gestellt.“

Bereits am Mittwoch, den 8. April 1874 war ebenfalls in der Neusser Zeitung folgende Korrektur zu finden: „§ Jüchen, 3. April. Ueber den bereits erwähnten Vorfall in der Familie des hiesigen Friedensrichters geht uns ein zweiter Bericht zu, welchen wir zur Ergänzung resp. Berichtigung unseres ersten hier folgen lassen: Vorgestern begab sich hier in Folge der Trunksucht ein beklagenswerthes Unglück. Ein dem Trunke ergebener junger Mann, Köllges mit Namen, hatte sich gegen seine Eltern derart betragen, daß sie bei hiesigen Verwandten im Hause des Friedensrichters Dahmen Schutz suchten, wohin sie der Wütherich verfolgte. Kaum vermochte der Polizeidiener und mehrere starke Männer dieselben vor Mißhandlungen zu schützen. Um so gefährlicher war der Angreifer, weil er mit einem Doppelpistol [Pistol = veraltet für Pistole] bewaffnet war. Nachdem er von seinen Eltern abgelassen hatte, griff er unsern Friedensrichter an, der sich aber zurückzog und eben das Haus verlassen wollte, sich aber mit einem Terzerol [= kleine Vorderladerpistole] versehen hatte, als der Wüthende auf ihn eindrang. Der Herr Richter, immer noch zurückweichend, mahnte vom Angriff ab, indem er erklärte, bewaffnet zu sein – worauf K. zu seiner Waffe griff, der zur Nothwehr gedrängte Herr Richter aber das Schlimmste nicht abwartete, sondern den Störenfried niederschoß. Der Schuß durchdrang die Brust, und liegt der Getroffene schwer darnieder. Man fürchtet für sein Leben.“

Wie nahe Heinrich Köllges dem Tod stand, zeigt seine Sterbeurkunde aus dem Standesamtsregister Jüchen, Nr. 31/1874, denn er starb am 15. April 1874. Bemerkenswert und erwähnenswert dürfte hierbei aber ebenso Otto Dahmen, Schwager des Verstorbenen und Sohn des Täters als erster Deklarant sein.

Die Gladbacher Zeitung vom Dienstag des 21. April 1874 berichtet wie folgt:

Bereits drei Monate später wurde der Fall vor dem Düsseldorfer Schwurgericht verhandelt. Die Deutsche Reichs-Zeitung vom Donnerstag, den 23. Juli 1874, würdigte dieser Tat und dem Urteil nur wenige Zeilen ohne auf weitgehende Details einzugehen.

Die Kölnische Zeitung, das Solinger Kreis-Intelligenzblatt [Intelligenzblatt = amtliches Mitteilungsblatt nach englischem Vorbild], das Rheinische Volksblatt sowie die Rhein- und Ruhrzeitung berichteten aber sehr umfangreich und ausführlich über den Prozess und die Tat. Diese sind allerdings bis auf kleinere Bemerkungen alle identisch. (Markante Textstellen wurden vom Autor gekennzeichnet.)

„Düsseldorf, 19. Juli. (Ein ungerathender Sohn von einem Friedensrichter erschossen.) Bekanntlich ereignete sich vor Kurzem eine solche Mordgeschichte in Jüchen bei Grevenbroich. Dieser Fall gestern vor den hiesigen Assisen [= Schwurgericht] zur Verhandlung, und berichtet die „D.B.“ darüber: Der Angeklagte war der Friedensrichter zu Jüchen, 68 Jahre alt. Der Getödtete war der (etwa 24jährige) Ackerer Heinrich Köllges aus Hoppers, der nach gegenwärtiger Erziehungsmethode schon als Kind mit seinem Herrn Vater die Wirthshäuser besuchte, wo dieser denn von seinem hoffungsvollen Sohne rühmte, wie er „schon so viel vertragen könne und so stark sei.“ Heinrich war 11 Jahre alt, als er schon „Stärke“ fühlte und gegen seinen Lehrer anging. Als der Lehrer dem Vater dieses sagte, wurde derselbe grob. Heinrich wurde später Soldat und verbrauchte natürlich viel Geld, diente auch dafür 6 Monate länger, d. h. auf Festung, wegen eines Insubordinationsvergehens [= Verweigerung des Gehorsams gegen militärischen Vorgesetzten]. Im Januar d. J. kam er zurück. Angangs ging Alles gut, dann forderte er immer viel Geld, trank den Branntwein aus Milchtöpfen und ritt zu seinem Vergnügen mit dem Pferde in die Stube. Besondere Liebhaberei hatte er am Schießen. Er schoß mit einem Pistol ganze Nächte lang auf dem Hofe zuletzt in der Stube, und als er eines Tages von Odenkirchen zurückkam, sagte er nach dem Essen: „Adieu Vater, adieu Mutter!“ ging auf sein Schlafzimmer und feuerte zweimal ein Pistol ab. Dann kam er in die Stube zurück, feuerte aus einem Nebenzimmer einen Schuß über die Köpfe seiner Eltern ab, daß 30 Schrotkörner in die Zimmerdecke drangen. Die Eltern flüchteten sich nun voll Angst zu ihrer Tochter nach Jüchen, die dort an Otto Dahmen, den Sohn des Friedensrichters, verheirathet ist. Am andern Morgen, den 31. März, begab sich der alte Köllges mit seinem Schwager nach dem Bürgermeister von Jüchen, um mit diesem zu überlegen, was gegen das wüste Betragen seines Sohnes zu thun sein und bat ihn, denselben zu sich kommen zu lassen, um ihm sein rüdes Betragen vorzuhalten, forderte auch zugleich den Bürgermeister auf, einen Revolver neben sich zu legen und wenn der Junge einen Schritt auf ihn zumache, ihn nieder zu schießen, der Vater würde darüber nicht böse sein. Heinrich Köllges sagte an diesem Morgen zu seinem Nachbar Blankertz, dieser möge mit ihm nach Jüchen fahren, er wolle seine Eltern wieder holen.

In Jüchen angekommen, ging Heinrich in das Haus seines Schwagers und fand seinen Vater in der Stube sitzen. Er ging auf diesen zu, riß ihm die Pfeife aus dem Munde mit den Worten: „Die Pfeife gehört mir.“ Der alte Köllges erwiderte: „Noch gehört sie mir; wenn ich nicht mehr bin, dann sollst du sie erben.“ Auf die Ermahnung des Blankertz gab er seinem Vater die Pfeife zurück und fragte nach seiner Mutter. Auf die Antwort des Vaters, die Mutter sei nicht zu Hause, sagte der Junge: „Ich weiß, wo sie ist, sie ist oben“, ging dann die Treppe hinauf und fand seine Mutter auf einem Zimmer. Weil diese ahnte, er habe wieder ein Pistol in der Tasche, so war sie bemüht, ihm dasselbe abzunehmen und wurde darin von mehreren anderen Personen, jedoch ohne Erfolg unterstützt, weil er so stark gewesen sein soll, daß ihn 3 bis 4 Männer nicht zu überwältigen vermochten. Der Friedensrichter, der bei seinem Sohne im Hause wohnte, war mittlerweile zur Polizei gegangen, fand diese jedoch nicht. Nachdem an den jungen Köllges oben wieder frei gelassen, ging derselbe in die Küche, wo der eben angekommene Polizeidiener anwesend war, der zu ihm sagte: „Herr Köllges, bedenken Sie doch, daß Sie sich im Hause Ihrer Verwandten befinden, betragen Sie sich ordentlich!“ Köllges faßte hierauf den Beamten an, und als ihm der alte Friedensrichter zurief: „Heinrich, vergreife Dich nicht an der Polizei!“ lief er auf diesen zu. Der Friedensrichter ging auf den Hof, wohin auch Köllges und einige andere Personen nachfolgten, welche hiernochmals mit ihm rangen, um ihm das Pistol abzunehmen. Dieses hatte ihm aber vorher, ohne daß es Jemand gemerkt hatte, der Polizeidiener aus der Tasche genommen. Jetzt ging Heinrich wieder auf den Friedensrichter los, der ihm einen Revolver entgegenhielt und rief: „Heinrich bleib zurück oder ich schieße!“ Heinrich drehte sich um, lachte höhnisch und griff in die Tasche. In diesem Augenblick feuerte der Friedensrichter, Heinrich schlug die Hände über die Brust und fiel. Man trug ihn nach Hause und am 15. April starb er. Bei der Obduction fand man die Kugel in der Brusthöhle. Während seiner Krankheit scheint doch ein milderer Sinn über ihn gekommen zu sein, denn er äußerte, er müsse sterben, aber er vergebe dem Friedensrichter; es könne möglich sein, daß dieser in seinem Rechte gehandelt habe. Bei seiner gerichtlichen Vernehmung auf dem Sterbebette sprach er auch den Wunsch aus, der Friedensrichter möge nicht zur Bestrafung gezogen werden. Nach vollbrachter That stellte sich der Friedensrichter Dahmen der Behörde, doch war es wohl im Voraus abzusehen, daß nach Lage der Sache die Freisprechung erfolgen müsse. Die Geschworenen nahmen denn auch an, daß der Friedensrichter sich im Stande der Nothwehr befunden habe, und erklärten ihn für nichtschuldig.“

Literatur:

  • Bergische Zeitung: Ausgabe Nr. 43 vom 14. April 1874
  • Deutsche Reichs-Zeitung: Ausgabe Nr. 99 vom 11. April 1874
  • Deutsche Reichs-Zeitung: Ausgabe Nr. 200 vom 23. Juli 1874
  • Echo der Gegenwart: Ausgabe Nr. 87 vom 9. April 1874
  • Gladbacher Volkszeitung: Ausgabe Nr. 43 vom 21. April 1874
  • Gladbacher Zeitung: Ausgabe Nr. 39 vom 11. April 1874
  • Kölnische Zeitung: Ausgabe Nr. 203 vom 24. Juli 1874
  • Neusser Zeitung: Ausgabe Nr. 75 vom 4. April 1874
  • Neusser Zeitung: Ausgabe Nr. 77 vom 8. April 1874
  • Neusser Zeitung: Ausgabe Nr. 85 vom 17. April 1874
  • Portal Rheinische Geschichte: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Epochen/1794-bis-1815—aufbruch-in-die-moderne.-die-%22franzosenzeit%22/DE-2086/lido/57ab23d29508f8.06009224, Abruf am 29. August 2022
  • Ratinger Zeitung: Ausgabe Nr. 58 vom 22. Juli 1874
  • Rheinisches Volksblatt: Ausgabe Nr. 87 vom 28. Juli 1874
  • Rhein- und Ruhrzeitung: Ausgabe Nr. 168 vom 22. Juli 1874
  • Solinger Kreis-Intelligenzblatt: Ausgabe Nr. 87 vom 24. Juli 1874
  • Solinger Zeitung: Ausgabe Nr. 41 vom 8. April 1874
  • Solinger Zeitung: Ausgabe Nr. 43 vom 13. April 1874
  • Solinger Zeitung: Ausgabe Nr. 85 vom 22. Juli 1874
  • Strauch, Dieter: Rheinische Gerichte Einst und Jetzt, 2019, https://kups.ub.uni-koeln.de/10191/2/01JohlenVortragGaram.pdf, Abruf am 29. August 2022

Kneipenkultur von 1950 bis heute in Grevenbroich

Hier: Eine vorläufige Zusammenstellung.

Kneipenkultur in Grevenbroich?

Ja, diese gab es tatsächlich mal in Grevenbroich!

Bereits wenige Stunden nach dem Facebook-Aufruf konnten schon 56 Kneipen erfasst werden, die sich in der Stadtmitte, Südstadt, Elsen und Orken befanden. Eine unfassbare Anzahl, auch wenn vermutlich einige durch Doppelnennung (Namensänderung) zweifach erfasst wurden. Davon könnte man heute evtl. noch zwei – drei Lokale als eine Kneipe im Sinne der Kneipenkultur wie zum Ende des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Wenn heute überhaupt noch existent sind einige heute Restaurants. Den Rest gibt es einfach nicht mehr. Unglaublich!

 

Name

frühere Namen

Straße

1

Alt Grevenbroich

 

Montanushof

2

Alt Orken

Panzer

Richard-Wagner-Straße

3

Alte Grenze

 

Bahnstraße

4

Altstadt Schenke

Dohmen

Steinweg

5

An der Halde

 

Walter-Rathenau-Straße

6

Anno

Bierbrunnen, Anno Tobak 1900

Bahnstraße

7

Bienefeld

Flüchten

Rheydter Straße

8

Braustübl

 

Deutsch-Ritter-Allee

9

Brendgen

Schützenhof, Stinnes

Breitestraße

10

Buddy´s

 

Bahnstraße

11

Cafe Zinsen

 

Bahnhofsvorplatz

12

Casa Toni

abgebrannt

In der Herrschaft?

13

Condorclub

 

Orkener Straße

14

Delphi

Hotel zur Post

Lindenstraße

15

Didi’s

Williams, Richartz

Bahnhofsvorplatz

16

Ellenbeck

Hotel Halboth

Kölner Straße

17

Flönz

P. Froitzheim, J. Krüppel, Schur, Chat Bleu

Kölner Straße

18

Gartenlaube

 

Montanushof

19

Gaststube

 

Montanushof

20

Giardino

Ferrari

Bahnstraße

21

Graf Kessel

Krüppels Käth, Downtown, bei Alfred

Bahnstraße

22

Hansa

 

Auf der Schanze

23

Haus Hubertus

 

Lautawerkstraße

24

Haus Koch/Quasten?

 

Rheydter Straße

25

Haus Portz

 

Am Markt

26

Hausmann

   

27

Im Sträußchen

 

Rheydter Straße

28

Irisch Pub

 

Montanushof

29

Jägerhof

 

Düsseldorfer Straße

30

Jägersruh

 

Neuenhausener Straße

31

Kultus

Pferdestall, Teestube

Am Markt

32

Kupferkanne

 

Rheydter Straße

33

Lemmys Opa

 

Goethestraße

34

Lindenhof

Blauer Aap

Lindenstraße

35

London

 

Düsseldorfer Straße

36

London

 

Ecke Goethestr./Rheydter Str.

37

Maibaum

Bierklause

Bahnstraße

38

Odeon (Disco)

Galaktikum, Alm-Rausch, B59, Ballhaus, Exit Open

Montanushof

39

Op de Eck

Deutsches Eck, De Räuber, Anno II

Bahnstraße

40

Orchidee-Bar

 

Wallgasse

41

Queens Pub

 

Bahnstraße

42

Ratsstube

 

Am Ostwall

43

Rosengarten

 

Montanushof

44

Schiller

 

Schillerstraße

45

Schmitz

 

Ecke Richard Wagner/Rheydter

46

Schwarzwaldstube

 

Montanushof

47

Stechuhr

 

Montanushof (Bowling)

48

Südstadtklause

 

Neuenhausener Straße

49

Telegraph

 

Bahnhofsvorplatz

50

TUS-Heim

 

Schloßstraße

51

VIP (Disco)

 

Ostwall 18

52

Zille

 

Steinweg

53

Zum Südstern

Bei Linde

von Porten Straße

54

Zum Troll

Leyendecker

 

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Zur Bahn

 

Merkatorstraße

56

Zur Eiche

 

Schillerstraße

13. April 1992 – Der Tag, an dem auch in Grevenbroich die Häuser wackelten.

Sicherlich erinnern sich noch viele an diese Nacht als morgens um 3.20 Uhr Gläser und Tassen in den Schränken klirrten oder sogar die Betten in Wohnungen und Häusern wackelten.

Es war das stärkste Beben seit 1756 im Rheinland und hatte im deutsch-niederländischen Grenzgebiet eine Stärke von 5,9 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag in den Niederlanden, ca. 4 km südwestlich von Roermond. Das Beben wurde in einer Tiefe von 18 Kilometern ausgelöst. Mehr als 30 Personen wurden – hauptsächlich durch herabfallende Schornsteine und Dachziegel – verletzt. Der geschätzte Sachschaden im Rheinland wurde auf etwa 150 Millionen DM beziffert. Im Raum Heinsberg wurden mehr als 150 Häuser beschädigt. Einige davon waren so schwer beschädigt, dass sie abgerissen werden mussten. In Köln stürzte sogar eine Kreuzblume vom Dom. Da die Niederrheinische Bucht eines der aktivsten Erdbebengebiete Mitteleuropas ist, tritt im langfristigen Mittel etwa alle 150 Jahre ein solches Beben auf.[1]

Mit diesem kurzen Beitrag möchte der Geschichtsverein Grevenbroich aufzeigen, dass es auch schon früher Erdbeben in Grevenbroich und den angrenzenden Regionen gab, welche das Leben der Grevenbroicher Bürger beeinflusst und vermutlich auch große Ängste hervorgerufen haben.

Unser Mitglied Stefan Faßbender, Familien- und Heimatforscher im Arbeitskreis Familienforschung, stieß im Jahr 2021 bei der Transkription aller Elfgener Schulchroniken von 1873 bis 1950 auf verschiedene Einträge, die dies belegen, da sie ansonsten wohl keine Erwähnung in den vorgenannten Schulchroniken gefunden hätten. Die Erdbeben werden in chronologischer Folge dargestellt.

  1. Das Erdbeben vom 24. Juni 1877:
© Stadtarchiv Grevenbroich

„Juni 24. Zwischen 8 u. 9 Uhr morgens Erdbeben in der Rheinprovinz. Hier erzitterten alle Gegenstände mächtig; in Aachen sind mehrere Schornsteine u. Giebelwände eingestürzt.“[2]

Gemäß dem Deutsche GeoForschungsZentrum in Potsdam fand das Erdbeben im Raum Herzogenrath (nördlich von Aachen) statt und hatte eine Magnitude von 5,3 auf der Richterskala.[3] Weitere Informationen über andere Schäden oder gar Tote sind nicht zu finden.

  1. Das Erdbeben vom 26. August 1878:
© Stadtarchiv Grevenbroich

„Aug. 26. Erdbeben. Die Erschütterung war sehr heftig und dauerte fast 20 Sekunden. Die Schulkinder, die sich wie auf Commando von ihren Sitzen erhoben hatten, konnten sich kaum auf den Beinen halten. In heller Angst verließen Lehrer und Schüler die Säle. – An meiner Dienstwohnung stürzte der Kamin theilweise ein. – Die Stöße wiederholten sich nachher noch mehrere Male.“[4]

Gemäß dem Deutsche GeoForschungsZentrum in Potsdam fand das Erdbeben im Raum Tollhausen bei Elsdorf (westlich von Köln) statt und hatte eine Magnitude von 5,9 auf der Richterskala.[5] Wie in Herzogenrath am 24. Juni 1877 waren bei diesem Beben in vielen Regionen rund um Tollhausen zahlreiche Gebäude von Mauerrissen, Giebeleinstürzen und Kaminschäden betroffen. Außerdem war mindestens ein Todesopfer zu beklagen.

„Dieses Beben hatte eine makroseismische Reichweite von etwa 300 Kilometer. […] Viele Schornsteine stürzten damals in Aachen ab; in der Kreuzkirche fiel eine Figur vom Altare. In Köln schlug die kleine Glocke des Domes mehrmals an. In der St. Gereonskirche schwankten die Pfeiler so stark, daß die Gläubigen von Schrecken erfüllt hinauseilten. Von herabstürzenden Kaminen wurden in Köln damals mehrere Personen verletzt und eine getötet.“[6]

  1. Das Erdbeben vom 10. Juli 1931:
© Stadtarchiv Grevenbroich

Erdbeben in Elfgen        10.7.1931

Gegen 18 Uhr verspürte man in Elfgen Erdstöße. Es war, als ob ein schwerer Lastwagen vorbeiführe. Ich befand mich auf einem Spaziergang und habe nichts wahrgenommen. Von den 43 Kindern meiner Klasse nahmen 4 das Beben wahr. Die Berichte dieser Kinder habe ich pflichtgemäß an die Erdbebenwarte Aachen gesandt.“[7]

In der Elfgener Schulchronik ist ein Aufsatz von Dr. Th. Kappes im Originaldruck enthalten, der nachfolgend in Teilen wörtlich zitiert wird.

„Am 10. Juli 1931 gegen 18 Uhr wurde ein großer Teil der Regierungsbezirke Aachen, Düsseldorf und Köln durch ein Erdbeben erschüttert. Über dieses Beben erhielt die Aachener Erdbebenwarte insgesamt 150 Mitteilungen aus 115 Orten. Die Ausdehnung des zusammenhängenden Schüttergebietes beträgt danach, wie die hier beigegebene Karte zeigt, in südwestnordöstlicher Richtung und in der senkrecht hierzu stehenden Richtung rund 90 Kilometer.

Nennenswerter Schaden ist nirgendwo entstanden. Als größte Schütterwirkung wurde die Bebenstärke 5 beobachtet. Eine Zone dieser Bebenstärke bilden die Ort Bedburg, Glesch und Elsdorf. In Bedburg fiel ein Beobachter von einem Stuhl. In Glesch liefen die Ortsbewohner erschreckt auf die Straße. In Elsdorf hörte ein Beobachter starkes Donnern und verspürte zugleich einen gewaltigen Stoß, so daß das Haus erzitterte. Die Wände krachten, und Kalk rieselte ab. Bei anderen Bewohnern schwankten die Schränke. In einem Zwinger liefen die Hunde wie toll umher und heulten furchtbar. […]

Innerhalb der Zone 4,5 ist noch Dormagen mit der Stärke 5 erschüttert worden. In der Schulklasse des Schulgebäudes bröckelte der Verputz ab. Auf dem Speicher fielen eine leere Flasche und ein Blumentopf um. In einem Neubau wurde eine Bodensenkung von etwa ein Zentimeter verursacht, so daß das Schloß der Haustür vollständig versagte.“[8]

Auf der nachfolgenden Karte, die ebenfalls aus „Das Beben vom 10.7.1931 von Dr. Th. Kappes, Sonderdruck aus dem Politischen Tagesblatt vom 29. August 1931“ entnommen wurde, sind die einzelnen Erdbebenzonen rund um Grevenbroich sehr gut zu erkennen.

© Stadtarchiv Grevenbroich
  1. Das Erdbeben vom 21. November 1932:
© Stadtarchiv Grevenbroich

„Ein Erdbeben                   21.11.32

wurde diese Nacht um 38 Minuten nach 12 Uhr verspürt. Viele Bewohner wurden aus mitternächtigem Schlafe geweckt. Möbel gerieten ins Wanken. Porzellan klirrte im Schranke. Es waren 2 Stöße von einer Gesamtdauer v. 5 – 6 Sekunden.“[9]

In der Elfgener Schulchronik ist ein Aufsatz von Otto Koentges im Originaldruck enthalten, der nachfolgend in Teilen wörtlich zitiert wird.

„Erdbeben vom 21. November 1932. Den Erderschütterungen, die im Rheinland am 1.4. und 10.7.1931 gespürt wurden, folgte erst wieder am 21. Nov. 1932 um 0 Uhr 38 Minuten ein ohne Instrumente bemerkbares mittelstarkes Erdbeben. Es weckte einen großen Teil der Bevölkerung der Rheinprovinz aus dem Schlafe.

Das Schüttergebiet dieses Erdbebens erstreckt sich, so weit bekannt geworden ist, über Holland, Belgien, Luxemburg, die Rheinprovinz, Westfalen und Teile von Hannover. Der Erdbebenwarte Aachen gingen aus 281 Orten der Rheinprovinz insgesamt 477 Mitteilungen über dieses Beben zu. Vorstehende Karte zeigt die Orte gleicher Bebenstärke. Sie enthält nur Orte, aus denen der Erdbebenwarte Nachrichten zugegangen sind. Sie wurde ohne Benutzung einer geologischen Karte entworfen. […]

In der Rheinprovinz ist die größte Bebenstärke 6 in den Orten Hüls in der Nähe von Krefeld, und in Lobberich, östlich Kaldenkirchen beobachtet worden. In Lobberich blieb eine Wanduhr stehen. Aus dem Küchenschrank stürzten Teller zu Boden. Kinder fielen aus den Betten; viele Leute liefen erschreckt mangelhaft bekleidet ins Freie.

In Hüls fiel ein Kleiderschrank um und von einem Balkon löste sich eine große Verzierung mit dem Verputz und fiel auf die Straße. Ein Glasballon mit 50 Liter Wein kippte um und zerbrach. […]

Das vorliegende Erdbeben ist seit 1926 das heftigste gewesen. Doch ist, wie bei jenem, nirgendwo bedeutenderer Schaden entstanden. Die Dauer der Erschütterungswirkungen wird zwischen wenigen Sekunden und drei Minuten angegeben.“[10]

Auf der nachfolgenden Karte, die ebenfalls aus „Erdbeben vom 21. November 1932 von Otto Koentges, Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter der Erdbebenwarte Aachen, Ort des Abdruckes unbekannt“ entnommen wurde, sind die einzelnen Erdbebenzonen rund um Grevenbroich sehr gut zu erkennen.

© Stadtarchiv Grevenbroich

Der Geschichtsverein Grevenbroich bedankt sich beim Stadtarchiv Grevenbroich für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages, der sicherlich auch für den Geschichtsverein etwas Ungewöhnliches in seiner Art des Themas darstellt.

[1] Geologischer Dienst NRW, https://web.archive.org/web/20131029194510/http://www.gd.nrw.de/zip/ l_yroer.pdf, Abruf am 11. Juni 2022 um 14.55 Uhr

[2] Stefan Faßbender, Transkription der Elfgener Schulchronik 1873 – 1897, StA Grevenbroich, Best GV 12 Schulchroniken Nr. 214

[3] https://www.gfz-potsdam.de/sektion/erdbebengefaehrdung-und-dynamische-risiken/themen/hintergrund informationen-erdbeben/seismizitaet-in-deutschland, Abruf am 11. Juni 2022 um 15.54 Uhr

[4] Stefan Faßbender, Transkription der Elfgener Schulchronik 1873 – 1897, StA Grevenbroich, Best GV 12 Schulchroniken Nr. 214

[5] https://www.gfz-potsdam.de/sektion/erdbebengefaehrdung-und-dynamische-risiken/themen/hintergrund informationen-erdbeben/seismizitaet-in-deutschland, Abruf am 11. Juni 2022 um 16.16 Uhr

[6] Das Beben vom 10.7.1931 von Dr. Th. Kappes, Sonderdruck aus dem Politischen Tagesblatt vom 29. August 1931, Aachener Zeitung, Aachen.

[7] Stefan Faßbender, Transkription der Elfgener Schulchronik 1927 – 1933, StA Grevenbroich, Best GV 12 Schulchroniken Nr. 216

[8] Das Beben vom 10.7.1931 von Dr. Th. Kappes, Sonderdruck aus dem Politischen Tagesblatt vom 29. August 1931, Aachener Zeitung, Aachen.

[9] Stefan Faßbender, Transkription der Elfgener Schulchronik 1927 – 1933, StA Grevenbroich, Best GV 12 Schulchroniken Nr. 216

[10] Erdbeben vom 21. November 1932 von Otto Koentges, Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter der Erdbebenwarte Aachen. Ort des Abdruckes ist unbekannt.

Wir alle sind verschieden – wir alle sind Pascal!

Ahnenforschung und Erstellung eines Familienstammbaums

Unter diesem Motto stand ein Projekt des UNESCO-Projekttages des Pascal Gymnasiums in Grevenbroich.

Projektbeschreibung: Jeder Mensch hat eine persönliche Geschichte, seine eigene und die seiner Familie. Mit diesem Projekt gingen die Schüler*innen auf Spurensuche. Sie untersuchten ihre Familiengeschichten, erstellten Familienstammbäume und recherchierten, wie ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gelebt haben. Aus welchen Orten und Ländern stammten sie? Wie sah es damals in diesen Ländern aus? Und was hat sich im Gegensatz zu heute geändert? Am Ende sollten alle Teilnehmer*innen einen Familienstammbaum und eine Mappe erstellen, in der die Ergebnisse festgehalten werden, so dass alle eine bleibende Erinnerung erhalten.

Zwangsläufig führten diese Zielvorgaben die 20 Schüler*innen auch in das Stadtarchiv Grevenbroich, um die dortigen, vielfältigen Recherchemöglichkeiten kennenzulernen. Neben einer Führung im Archivkeller stellte Frau Schulte vom Stadtarchiv den Schüler*innen u. a. Standesamtsregister, Schulchroniken, eine Totenzettelsammlung, Ahnenpässe und viele andere Recherchemöglichkeiten vor. Also Geschichte zum Anfassen und dies alles hautnah. Auch die Fragen der Schüler*innen konnten kompetent beantwortet werden.

Für Stefan Faßbender, Mitglied im Arbeitskreis Familienforschung im Geschichtsverein Grevenbroich, war es daher selbstverständlich, aus seiner langjährigen Erfahrung (Ratschläge über Suchmöglichkeiten, die Dokumentation von Forschungsergebnissen in Stammbäumen oder Ahnenprogrammen, die Auswertung von historischen Hochzeitsfotos, Online-Recherchen etc.) zu berichten. Darüber hinaus hatten die Schüler*innen und Lehrer*innen auch die Möglichkeit in der vom Arbeitskreis Familienforschung aufgebauten Datenbank „Genius“ direkt nach ihren Vorfahren zu suchen und im Anschluss auch ausgedruckte Urkunden vom Stadtarchiv zu erhalten. Am Folgetag hatten die Schüler*innen nochmals in der Schule die Möglichkeit gemeinsam mit dem Familienforscher Online-Recherchen in vielen verschiedenen öffentlich zugänglichen Datenbanken durchzuführen und kennenzulernen bzw. nochmals gezielt nach Urkunden in der vereinseigenen Datenbank zu suchen.

Wir vom Arbeitskreis Familienforschung und das Stadtarchiv Grevenbroich danken für das große Interesse und das uns entgegengebrachte Vertrauen, dass wir dieses Projekt unterstützen bzw. begleiten durften, um Geschichte und Familienforschung lebhafter zu machen.

Noch zwei Anmerkungen zum Thema „Manchmal gibt es auch in der Ahnenforschung Zufallsfunde“.

Wie sich während der gemeinsamen Recherchen herausstellte, sind die Lehrerin Frau Welter und Stefan Faßbender in direkter Linie (gemeinsame Urgroßeltern in 4. Generation) miteinander verwandt, so dass Familienfeste zukünftig wohl auch gemeinsam gefeiert werden können.

Ebenso fanden wir in den Stammbäumen von zwei Schülerinnen, die sich bisher noch nicht einmal namentlich kannten, eine identische Person. Ob es sich hierbei um eine direkte Verwandtschaft oder „nur“ eine Nebenlinie handelt, konnte noch nicht abschließend geklärt werden.

Das Thema „Ahnenforschung“ bleibt also weiterhin spannend und interessant. Der Arbeitskreis Familienforschung freut sich über die vielen gefundenen Ergebnisse und steht interessierten Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften zukünftig weiterhin gerne mit Rat und Tat beiseite.

Alte Baupläne

Manchmal kann auch eine Toilette zur Familienforschung gehören. Bei Recherchen zu meiner Familienchronik bin ich im Stadtarchiv auf eine alte Bauakte gestoßen, die den erstmaligen Bau eines Aborts meines jetzigen Wohnhauses beschreibt. Vorangegangen ist die Beschwerde des damaligen Mieters, dass es keinen Abort gibt und auch noch sonstige „Baumängel“ vorhanden sind. Auch wenn meine Familie das Haus zu dem Zeitpunkt noch nicht selbst bewohnt hat, stellt dies für mich jedoch trotzdem ein Stück Zeitgeschichte dar. Denn die Akte „beschreibt“ die Lebensumstände meiner Vorfahren auch noch in den 1910er Jahren als sie das Haus erworben haben. Anhand weiterer Bau- und Umbaupläne konnte ich den genauen Ort und Zeitraum der Nutzung recht gut rekonstruieren.

An dieser Stelle möchte ich mal ausdrücklich bei allen Mitarbeiterinnen des Stadtarchives Grevenbroich bedanken, die mich als Familien- und Heimatforscher bereits seit Jahren bereitwillig, freundlich, hilfsbereit und immer ergebnisorientiert bei allen Anfragen meinerseits unterstützt haben. Ohne deren Mithilfe wäre z. B. meine eigene Familienchronik nicht so gewachsen und interessant geworden. Vielen lieben Dank!!!

Quellen aller Bilder: Stadtarchiv Grevenbroich/Stefan Faßbender

Wo sind meine Wurzeln?

Die Familie ist wie ein Baum. Die Zweige wachsen in unterschiedliche Richtungen, jedoch halten die Wurzeln alles zusammen. Viele Andenken schlummern vielleicht noch in Schränken, Kellern und auf Dachböden. Für die eigene Familiengeschichte gute Voraussetzungen, um mit der Familienforschung zu beginnen. Eltern und Großeltern erzählen sicher gern über ihre Kindheit und geben ihre Erinnerungen aus dieser Zeit weiter. Interessante Anekdoten und Einblicke in längst vergangene Zeiten bergen für kommenden Generationen erhaltenswerte Geschichten.

  • Befrage deine Verwandten.
  • Mache dir Notizen.
  • Sammele auch scheinbar unwichtige Dokumente.
  • Bewerte deine gesammelten Informationen.
  • Suche Standesämter auf.
  • Forsche in Archiven.
  • Befasse dich mit der Regionalgeschichte.
  • Erstelle einen Stammbaum deiner Familie.