Wir alle sind verschieden – wir alle sind Pascal!

Ahnenforschung und Erstellung eines Familienstammbaums

Unter diesem Motto stand ein Projekt des UNESCO-Projekttages des Pascal Gymnasiums in Grevenbroich.

Projektbeschreibung: Jeder Mensch hat eine persönliche Geschichte, seine eigene und die seiner Familie. Mit diesem Projekt gingen die Schüler*innen auf Spurensuche. Sie untersuchten ihre Familiengeschichten, erstellten Familienstammbäume und recherchierten, wie ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gelebt haben. Aus welchen Orten und Ländern stammten sie? Wie sah es damals in diesen Ländern aus? Und was hat sich im Gegensatz zu heute geändert? Am Ende sollten alle Teilnehmer*innen einen Familienstammbaum und eine Mappe erstellen, in der die Ergebnisse festgehalten werden, so dass alle eine bleibende Erinnerung erhalten.

Zwangsläufig führten diese Zielvorgaben die 20 Schüler*innen auch in das Stadtarchiv Grevenbroich, um die dortigen, vielfältigen Recherchemöglichkeiten kennenzulernen. Neben einer Führung im Archivkeller stellte Frau Schulte vom Stadtarchiv den Schüler*innen u. a. Standesamtsregister, Schulchroniken, eine Totenzettelsammlung, Ahnenpässe und viele andere Recherchemöglichkeiten vor. Also Geschichte zum Anfassen und dies alles hautnah. Auch die Fragen der Schüler*innen konnten kompetent beantwortet werden.

Für Stefan Faßbender, Mitglied im Arbeitskreis Familienforschung im Geschichtsverein Grevenbroich, war es daher selbstverständlich, aus seiner langjährigen Erfahrung (Ratschläge über Suchmöglichkeiten, die Dokumentation von Forschungsergebnissen in Stammbäumen oder Ahnenprogrammen, die Auswertung von historischen Hochzeitsfotos, Online-Recherchen etc.) zu berichten. Darüber hinaus hatten die Schüler*innen und Lehrer*innen auch die Möglichkeit in der vom Arbeitskreis Familienforschung aufgebauten Datenbank „Genius“ direkt nach ihren Vorfahren zu suchen und im Anschluss auch ausgedruckte Urkunden vom Stadtarchiv zu erhalten. Am Folgetag hatten die Schüler*innen nochmals in der Schule die Möglichkeit gemeinsam mit dem Familienforscher Online-Recherchen in vielen verschiedenen öffentlich zugänglichen Datenbanken durchzuführen und kennenzulernen bzw. nochmals gezielt nach Urkunden in der vereinseigenen Datenbank zu suchen.

Wir vom Arbeitskreis Familienforschung und das Stadtarchiv Grevenbroich danken für das große Interesse und das uns entgegengebrachte Vertrauen, dass wir dieses Projekt unterstützen bzw. begleiten durften, um Geschichte und Familienforschung lebhafter zu machen.

Noch zwei Anmerkungen zum Thema „Manchmal gibt es auch in der Ahnenforschung Zufallsfunde“.

Wie sich während der gemeinsamen Recherchen herausstellte, sind die Lehrerin Frau Welter und Stefan Faßbender in direkter Linie (gemeinsame Urgroßeltern in 4. Generation) miteinander verwandt, so dass Familienfeste zukünftig wohl auch gemeinsam gefeiert werden können.

Ebenso fanden wir in den Stammbäumen von zwei Schülerinnen, die sich bisher noch nicht einmal namentlich kannten, eine identische Person. Ob es sich hierbei um eine direkte Verwandtschaft oder „nur“ eine Nebenlinie handelt, konnte noch nicht abschließend geklärt werden.

Das Thema „Ahnenforschung“ bleibt also weiterhin spannend und interessant. Der Arbeitskreis Familienforschung freut sich über die vielen gefundenen Ergebnisse und steht interessierten Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften zukünftig weiterhin gerne mit Rat und Tat beiseite.

Alte Baupläne

Manchmal kann auch eine Toilette zur Familienforschung gehören. Bei Recherchen zu meiner Familienchronik bin ich im Stadtarchiv auf eine alte Bauakte gestoßen, die den erstmaligen Bau eines Aborts meines jetzigen Wohnhauses beschreibt. Vorangegangen ist die Beschwerde des damaligen Mieters, dass es keinen Abort gibt und auch noch sonstige „Baumängel“ vorhanden sind. Auch wenn meine Familie das Haus zu dem Zeitpunkt noch nicht selbst bewohnt hat, stellt dies für mich jedoch trotzdem ein Stück Zeitgeschichte dar. Denn die Akte „beschreibt“ die Lebensumstände meiner Vorfahren auch noch in den 1910er Jahren als sie das Haus erworben haben. Anhand weiterer Bau- und Umbaupläne konnte ich den genauen Ort und Zeitraum der Nutzung recht gut rekonstruieren.

An dieser Stelle möchte ich mal ausdrücklich bei allen Mitarbeiterinnen des Stadtarchives Grevenbroich bedanken, die mich als Familien- und Heimatforscher bereits seit Jahren bereitwillig, freundlich, hilfsbereit und immer ergebnisorientiert bei allen Anfragen meinerseits unterstützt haben. Ohne deren Mithilfe wäre z. B. meine eigene Familienchronik nicht so gewachsen und interessant geworden. Vielen lieben Dank!!!

Quellen aller Bilder: Stadtarchiv Grevenbroich/Stefan Faßbender

Wo sind meine Wurzeln?

Die Familie ist wie ein Baum. Die Zweige wachsen in unterschiedliche Richtungen, jedoch halten die Wurzeln alles zusammen. Viele Andenken schlummern vielleicht noch in Schränken, Kellern und auf Dachböden. Für die eigene Familiengeschichte gute Voraussetzungen, um mit der Familienforschung zu beginnen. Eltern und Großeltern erzählen sicher gern über ihre Kindheit und geben ihre Erinnerungen aus dieser Zeit weiter. Interessante Anekdoten und Einblicke in längst vergangene Zeiten bergen für kommenden Generationen erhaltenswerte Geschichten.

  • Befrage deine Verwandten.
  • Mache dir Notizen.
  • Sammele auch scheinbar unwichtige Dokumente.
  • Bewerte deine gesammelten Informationen.
  • Suche Standesämter auf.
  • Forsche in Archiven.
  • Befasse dich mit der Regionalgeschichte.
  • Erstelle einen Stammbaum deiner Familie.

Software zur Erstellung von Stammbäumen

Wurde jemand vom Virus der Ahnenforschung infiziert, stellt sich oft die Frage: „Wie stelle ich meine Vorfahren in einer Übersicht dar?“. Hierzu bieten sich Ahnenforschungs- oder aber auch spezielle Stammbaumprogramme an. Den Darstellungsmöglichkeiten sind nahezu keine Grenzen, wie z. B. Vorfahren- bzw. Nachfahrentafeln, Kreis- oder Fächerdiagramme, mit bzw. ohne Hintergrund, mit Fotos oder auch ohne, gesetzt. Ein Mitglied unseres AK hat in der Vergangenheit schon mal einen Stammbaum in der Größe von ca. 4 m x 1 m mit 14 Generationen vorgestellt.

In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein oder dem Erstellen von Stammbäumen mittels Software zu informieren.

Rothschild & Fleck Grevenbroich: Pessach in einer christlichen Nachbarschaft

Kölner Strape um die Jahrhundertwende

Das jüdische Manufakturwarengeschäft Rothschild & Fleck zählte spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts zu den führenden Geschäften Grevenbroichs. Die Inhaberfamilien Rothschild, mehr noch die Familie Fleck pflegten ihre  Religion – sie gehörten der orthodoxen Richtung an. Sie schlossen ihr Geschäft auf der heutigen Kölnerstraße 38-46 zwar nicht an den normalen Sabbat-Tagen.

Da die Synagoge in Grevenbroich jedoch in direkter Nachbarschaft auf der Kölnerstraße 24 beheimatet war, blieb der Besuch des Sabbatgottesdienstes möglich.

ie Familien Rothschild und Fleck schlossen ihr Geschäft aber regelmäßig zu den jüdischen Hohen Feiertagen, so auch an Pessach – dem jüdischen Osterfest. Regelmäßig informierten sie ihre Kunden mit Anzeigen im Grevenbroicher Kreisblatt, dass ihr Geschäft geschlossen blieb.

So inserierten sie auch vor 166 Jahren am 20. April 1856: „Der Feiertage halber bleibt am heutigen Sonntag 20., Montag, den 21. sowie Sonntag den 27. ds. Mts. Unser Geschäft geschlossen“.

Interessant an der Geschäftsanzeige ist zunächst, dass es zu dieser Zeit keine Sonntagsruhe im allgemeinen Geschäftsverkehr gab. Damals durften alle Geschäfte auch Sonntags öffnen, nur während der Hauptgottesdienstzeiten waren diese zu schließen sowie feilgebotene Waren mit Tüchern zu verdecken.

 Wenn auch nicht zum vorhergehenden Sabbat, so schlossen Rothschild & Fleck allerdings Sonntag und Montag ihr Geschäft, da nach jüdischem Kalender am 20 April 1856 der 15. Nissan des Jahres 5616 nach Erschaffung der Welt (יום ראשון ט”ו ניסן ה’תרט”ז) und damit das Pessach-Fest begann. An diesem Festtag wurde der festliche Sederabend zuhause im Kreise der Familie auf der Kölnerstraße gefeiert, der mit symbolischen Speisen und ungesäuertem Brot weltweit in der jüdischen Gemeinschaft an den Auszug aus Ägypten alljährlich am 15. Nissan erinnert. Es ist das Fest der Befreiung von Sklaverei und Unterdrückung.

Als volle Feiertage gelten jedoch nur der erste Tag – der Tag des Auszugs – und der letzte Tag – der Tag der Spaltung des Schilfmeeres. Und da das Pessach-Fest in der Diaspora acht anstatt sieben Tage gefeiert wurde, schloss das Geschäft von Rothschild & Fleck auch erneut am Sonntag, den 27. April 1856, worauf Rothschild & Fleck erneut mit einer Anzeige im Grevenbroich Kreisblatt hinwiesen.

Ulrich Herlitz

Jahrmarkt: der Laetare- oder Halfbfastenmarkt vor Ostern

Ulrich Herlitz

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war in Grevenbroich der wohl bedeutendste Jahrmarkt der “Laetare”-Markt. Er war nebem dem Laurentius-Markt im August und dem Hubertusjahrmarkt Anfang November der dritte Grevenbroicher Jahrmarkt, jeweils verbunden mit einem Viehmarkt.

Slg Herlitz: Breitestr. um 1890
Breitestraße um 1890 – die 1899 erbaute Pfarrkirche fehlt noch. Wegen ihrer Breite war die Straße immer attraktiv für Veranstaltungen. (Postkarte Slg Herlitz)
Der Laetare-Markt wurde während der Fastenzeit am Sonntag „in der halben Fasten“ gehalten, verbunden mit einem an den beiden folgenden Wochentagen stattfindenden großen Viehmarkt. Der Laetare-Sonntag war dabei wahrlich ein besonderer Anlaß. Als Halb- oder Mittfastensonntag war er vom Fasten ausgenommen. Das Motto „Laetare“ – „Freu´dich, Jerusalem“ – war der Sonntagsliturgie entnommen und verhieß den Gläubigen schon die österliche Freude, die im Laetare-Jahrmarkt ihr weltliches Pendant als Anlaß zu ausgelassenem Jubel und Trubel fand.

Jahrmarktsverzeichnisse aus unserer Region ergeben ein Bild von den feilgebotenen Waren. Es handelte sich um „Faßbinderwaren, Kurzwaren, Ellenwaren, Blech- und Eisenwaren, Messer, Porzellan, Schuhe, Hüte, Seil, Strümpfe, Mausefallen, Zinnwaren, Spielzeug, Mützen, Birnen, Kämme, Holzpferde, Tabak, „Bildcher“, „Bettbücher“, „Frauenkappen“ und alte Kleider“. Auf dem Viehmarkt wurden Geschäfte gemacht, die besiegelt und gefeiert werden wollten.

War der Marktbesuch bereits aus diesen Gründen nicht alltäglich, war er den Menschen, die sich für die Kirche eigens zurechtgemacht hatten, auch Anlaß, am Sonntag „Staat“ zu machen.

Der Bezug auf “Bildcher” und “Bettbücher” im Jahrmarktsverzeichnis nimmt dabei noch Bezug auf die kirchlichen Wurzeln, wurden doch Heiligenbilder oder Bilder mit biblischen Szenen neben Gebetbüchern und religiöser Erbauungsliteratur feilgeboten.

Bereits um die 1840er Jahre hatte sich die drei ursprünglich mit kirchlichen Festen verbundenen Jahrmärkte jedoch fast völlig von seinen kirchlichen Wurzeln gelöst, so dass ab 1845 auch die Düsseldorfer Regierung wegen des zunehmend weltlichen Charakters die Sonntagsmärkte “nach und nach” abschaffte, nur der Laetare-Markt durfte wegen seiner Bedeutung zunächst noch am Sonntag abgehalten werden, aber nicht mehr der damit verbundene zweitägige Viehmarkt. 
Der Heimatforscher Jakob Hubert Dickers schilderte 1912 den Reiz des Jahrmarktes, den der Halb-Fastenmarkt schon “seit alters her” ausmachte: „Die Krambuden standen auf der Straße hinter der Erftbrücke bis weit die Kölnerstraße hinauf. Außerdem fanden sich Kunstreiter, Seiltänzer, Stelzenläufer und Kölner Hänneschen-Theater ein, die mit ihren trag- und fahrbaren leinenumspannten Kasten von einer Stelle zur anderen zogen. In den Toreingängen waren vollständige Manufakturwarengeschäfte eingerichtet. In der Breiten Straße befand sich damals eine alte Wirtschaft „Im Schwan“ mit Toreingang, wo die fahrenden Künstler, die Kameltreiber, Bärenführer mit ihren Tieren sowie der sogenannte reisende “Pöngel” herbergten.“ Auf dem Grundstück am Steinweg, auf dem später das Lichtschlagsche Haus erbaut wurde, sollte sich bald das erste “Karussell“ gedreht haben.
 

In einer eher seltenen Jahrmarkts-Anzeige aus dem Grevenbroicher Kreisblatt vom 29. März 1857 werden von der Firma Hannen neben “Pfeiffenwaren” (Tabakwaren) auch Galanterie- und Kurzwaren feilgeboten. “Galanteriewaren heißen die zum Putz und Schmuck gehörenden Luxusartikel, mit Ausnahme der Schnittwaren, als seidene Bänder, kleine Tücher, Fichus, Handschuhe, Fächer, Bijouteriewaren, Dosen, seine Gegenstände aus Gußeisen, Bronze, Zink, Neusilber, Leder, Holz, Elfenbein, Hartgummi, Knochen, Zelluloid, Glas, Blech u. dgl., also etwa gleichbedeutend mit Kurzwaren (s.d.). Die Franzosen, die den Ausdruck G. gar nicht kennen, sagen dafür: articles de nouveauté et de modes, objets de bijouterie, articles de Paris u. dgl.” so heißt es in Meyers Lexikon von 1907. Und der Begriff “Kurzwaaren” nahm Bezug auf den älteren, im 18. Jahrhundert gebräuchlichen Begriff „kurze Waren“. Dies war zunächst wörtlich zu verstehen, also Waren, die nicht mit der Elle gemessen werden, keine “Ellenwaren” – keine Ware am Laufmeter, wie damals üblicherweise Stoffe verkauft wurden. Es handelte sich vielmehr um Stück- oder Schüttgut, wobei sich das Adjektiv „kurz“ aber nicht unbedingt nur auf die Länge bezog, es konnte auch im Sinne von „klein“ gebraucht werden. Hierzu passte dann auch Heinens Werbung, gleich “mehrere tausend Stück” Tischmesser, Gabeln, Feilen und Bohren und “sonstige nützliche Sachen” anzubieten…

Zunehmend fanden sich auch Buden mit reinen Süßigkeiten (“Moppen”) bis hin zu Speiseeis auf dem Jahrmarkt wieder.

Letztlich durfte auch der Halbfastenmarkt Ende der 1850er Jahre nicht mehr am Sonntag abgehalten werden und wurde ebenfalls auf einen Mittwoch gelegt. Damit verlor er zunehmend an Bedeutung, zumal auch die stehenden Manufakturwarengeschäfte in der Stadt stetig zunahmen.
 
Die Schilderung Dickers macht auch deutlich, dass der Jahrmarkt sich nicht nur von seinen kirchlichen Wurzeln losgelöst hatte, sondern dass sich der reine Krammarkt zu einem regelrechten Volksfest entwickelte, in dem Schaustellungen und Volksbelustigung immer mehr in den Vordergrund und das Feilbieten von Kurz- und Galanteriewaren in den Hintergrund gerieten.

Eine 1894 erlassene Verordnung der Stadt Grevenbroich gibt ein Eindruck von den damals auf den Jahrmärkten vertretenen und zu versteuernden “Lustbarkeiten”: Bis zu 10 Mark mussten gezahlt werden für „Schaustellungen, z. Bsp. von Gymnastikern, Equilibristen, Ballett- und Seiltänzern, Taschenspielern, Zauberkünstlern, Bauchrednern, Panoramen, mechanischen Bühnen, Marionetten, Feuerwerken, Wachsfiguren-Kabinetten, sowie das Vorzeigen von fremden Tieren oder Kuriositäten, Museen etc“. Denselben Preis kostete eine Zirkus-Vorstellung oder ähnlich größere Schaubuden-Vorstellung, während Würfel- und Schießbuden mit 15 Mark pro Tag besteuert wurden.
Für das Aufstellen eines Karussells wurde ein gestaffelter Steuersatz erhoben, je nachdem, ob das Karussell „durch Menschenhand, durch Pferdekraft“ oder „durch maschinelle Kraft“ angetrieben wurde. Neben der herkömmlichen Schaukel wurden erstmals auch Schiffschaukel und russische Schaukel – das Riesenrad – extra besteuert.

Die in der Lustarbkeitssteuer genannten Schaustellungen fanden sich allerdings bald nur noch auf dem Anfang September an drei Tagen, einschließlich des Sonntags abgehaltene Kirmesjahrmarktes auf dem eigens dafür angelegten Schützenplatz GV Stadtmitte. Die Kirmes erfuhr immer mehr Zulauf, zumal sie mit dem Schützenfest des BSV 1849 Grevenbroich e.V. verbunden war. Zusammen mit den Schützenumzügen, den zahlreichen Bällen in den Gaststätten und dem Festzelt auf dem Schützenplatz war er nicht nur für die Grevenbroicher äußert attraktiv und zog auch darüber hinaus Publikum aus dem gesamten Kreisgebiet an…

Der Halbfastenmarkt hingegen wurde 1902 endgültig aufgehoben, allerdings hallte sein Ruf noch eine gewisse Zeit nach. 1911 machte der Bürgerverein Grevenbroich sich wieder für ein Wiederaufleben des Halbfastenmarktes stark. Vergeblich, auch wenn die Grevenbroicher Stadträte und selbst der Bürgermeister dies unterstützten – die Aufsichtsbehörden waren strikt gegen Jahrmärkte und Kirmessen eingestellt…

Laetare wird heutzutage nur noch in der Kirche gefeiert. Allerding gab es noch im vergangenen Jahr den (auch nicht umgesetzten) Vorschlag, pandemiebedingt ausgefallenen Karnevalsumzüge am Laetare-Sonntag nachzuholen…


Wollen Sie mehr über die Grevenbroicher Jahrmärkte, Kirmessen bis hin zur Entwicklung von Schützenfest und Kirmes, wie wir es noch heute am ersten Septemberwochenende feiern, erfahren?!? Dann empfehlen wir gerne den Aufsatz unseres Vorsitzenden Ulrich Herlitz in der Festschrift des BSV-Grevenbroich aus dem Jahr 1999 aus Anlass des 150-jährigen Vereinsjubiläums.

Die Entwicklung des Luftkrieges

Im Rahmen der Kooperation „Netzwerk Grevenbroicher Kriegstote“ konnte der Arbeitskreis Familienforschung im Geschichtsverein Grevenbroich e. V. den Referenten Stefan Rosellen vom Verein Luftschutzanlagen Rhein Kreis Neuss e. V. für einen sehr eindrucksvollen Vortrag gewinnen.

Das Thema „Entwicklung des Luftkrieges“ fesselte die Mitglieder und Gäste des Arbeitskreises mehr als 1,5 Stunden. Der Vortrag umfasste die Entwicklung des Zeitraums von 1914 bis 1945 und wurde von eindrucksvollem Bildmaterial und sowie Zitaten aus Schul- und Kirchenchroniken aus dem gesamten Kreisgebiet ergänzt. Aber auch die Betrachtung aus alliierter Sicht kam dabei nicht zu kurz.

Eindrucksvoll wurde der erste 1.000-Bomber-Angriff am 31. Mai 1942 auf Köln mit seiner Durchführung und den Auswirkungen auf die Bevölkerung dargestellt. Die Darstellungen von Statistiken über die Luftangriffe, der mehr als 2.000 Luftalarme auf unser Kreisgebiet und der Bau von Luftschutzanlagen auf unserem Kreisgebiet rundeten den Vortrag ab. Die Zahlendarstellung der zivilen Opfer durch Luftangriffe anhand eines Zeitstrahles während des 2. Weltkriegs beeindruckte die Zuhörer gerade im Hinblick auf den derzeitigen Krieg umso mehr.

Nachfolgend eine Übersicht aller Opfer durch Luftangriffe auf dem jetzigen Gebiet der Stadt Grevenbroich zwischen 1939 und 1945 getrennt nach deutschen und anderen Staatsangehörigen.

Wir danken dem Referenten für den Vortrag und dem Verein Luftschutzanlagen Rhein Kreis Neuss e. V. für die vertrauensvolle und immer ergänzende Zusammenarbeit und freuen uns jetzt schon auf den Besuch des Bunkers Am Feldtor in Zons (Termine öffentliche Führungen) und den nächsten Vortrag im Rahmen unserer Zusammenarbeit.

Der Arbeitskreis Familienforschung trifft sich monatlich zum Erfahrungsaustausch. Er lädt Interessierte herzlich ein, an den offenen Diskussionsrunden teilzunehmen, die eigenen Ergebnisse ihrer Familienforschung vorzustellen oder Vorträgen zu folgen.

Lesen von alten Schriften

Wer sich für die Ahnenforschung interessiert, wird früher oder später vor der Herausforderung stehen, handschriftliche Urkunden aus Kirchenbüchern oder Standesamtsregistern lesen zu wollen. Das gestaltet sich manchmal schwieriger als erwartet.

Aber wie bei allen Dingen im Leben gilt auch hier: Übung macht den Meister!

Hier der Text zu dem obigen Bild: “20. November 1768   Ist hier getraut worden Thomas Eheleibl Sohn des Seel Symon Luda Bauern auß Ringwitz, mit der Ehrbahren Magd Marianna Eheleibl Tochter des Thomas Prziklenk Bauer auß Pogorß”

Bei der verwendeten Schrift in älteren Urkunden handelt es sich meist nicht, wie oft fälschlich angenommen, um die nach seinem Erfinder Ludwig Sütterlin benannte Schrift. In den Kirchen und Amtsstuben der vergangenen Jahrhunderte war stattdessen u. a. die deutsche Kurrentschrift üblich.

Wer also bei der Ahnenforschung erfolgreich sein will, muss das Lesen ein zweites Mal erlernen, wird aber sicher mit manch spannender Entdeckung belohnt.

In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein zu informieren. Wir geben aber auch Hilfestellung beim Lesen von alten Urkunden, wenn Wörter mal nicht gelesen werden können oder zeigen wo man Schrifttafeln finden kann.

Software zur Beschriftung von Personen auf Fotos

Fast jede Familie hat in seinen Fotoalben oder in den sogenannten „Fotokisten“ z. B. alte Hochzeitsfotos mit unzähligen Personen darauf. Nach ein bis zwei Generationen geht das Wissen über die Personen jedoch in der Regel verloren. Daher unsere Empfehlung: Sichern Sie die Informationen über Namen etc. auf Kopien mittels Beschriftung oder komfortabel per Software auf Bildkopien.

In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein oder die Dokumentation von Personen auf Fotos mittels Software zu informieren.

Bei dem nachfolgenden Foto handelt es sich um ein Schulfoto vom Einschulungsjahrgang 1917 aus der Schule Elsen. Hiervon ist lediglich eine Person bekannt. Vielleicht erkennt ja jemand seinen Großvater oder seine Großmutter? Hinweise werden gerne angenommen.

Letzter jüdischer Zeitzeuge aus Grevenbroich verstorben

In Erinnerung an Fritz (Fred) Stern

Grevenbroich 18.9.1923
26.12.2021 Corona del Mar/CA USA

Fred Stern 2014 vor dem Fotoalbum, das er 1938/39 kurz vor seiner Emigration anlegte.

Fritz Stern wurde am 18. September 1923 in Grevenbroich geboren und besuchte von 1933 bis 1936 das Realprogymnasium, die Vorläuferschule des Erasmus-Gymnasiums. Seine Familie war jüdischen Glaubens und wohnte seit Generationen in Grevenbroich. Sie war sehr angesehen und vielfältig im Stadtleben engagiert, vor allem seine Großeltern Lazarus & Julie Goldstein sowie sein Großonkel Jacob Goldstein: Bei der Gründung der Höheren Bürgerschule 1861 (der damalige Name des heutigen Erasmus-Gymnasiums), in der Freiwilligen Feuerwehr, bei der Gründung des Roten Kreuzes, bei der Versorgung von Veteranen des Ersten Weltkriegs, mit der Gründung eines Lesevereins und im Leben der jüdischen Gemeinde Grevenbroich. Unter anderem übereignete er auch mit seinem Bruder der jüdischen Gemeinde das Grundstück mit der Synagoge in der Innenstadt – den heutigen Synagogenplatz.

Fritz Sterns Vater, Julius Stern, nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde als Frontkämpfer ausgezeichnet, bevor er Martha Goldstein heiratete.

Jacob Goldstein war ein angesehener Religionslehrer, Mitgründer und über Jahrzehnte einer der prägenden Persönlichkeiten der „israelitischen Lehrerkonferenz für Westfalen und die Rheinprovinz – einige Jahre sogar als Lehrer an der Höheren Bürgerschule!

Die nationalsozialistische Ideologie und insbesondere der seit 1933 zur Staatsdoktrin aufgewertete Antisemitismus war auch im Realprogymnasium deutlich spürbar. Aufgrund diverser antisemitischer Vorfälle auch an der Schule bis 1936 verließ Fritz Stern das Realprogymnasium gegen den Willen seines Vaters, der seinem Sohn trotz allem die bestmögliche Bildung angedeihen lassen wollte. Fritz beendete das Schuljahr auf der Jüdischen Oberschule in Düsseldorf, begann danach ebenda eine handwerkliche Ausbildung und bereitete sich auf die Emigration in die Vereinigten Staaten vor.

 Seine Familie hatte nach den brutalen Übergriffen im Zuge des Novemberpogroms der „Reichskristallnacht“ und anschließenden Inhaftierungen in das KZ Dachau, von denen auch Fritz Onkel Ludwig Goldstein und sein Vater Julius Stern betroffen waren,  den Entschluss gefasst, ihre langjährige Heimat zu verlassen.

2012 Fred Stern mit seinen Erinnerungen “Recollections from My Youth”

Fritz Stern war noch keine 15 Jahre alt, als er im Frühjahr 1939 zusammen mit seinen Eltern in die USA emigrierte und dort als Fred Stern ein neues Leben begann. Hier fand er für die nächsten acht Jahrzehnte eine neue Heimstätte, war beruflich erfolgreich und gründete eine Familie. Verheiratet war er in erster Ehe mit Hannelore (Bier), mit ihr hatte Fred drei Töchter, sein Sohn David verstarb als Kind bei einem tragischen Unfall. In zweiter Ehe war er seit 1972 mit der vor drei Jahren verstobenen Ann (Gerhard) verheiratet.

Den Kontakt zu seiner früheren Heimatstadt hatte Fred Stern nie verloren, fühlte sich ihr bis zuletzt verbunden. Bis in sein Alter bedauerte Fred Stern, dass ihm der Gymnasialabschluss in Deutschland unmöglich war. Im Senior Center seiner neuen Heimat Corona del Mar/Newport Beach nahm er regen Anteil an der „German Class“, außerdem engagierte er sich für die UCI (University of California Irvine).

Ann und Fred Stern 2009 am Erasmusgymnasium.

Im Jahre 2009 besuchte Fred Stern, wie er sich in den USA nannte, mit Hilfe der Bundes-Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, dem Förderverein des Erasmus-Gymnasiums auf Anregung des „Arbeitskreis Judentum“ im Geschichtsverein zuletzt seine Heimatstadt Grevenbroich und auch seine ehemalige Schule, um Schülerinnen und Schülern von seiner Biographie zu berichten. Auch die Gräber seiner in Grevenbroich ansässigen Vorfahren besuchte er gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern auf dem jüdischen Friedhof in Grevenbroich.

Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Judentum um den heutigen Geschichtsvereinsvorsitzenden Ulrich Herlitz warb er im Rahmen seines Besuches 2009 erfolgreich im Rat  der Stadt Grevenbroich für die Verlegung von Stolpersteinen in Grevenbroich  durch Gunter Demnig. Auch für seine Großeltern Lazarus & Julie Goldstein, seine Großtante Julie Goldstein und seinen Onkel Ludwig Goldstein, ebenfalls Abiturient am Progymnasium (1912), wurden daraufhin Stolpersteine am früheren großväterlichen Anwesen auf der

Stolpersteine Familie Goldstein Lindenstr. 27

Lindenstraße 27 verlegt. Mittlerweile ist die 9. Stolpersteinverlegung mit Gunter Demnig für dieses Jahr in Planung, in deren Rahmen auch ein Stolperstein für die ehemalige Schülerin (Höhere Mädchenschule) und Groß cousine von Fritz Stern, Grete Goldstein, verlegt werden soll.

Ulrich Herlitz verfasste einen Aufsatz zu Fritz Stern und seiner Familie in der Festschrift zum 150. Gründungstag des Gymnasiums. Gemeinsam mit dem Geschichtsverein und Geschichtslehrer Martin Lönne wurden pädagogische Arbeitsblätter zu seiner Familie sowie eine Arbeitsmappe zu den Stolper-steinen der Familie Goldstein erarbeitet, die bis heute genutzt werden.

Zurzeit beschäftigen sich zwei Kurse Geschichte mit den Lehrern Till Krewer und Peter Cwik am Erasmusgymnasium mit Fritz „Fred“ Stern und bereiten einen Projekttag zu ihm und seiner Familie anlässlich des Holocaustgedenktages vor.

Am 26. Dezember 2021 verstarb der ehemalige Schüler Fritz Stern im Alter von 98 Jahren in seiner Heimat Corona del Mar / Newport Beach, Kalifornien. Um ihn trauern seine drei Töchter Julie, Peggy und Barbara mit ihren Familien.

Mit Fred Stern ist die Stimme eines der letzten Zeitzeugen und Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung in Grevenbroich, aber auch einer der ältesten, seit mehreren Generationen ansässigen Familien Grevenbroichs endgültig verstummt. Nun liegt es umso mehr auch an uns, seine Familiengeschichte und die der nationalsozialistischen Zeit in Grevenbroich sowie der Grevenbroicher Holocaustopfer zu erzählen. Auch die Schulgemeinde des Erasmusgymnasiums will sich der Erinnerung an ihren ehemaligen Schüler Fritz Stern in besonderem annehmen.

Viele seiner Briefe und Nachrichten endeten mit Fred´s Gruß an seine frühere Heimatstadt, nun ist es an uns, uns von ihm zu verabschieden mit einem letzten Gruß: „Tschüss Fritz“!

Ulrich Herlitz
Arbeitskreis Judentum / Geschichtsverein Grevenbroich

Dr. Michael Collel
Schulgemeinschaft des Erasmusgymnasium

Eckard Cwik
 Verein der Förderer und Freunde des Erasmusgymnasiums