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Online Gespräch – Max Wallfraf (Landrat 1933-1945)

Landrat Max Wallraf war in der NS-Zeit von 1933-1945 Landrat des Kreises Grevenbroich-Neuss.

Landrat Max Wallraf, der Sohn des gleichnamigen Oberbürgermeisters der Stadt Köln (1907 – 1917), stand vom Frühjahr 1933 bis zum Ende des „Dritten Reichs“ an der Spitze der Kreisverwaltung des Kreises Grevenbroich-Neuss.

In seine Amtszeit fallen zentrale Ereignisse und Entwicklungen der national-sozialistischen Herrschaft wie die Gleichschaltung des kommunalen Sektors, die Zwangssterilisationen auf Basis des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 oder die Entrechtung und Verfolgung der Menschen jüdischen Glaubens.

Als eine der ersten Amtshandlung vollzog Landrat Max Wallraf den Wunsch der nationalsozialistischen Kreistagsfraktion, das in katholischer Trägerschaft befindliche, 1925 gegründete Kindererholungsheim des Kreises in eine NS-Gauführerschule zu überführen.
Dies, obwohl der Kreistag nur einen Prüfauftrag zur Üebrführung in Auftrag gegeben hatte, doch die faktischen Machtverhältnisse führten dazu, dass der Vertrag mit dem bisherigen konfessionellen Träger noch vor einem entsprechenden Beschluss des Kreisausschuses aufgekündigt und die Gauführerschule eingerichtet wurde…
Ulrich Herlitz, Vorsitzender des Geschichtsvereins Grevenbroich, ist  Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen zur Geschichte des Nationalsozialismus im hiesigen Raum. Im Rahmen der vom Archiv herausgegebenen Publikation Kreisgeschichte im Spiegel der Biografie. Die Landräte und Oberkreisdirektoren des Rhein-Kreises Neuss und seiner Rechtsvorgänger von 1816 bis zur Gegenwart hat er Leben und Wirken Max Wallrafs ausführlich beschrieben. Im Gespräch mit Archivleiter Dr. Stephen Schröder wird er über seine Forschungen berichten.
Die Veranstaltung findet als Zoom-Meeting im Rahmen der Reihe “Geschichte im Gewölbekeller” statt.
Annmeldungen bitte bis zum 17. Mai per Email an:
Kreisarchiv@rhein-kreis-neuss.de
oder Telefon (02133 530210).
Die Einwahldaten zum Zoom-Meeting wird Ihnen das Archiv rechtzeitig
zukommen lassen.
Der Meetingraum ist ab ca. 18.45 Uhr geöffnet.
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Was sich niemals wiederholt…

…das ist die Kindheit und das Vaterhaus!

Ein virtueller Einblick in eine zunächst glückliche Kindheit und Jugend in den 1920er und 1930er Jahren in Hemmerden. Vorgestellt anhand zweier zeitgenössischen Poesiealben und Familienbildern.
Reinschauen lohnt sich…

https://info-judentum.pageflow.io/poesiealben-hemmerden

Am besten auf PC oder Laptop anschauen, dann auch mit Ton- und Filmaufnahmen! Auf Mobil-Geräten mit Bild und Text…
Und hier einige rezitierte Poesieeinträge aus der Ausstellung, wundervoll gelesen von der Schauspielerin Katja Heinrich.

Henriette Winter
verh. Sachs

"Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Freundschaft nicht?!?"

 



 

Rosalie Winter
geb. Seligmann

"Trifft Dich ein Schmerz,
verrat ihn nicht..."
Sophie Aussen

"Tu, was Du sollst, 
und halt dich rein,
Ist gut für Leben und Werden!"

Elise Winter
verh. Theisebach

“Mit Gott, mein Kind,
dann geht´s Dir gut…”

Walter Theisebach
“Ich schreibe Dir auf´s letzte Blatt, weil ich Dich am liebsten hab´!”

Auch als Ausstellung in der Villa Erckens – Museum der Niederrheinischen Seele am Stadtpark vor Ort – bis Juli 2021.
Es gelten die jeweils aktuellen Gesundheitsschutz-Maßnahmen NRW bzw. des Infektionsschutzgesetzes! Stand 7.4.2021: Derzeit noch mit Anmeldung unter kultur@grevenbroich.de und negativem Schnelltest Besuch möglich!

Nach fast 80 Jahren ein kleines Stück Gewissheit…

Die Geschichte von Ignaz und seiner Familie aus Elfgen. Ignaz wurde am 17.09.1905 in Elfgen geboren und starb am 25.11.1944 im Alter von nur 39 Jahren am Südostrand des Matragebirges in Ungarn. Er hinterließ seine Frau Theresia und drei Kinder im Alter von 4, 8 und 14 Jahren.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

Am „Südostrand des Matragebirges“. Dieser Begriff brannte sich über fast 80 Jahre bei unserer Zeitzeugin ein. Da sie bei dem Tod ihres Vaters erst vier Jahre alt war und sich nicht mehr an ihn erinnern kann, verfolgte diese Ortsangabe und das fehlende „Wissen“ über ihren Vater, sie ein Leben lang. Für das Netzwerk „Grevenbroicher Kriegstote“ öffnete sie aber ihre „Schatzkiste“, welche sich seit Jahrzehnten im Familienbesitz befindet.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

Bei der Durchsicht der Unterlagen fielen die vielen sorgfältig gefalteten Feldpostbriefe, die Ignaz an seine Frau schickte, auf. Feldpostbriefe wurden oft so gefaltet, dass sie gleichzeitig den Umschlag bildeten.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

Während unseres Gespräches erzählte uns die Zeitzeugin, dass sie eigentlich nichts über ihren Vater weiß und sie gerne wüsste, ob er sie auch „lieb“ gehabt hatte und wie er über die Familie empfunden hatte. Über ihn wurde in der Familie nur sehr wenig bis gar nicht gesprochen. Vermutlich nicht, weil er ein schlechter Mensch war, sondern weil es in der Nachkriegszeit vielfach einfach so üblich war, die Toten „ruhen“ zu lassen. Außerdem waren viel drängendere Probleme wie Arbeitssuche, Nahrungsbeschaffung und Wohnungssuche als alleinerziehende Mutter zu bewältigen.

Traurigerweise stellte sich heraus, dass unsere Zeitzeugin über viele Jahre versucht hat, diese vielen Briefe ihres Vaters zu entziffern, um etwas über ihn und seine Beziehung zur Familie zu erfahren. Die Mischung aus Sütterlin und Deutscher Volksschrift machten es ihr aber unmöglich. Hierbei konnten wir der Dame jedoch helfen. Die Feldpostbriefe wurden fotografiert und danach Zeile für Zeile transkribiert. Nur wenige Tage später konnte unserer Zeitzeugin eine Mappe mit den Fotos und der Transkription übergeben werden, die sie mit einem weinendem und einem lächelnden Auge entgegennahm. An dieser Stelle möchten wir uns für das entgegengebrachte Vertrauen, uns private Post ihres verstorbenen Vaters zur Verfügung zu stellen, zutiefst bedanken. Eine Stelle aus diesen Briefen dürfen wir veröffentlichen, da sich mit ihr, eine jahrzehntelange Last vom Herzen unserer Zeitzeugin löste. Sie wurde im letzten Brief des Vaters vom 15.11.1944 – also 10 Tage vor seinem Tod – gefunden:

„Und dann habe ich die Karte von meinem kleinen Liebling erhalten, welches mich am meisten gefreut hat und wenn ich mal wieder nach Hause komme, kriegt es auch von mir ein schönes Namenstaggeschenk, jetzt kann ich ja nichts schicken, ich habe noch etwas Bonbons, aber ich kann die nicht schicken.“

Hierzu ist es leider nie gekommen, da Ignaz am 25. November, dem Tag an dem unsere Zeitzeugin ihren Namenstag feiert, gestorben ist. Für sie war es aber sehr wichtig zu erfahren, als kleiner Liebling bezeichnet zu werden und dass er an sie gedacht hat. Die Zuneigung zur Ehefrau Theresia und den beiden Söhnen war – trotz der schwierigen Verhältnisse und Geschehnissen im Kriegseinsatz – in allen Briefen zu lesen.

Mit diesem Wissen, welche Last viele Menschen in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit oder auch ein ganzes Leben mit sich tragen mussten, wirkt das offizielle Schreiben der Wehrmacht über den Tod wie der blanke Hohn.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

“Stabsveterinär Vogel                                                                 Im Felde, 14.12.44

– 43 988 –

Sehr geehrte Frau xxxxxxxxxxxx,

bei den Abwehrkämpfen am Südostrand des Matragebirges in Ungarn wurde Ihr Ehemann – der Gefreite Ignatz xxxxxxxxxxx – am 24.11.44 schwer verwundet und erlag am 25.11. auf einem Hauptverbandplatz seinen Verwundungen.

Im Kampf um die Freiheit Großdeutschlands in soldatischer Pflichterfüllung, getreu seinem Fahneneid für Führer, Volk und Vaterland starb er den Heldentod.

Zugleich im Namen seiner Kameraden spreche ich Ihnen meine wärmste Anteilnahme aus. Die Kompanie wird Ihren Mann stets ein ehrendes Andenken bewahren und in ihm ein Vorbild sehen.

Die Gewissheit, dass Ihr Mann für die Größe und Zukunft unseres ewigen deutschen Volkes sein Leben hingab, möge Ihnen ein Trost sein in dem schweren Leid, dass Sie betroffen hat, und Ihnen Kraft geben.

Ihr Mann erhielt einen Kopfschuss und hat das Bewusstsein nicht wiedererlangt. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem Heldenfriedhof Salgotarjan (Ungarn) beigesetzt. (Grabanlage: Feld A, 5. Reihe, 3. Grab.)

In allen Fürsorge- und Versorgungsfragen wird Ihnen das zuständige Versorgungsamt, dessen Standort bei jeder militärischen Dienststelle zu erfragen ist, bereitwilligst Auskunft erteilen. Auch ich stehe Ihnen weiterhin gern zur Verfügung.

In aufrichtigem Mitgefühl grüße ich Sie mit

                               Heil Hitler!

                               Wilfried Vogel

                               Stabsveterinär u. Komp. Fhef”

Diese Nachricht muss die Familie vermutlich Anfang Januar 1945 erreicht haben. Die Zeitzeugin erzählte von der Begebenheit wie die Nachricht übergeben wurde, die sich wie der Begriff „am Südostrand des Matragebirges“ in ihre Erinnerungen „eingebrannt“ hat. „Ich stand mit meiner Mutter im Garten. Wir beide sahen einen Mann schweren Schrittes die Straße hinaufkommen. Da wusste meine Mutter, dass ihr Mann, mein Vater gestorben war.“ Wie schwer auch die Übermittlung solcher schlimmen Nachrichten war, ist der Schulchronik Elfgen zu entnehmen, wo der Lehrer Brass genau den Tag davor beschreibt:

„2.1.45 Hubert xxxxxx und Ignaz xxxxxx gefallen.

Zellenleiter Franz xxxxxx zeigte mir soeben die Nachricht vom Heldentode des Bauers Hubert xxxxxx und des Straßenwärters Ignaz xxxxxx. Beide sind verheiratet und hinterlassen je 2 bzw. 3 Kinder. Ich bin erschüttert. Zellenleiter xxxxxx, der die Nachricht überbringen muss, will bis morgen warten. Auch er scheut den schweren Weg zu den Angehörigen. Hubert xxxxxx fiel in Kurland. Er starb am 9.12.44 im Feldlazarett an den Folgen der am 7.12. erlittenen schweren Verwundung. Ignaz xxxxxxx ist in Ungarn gefallen.“ Quelle: Schulchronik Elfgen, Stadtarchiv Grevenbroich.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

Mit ein wenig Recherche konnten wir die Friedhofsanlage ausfindig machen und unserer Zeitzeugin sogar Bilder vom Grab ihres Vaters und der Gesamtanlage überreichen. Das Grab von Ignaz befindet sich heute in der Nähe von Budapest auf dem größten Soldatenfriedhof in Ungarn, der sowohl deutschen als auch ungarischen Soldaten als letzte Ruhestätte dient.

Wir danken der Zeitzeugin für das entgegengebrachte Vertrauen gegenüber dem Netzwerk „Kriegstote Grevenbroich“. Ebenso danken wir besonders für die Unterlagen, Informationen und den „Mut“ uns an einem Teil ihrer Familiengeschichte teilnehmen zu lassen. Auf Wunsch der Zeitzeugin wurde der Nachname der Familie in den Bildern entfernt, was wir uneingeschränkt respektieren.

Wir hoffen, mit diesem kleinen Beitrag viele Grevenbroicher zu erreichen, die uns bei dem Netzwerk „Kriegstote Grevenbroich“ unterstützen möchten und uns ebenfalls Bilder, Informationen und Geschichten zur Verfügung stellen.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

Welttag der Städtepartnerschaften

2007 feierte der BSV 1849 Grevenbroich e.V. aus Anlaß von 100 Jahre Denkmal in Grevenbroich Stadtmitte ein Europaschützenfest mit Vertretern der Partnerstädte aus St. Chamond/Frankreich, Celje/Slowenien, Kessel/Niederlanden und Auerbach/Sachsen.

Aus früheren Erbfeinden und Kriegsgegnern sind längst Freunde geworden sind. Setzen wir alles daran, dass dem auch in Zukunft so bleibt…
Das Bildkartenmotiv zum Anlass edes Europaschützenfestes wurde vom Künstler Jörg Schröder nach einer Idee von Ulrich Herlitz auf einer Bildpostkarte des Denkmals aus dem Jahr 1914 gestaltet.
Es gab eine von der Stadt Grevenbroich, dem Partnerschaftsverein Grevenbroich und dem BSV gemeinsam herausgegebene Postkartenserie…

Wir feiern das Lesen

Welttag des Buches

Wir feiern das Lesen. Welttag des Buches – da empfehlen wir doch glatt die 24-bändige Buchreihe „Beiträge zur Geschichte der Stadt Grevenbroich“, die wir seit 1977 herausgeben. Außerdem einige Einzelpublikationen z. Bsp. zu Wevelinghovener Geschichten oder Grevenbroicher Gesichtern…
     

„Auch diese Knaben sind Opfer dieses unsinnigen Krieges geworden…“

Neuenhausen heute vor 75 Jahren (11.4.1946): „Das Unglück war geschehen. 4 Knaben lagen zerrissen an der Unglücksstelle. Das Dorf war wie gelähmt von diesem traurigen Ereignis.“ (Schulchronik Neuenhausen)

Foto: © Stefan Rosellen

In der direkten Nachkriegszeit befanden sich Unmengen von Munition und Blindgängern im ganzen Land. Soviel, dass das man sie nicht sofort entsorgen konnte. So sammelte man diese gefährlichen Hinterlassenschaften an einer Stelle, um sie später vernichten zu können.

Zwei dieser Sammelplätze befanden sich nach Kriegsende noch am Welchenberg in Neuenhausen, unweit der ehemaligen „Gauführerschule“ und am Kleinfelder Hof. Das Gelände war zwar durch Warntafeln gesichert, auch gab es Warnungen an die Kinder des Dorfes, aber es gab wohl zumindest keine ausreichende Absicherung durch eine Umzäunung, die für die spielenden Kinder jedoch auch nicht wirklich ein Hindernis darstellten.

Foto: © Stefan Rosellen

Dies sollte sich auf schreckliche Weise rächen. Am 11. April 1946 um 14:05 Uhr schreckte ein lauter Knall die Bewohner von Neuenhausen und Umgebung auf. Bis in das nahegelegene Erftwerk war die Detonation zu hören. Eine dunkle Vorahnung ließ den dort tätigen Vater der Gebrüder Bartz keine Ruhe, er nahm sich den Nachmittag frei und eilte nach Neuenhausen, wo sich seine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sollten.

In der im Stadtarchiv Grevenbroich erhaltenen Schulchronik hielt der Neuenhausener Lehrer dieses Ereignis wie folgt fest: „Das Unglück war geschehen. 4 Knaben, 2 Söhne der Familie Bartz, Heinz und Peter, der einzige Sohn der Familie Kropp, Hans Jakob und der jüngste Sohn des Hauptlehrers, Rudi Braka lagen zerrissen an der Unglücksstelle. Von einem der Knaben, Peter B. war kaum noch was zu finden. Das Dorf war wie gelähmt von diesem traurigen Ereignis. Schuld mit an diesem Geschehen trägt auch die Stadt und Polizei, die wohl von der ungenügenden Sicherung der Munition wussten, aber auch nichts unternommen hatten, die Gefahrenstelle abzuriegeln. In einem feierlichen Begräbnis wurden die Verunglückten in einem gemeinsamen Grab beigesetzt. Auch diese Knaben sind ein Opfer des unsinnigen Krieges geworden.“ Bestätigt wird der Bericht durch die Einträge in den Sterbeurkunden, wonach die Polizei bei drei der Jungs „Schädelzertrümmerung“, bei einem „totale Zerstückelung“ jeweils „infolge Detonation einer Bombe“ feststellte.

Urkunden: © Stadtarchiv Grevenbroich
Wir danken dem Stadtarchiv für die Unterstützung und die Urkunden.

Selbst Berichte in der örtlichen Presse unterstreichen Wucht und zerstörerische Wirkung der Bombendetonation: „Von den meisten Verunglückten wurden nur noch Überreste gefunden, so daß es schwer war, sie zu identifizieren“. Die sterblichen Überreste der vier Jungs wurden auf dem (heute alten) Neuenhausener Friedhof in Kriegsgräbern beigesetzt. Das Küsterbuch aus Neuenhausen vermerkt dazu, dass „unter ungeheurer Beteiligung der Gemeinde und Umgebung ihre wenigen Überreste zu Grabe getragen“ wurden. Da das Unglück kurz nach Ostern geschah und dann zu Pfingsten die Firmung in Anwesenheit von Erzbischof Josef Kardinal Frings stattfinden sollte, wählte die Pfarrgemeinde ganz bewusst die Mutter der beiden verunglückten Jungs, Christine Bartz, ebenso wie den ebenfalls den Verlust seines Sohnes beklagende Hauptlehrer Rudolf Braka als Firmpaten aus.

75 Jahre später will das @„Netzwerk Kriegstote“ (Geschichtsverein Grevenbroich, Luftschutzanlagen im Rhein-Kreis Neuss, Förderverein Neuenhausen Heute und Morgen, St. Sebastianus Schützenbruderschaft sowie weitere Partner) an die Gräuel des Krieges, aber auch an Spätfolgen wie das Neuenhausener Unglück erinnern. Gemeinsam mit dem 1948 nachgeborenen, nach seinen beiden verunglückten Brüdern benannten Heinz-Peter Bartz (wie damals bei Todesfällen von Kindern in den Familien üblich) legten Ulrich Herlitz, Stefan Rosellen und Stefan Faßbender vom Netzwerk Blumen an den Gräbern der verunglückten Jungs nieder.

Foto: © Christian Kandzorra

Heinz-Peter Bartz erinnert sich aus seiner Kindheit und Jugend, dass in der Familie noch lange Zeit regelmäßig zwei Stühle am Mittagstisch freiblieben und zu Festtagen auch zwei Teller zusätzlich eingedeckt wurden. Ebenso wie sein zehn Jahre jüngerer Bruder wuchsen sie jedoch unbeschwert von diesem schrecklichen Unglück auf. Dennoch ist es ihm wichtig, an dieses Unglück zu erinnern. Einige Firmlinge des Jahrganges 1946, deren Paten die Eltern der verstorbenen Jungs waren, erinnern sich noch heute an dieses Ereignis. Und bis heute ist das Unglück im historischen Gedächtnis der Dorfgemeinschaft erhalten geblieben und nicht zuletzt die vier schlichten Kreuze erinnern bis auf den heutigen Tag an die Gräuel des Krieges mit all seinen Folgen…

Das ist gut so, meint Heinz-Peter Bartz zum Abschluss des gemeinsamen Friedhofsbesuchs.

Auch die NGZ berichtete in Ihrer Ausgabe vom 10. April 2021…

Foto: © Ulrich Herlitz

Der Begriff “Kriegstoter” umfasst alle Personen, die direkt oder indirekt durch die Kriegseinwirkungen gestorben sind. Darunter fallen auch unzählige Kinder, die mit Blindgängern und Munition in Kontakt gerieten und dabei ihr Leben verloren. Für die Kriegszeit sind mehrere dieser Vorfälle vor allem in Schulchroniken erwähnt, in der Nachkriegszeit gab es neben dem Unglück in Neuenhausen noch weitere in Noithausen 1945 und Gustorf 1951!

Erinnerungen dürfen nicht verloren gehen.

Ein Beitrag von Heinz-Willi Herwagen. (© Text u. Bilder, 2021)

Familie Lambertz

Meine Großeltern Wilhelm Lambertz (geb. 1896) und Maria Sibilla Flück (geb. 1902) heirateten am 03. Oktober 1924. Vier Söhne und drei Mädchen waren ihr ganzer Stolz.

Opa Willi war als Schlosser/Monteur in vielen Ländern unterwegs und konnte seine große Familie gut versorgen. Meine Oma Maria kümmerte sich um den Haushalt und die Kinder (geb. 1925, 1926, 1928, 1930, 1934, 1935, 1937).  

Johann, Maria Willi, Peter, Heinrich (v. l.)

Katharina

Henriette, Therese (v. l.)

 

Der 2. Weltkrieg war auch für die Familie Lambertz ein einschneidendes Ereignis. Sie verlor die drei ältesten Söhne im oder durch den Krieg. Auch ein Bruder meiner Oma fiel 1942.

Onkel Hans

Bereits als Zweijähriger fuhr ich zusammen mit meinen Großeltern nach Belgien, um das Grab des mir unbekannten Onkel Hans zu besuchen. Bei den Großeltern war dann immer eine große Traurigkeit zu erkennen. Selbst damals nach fast zwanzig Jahren war der Verlust des Sohnes nicht begreifbar.

Aus Erzählungen und von verschiedenen Postkarten weiß ich, dass Onkel Hans, der Erstgeborene, ein freundlicher, pflichtbewusster und vorbildlicher Sohn und Bruder war.

Er kümmerte sich um die „Kleinen“ und unterstützte seine Mutter, wenn der Vater beruflich unterwegs war.

Johann Heinrich Lambertz

geboren: 20. Januar 1925 in Gustorf

gefallen: 6. September 1944 in Beesines-Frankreich

Beruf: Kellner

Seine Ausbildung absolvierte Hans in einem Düsseldorfer Hotel, einige Jahre später war er im Hotel Bristol in Warschau angestellt.

Bahnhofshotel
Hans als Kellner
Sterbefallanzeige

Hans kam 1944 in Frankreich ums Leben und wurde zuerst auf einem französischen Soldatenfriedhof beigesetzt. Heute liegt er auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Lommel – Belgien.

Auf einer Fläche von insgesamt 16 ha liegen hier 542 Gefallene aus dem Ersten Weltkrieg und 38.560 Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg. (Quelle Wikipedia)

Soldatenfriedhof in Lommel
Grab von Hans in Lommel

Zusammen mit den noch lebenden Geschwistern besuche ich auch heute noch gerne das Grab.

Onkel Heinz

Den Bezug zu meinem Onkel Heinz fand ich als Kind natürlich über den gleichen Vornamen. Das Foto von ihm an der  Wand im Wohnzimmer meiner Großeltern zeigte einen jungen Kerl, der in den letzten Kriegstagen durch den Diensttausch mit einem Kameraden im Panzer sein Leben verlor.

Für Heinz stand früh fest, den Beruf des Soldaten auszuüben. Heinz kam 1940 in die Unteroffiziersvorschule nach Jülich. Gewissenhaftigkeit und Vorbild lebte er den Kameraden vor.

Heinrich Lambertz             

geboren: 13. November 1926 in Gustorf

gefallen: 6. Mai 1945 in Zobten a. Berge (heute Polen)

Beruf: Berufssoldat

Er kam bei einem der letzten Einsätze in der Nähe von Breslau um. Er verbrannte im Panzer.

Eidesstattliche Erklärung

Totenzettel von Hans und Heinz

Onkel Peter

Nach der Schule ergriff mein Onkel den Beruf des Schusters.

Seine beiden älteren Brüder waren bereits Opfer des Krieges geworden. Daher war es für meine Großeltern ein weiterer Schock den dritten Sohn zu verlieren.

Bei Aufräumarbeiten in Aachen explodierte eine Granate, die Peter so stark verletzte, dass er 1948 nach langem Kampf klaglos und sein Ende vorausschauend  an den Folgen verstarb.

Peter Lambertz                  

geboren: 23. Juni 1928 in Gustorf

gestorben: 7. Oktober 1948 in Gustorf

Beruf: Schuster

Er wurde auf dem Friedhof in Gustorf beigesetz. Den beiden im Krieg umgekommenen Brüdern wurde mit einer Inschrift auf Peters Grabstein gedacht.

Das Grab in Gustorf

Totenzettel Peter

Nach der Umgestaltung der Gedenkstätte der beiden Weltkriege auf dem Gustorfer Friedhof wurden die Verstorbenen und Gefallenen  umgebettet und zusammengelegt.

Gedenkstätte der Weltkriege
Inschrift Hans, Heinz und Peter

Auf dem “Gedenksarg” sind die drei Brüder erwähnt.

Familie Lambertz in den 50zigern

v. l.: Tante Jetti, Opa, Tante Käthi, Oma, Onkel Willi und Mama Resie

Die Familie Lambertz musste mit dem Schmerz der verlorenen Söhne zurechtkommen. Es kamen Schwiegersöhne und Enkelkinder dazu, die meine Großeltern sehr stolz machten.

Die Erinnerungen an Hans, Heinz und Peter bleiben.

Auch andere Familien mussten schlimme Schicksalsschläge aushalten. Wer schweres erlebt hat, kann beurteilen, was Frieden bedeutet, den es zu erhalten gilt, für die Zukunft unserer Nachkommen.

Kriegsgräber mahnen zum Nachdenken.

Heinz-Willi Herwagen (Neffe), Gustorf 2021

Wir vom Netzwerk “Kriegstote Grevenbroich” bedanken uns herzlich bei Herrn Herwagen für die Zuverfügungstellung des Textes und der Bilder, um uns und auch dem Leser am Schicksal seiner Familie teilhaben zu lassen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn uns noch viele Bilder, Geschichten oder Beiträge erreichen. Nehmen Sie hierzu gerne Kontakt mit dem Netzwerk “Kriegstote Grevenbroich” auf.

Holocaustgedenktag 2021

Vor 25 Jahren hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog im Jahr 1996 den 27. Januar zum Holocaust-Gedenktag ernannt.

Dieser Gedenktag erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945. Auschwitz ist zum Inbegriff des Holocaust geworden.

In dem Vernichtungslager an der polnischen Grenze wurden bis zu 1,5 Millionen Menschen, Juden und andere NS-Opfer, in beispielloser Weise ermordet. Doch hinter der unvorstellbaren Millionenzahl der Opfer, die im Todeslager nur als eintätowierte Nummern geführt wurden, verbergen sich konkrete Namen und Biographien. Sie alle hatten eine Kindheit und Jugend, überwiegend trotz Antisemitismus eine glückliche Zeit in ihren Familien, ihren Heimatdörfern und ihrem Vaterland.

Nach Recherchen des Arbeitskreises Judentum im Geschichtsvereins Grevenbroich gibt es über 200 Holocaustopfer, die im heutigen Stadtgebiet Grevenbroich geboren oder hier länger gelebt haben und in KZs und Vernichtungslagern ermordet wurden. 18 Grevenbroicher*innen davon sind – zum Teil mit ihrer gesamten Familie in Auschwitz ermordet worden.

Als das KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 von russischen Truppen befreit wurde, lebten nur noch wenige Tausend Insassen, darunter befanden sich nur drei der Grevenbroicher Holocaust-Opfer: Josef Katz, Henny Sachs-Aussen und ihre Tante Klara Aussen. Die beiden Frauen aus Hemmerden überlebten sinnnlose medizinische Menschenversuche in Auschwitz, an deren Folgen Klara Winter wenige Wochen nach ihrer Befreiung am 3. März 1945 in Auschwitz verstarb.

Von ihr hat sich ein Poesiealbum aus dem Jahr 1908 erhalten und ihrer Nichte schenkte sie 1930 ebenfalls ein noch erhaltenes Poesiealbum, in dem sie ihre glückliche Kindheit, Jugend und Familienzeit in Hemmerden mit dem Poesieeintrag „O Vaterhaus“ beschreibt.

Ihrer, aller Grevenbroicher Holocautopfer und der vielen, die ohne Namen ermordet wurden, wollen wir mit der Namensverlesung erinnern. Hinter jedem dieser Namen und Daten verbirgt sich ein Leben, eine Biographie, Wünsche, Hoffnungen und Träume…

www.anchor.fm/gegen-das-vergessen

Sie finden die Namen auch unter:

http://www.juden-grevenbroich.de/namen-stadtteile/

Was können Sie noch zum Holocaustgedenktag machen? Sie sind gerne eingeladen, sich an der weltweit größten social-media-Kampagne #WeRember #WirErinnernUns zu beteiligen. Machen Sie ein Selfie von sich mit dem Hashtag #WeRember #WirErinnernUns und laden Sie ihn auf ihren social media Auftritten los oder schicken Sie diesen per PN an @Gegen.Das.Vergessen

 

2. Weihnachtstag 1951

Warum starben sechs Jahre nach Kriegsende die beiden Brüder Peter Josef (12) und Anton (9) sowie ihr Freund Hans (11) aus Gindorf noch als Kriegstote?!?

Vor einigen Wochen haben wir gemeinsam mit dem Verein Luftschutzanlagen Rhein Kreis Neuss e. V. das „Netzwerk Kriegstote“ gegründet und forschen seitdem intensiv zu diesem Thema. Heute wollen wir einen Einblick in unsere Arbeit geben.

Der Begriff „Kriegstoter“ umfasst alle Personen, die direkt oder indirekt durch die Kriegseinwirkungen gestorben sind. Darunter fallen auch unzählige Kinder, die in der Nachkriegszeit mit Blindgängern und Munition “spielten“ und dabei ihr Leben verloren. Auch an ihr Schicksal sollen die Kriegsgräberstätten erinnern.

So geschehen am zweiten Weihnachtstag 1951 in Gustorf/Gindorf, wo vier Jungs auf dem Gelände des ehemaligen Luftwaffen Munitionsdepots in den Trümmern der gesprengten Munitionshallen spielten. Dabei zogen sie an einem heraushängenden Draht und lösten so eine gewaltige Explosion aus. Den Urkunden zu folge, starben die beiden Brüder Peter Josef (12 Jahre) und Johann Anton (9 Jahre) sowie Hans Fritz Hermann (11 Jahre) um 15:45 Uhr am 26. Dezember 1951 durch die „vollständige Zerreißung durch Explosion eines Sprengkörpers“, wie es in den Unterlagen heißt. Der vierte Junge wurde zwar verletzt, aber er überlebte die Detonation.

Die Mutter der getöteten Brüder hatten bereits 1942 Ihren Ehemann verloren. Mit dem Unglück am zweiten Weihnachtstag 1951 nahm ihr der Krieg, der schon 6 Jahre lang beendet war auch noch die Kinder.

Die beiden Fotos zeigen die gesprengten Munitionshallen im Gustorfer Bend. NGZ-Artikel vom 27.12.1951 gefunden im Stadtarchiv Neuss.
(Stefan Rosellen/Verein Luftschutzanlagen Grevenbroich e.V.)