Grevenbroich – Der Zweite Weltkrieg in Auszügen aus den Schulchroniken

Es ist so weit!

Das Buch „Grevenbroich – Der Zweite Weltkrieg in Auszügen aus den Schulchroniken“ ist ab sofort erhältlich.
 
Ihr bekommt das Buch über den Geschichtsverein Grevenbroich, die Mayersche in Grevenbroich und die Genussfaktur in Wevelinghoven. Das Stadtarchiv Grevenbroich und das Museum in Grevenbroich werden es in den nächsten Tagen auch vorrätig haben.
 
Wir wünschen euch interessante und aufschlussreiche Momente beim Lesen und freuen uns schon jetzt auf eure Reaktionen.

1. April 1874 – der Jüchener Friedensrichter erschießt einen Verwandten

„Am 1. April erschießt der Friedensrichter Dahmen von Jüchen in Jüchen einen Verwandten, Köllges mit Namen.“ (StA Grevenbroich: Best GV 12, Schulchronik Elfgen, Band 1, Nr. 214, S. 44)

Dieser Zufallsfund hat unseren Heimatforscher Stefan Faßbender dazu bewegt, etwas mehr über diese Tat und Friedensgerichte im Allgemeinen herauszufinden. Hierbei gilt ein besonderer Dank an Michael Salmann, ebenfalls Mitglied im Geschichtsverein GV und ein ausgesprochener „Jüchen-Experte“, der sowohl beim Zusammentragen der biographischen Daten als auch mit den Zeitungsartikeln große Hilfestellung leistete.

Das Friedensgericht:

Friedensgerichte gehen auf die Zeit der französischen Besetzung des linksrheinischen Rheinlandes zurück. Bereits 1794 wurde die französische Gerichtsbarkeit auf das Gebiet des Rheinlandes übertragen. Mit einer Neuorganisation im Jahre 1798 wurden alle bisherigen Gerichte aufgehoben und eine neue Gerichtsverfassung geschaffen. Wesentliche Aspekte dieser Neuordnung waren folgende Grundsätze:

  • Trennung der Verwaltung von der Justiz
  • vor dem Gesetz sind alle Bürger gleich
  • Gerichtsverhandlungen und die Urteilverkündigungen sind öffentlich
  • die französische Sprache ist die Gerichtssprache

Ein Teil dieser französischen Gerichtsbarkeit waren die Friedensgerichte. Sie waren sowohl in Zivil- als auch in Strafsachen zuständig. Hierzu wurden mehrere Bürgermeistereien (Mairien) zu Verwaltungs- und Gerichtsbezirken (Kantone) zusammengefasst. Somit gab es in jedem Kanton einen Friedensrichter, der eher die Aufgabe hatte, zu vermitteln und zu schlichten als zu urteilen, also die Beilegung von Streitigkeiten im täglichen Leben durch einen versöhnlichen Ansatz. In Strafsachen waren ihre Befugnisse daher auf Polizeivergehen von geringerer Art beschränkt, die höchstens mit einer Freiheitsstrafe von drei Tagen zu ahnden waren.

Der Friedensrichter Dahmen:

Der Jüchener Friedensrichter Carl Philipp Theodor Hubert Dahmen wurde am 9. Januar 1806 in Jülich als Sohn des Kaufmanns Johann Dahmen und seiner Frau Franziska Horneth geboren. Er war mit Amalia Helena Merkens verheiratet, die bereits am 29. Januar 1869 in Jüchen starb. Der Friedensrichter Dahmen starb am 17. Februar 1880 in Jülich. Zeuge war der „Rechtsconsultant“ Otto Dahmen.

Die Tat:

Am Samstag, den 4. April 1874 war folgender Artikel in der Neusser Zeitung zu lesen: „Jüchen, 30. März. Ein erschütternder Vorfall hat unsern stillen Ort in die größte Bestürzung versetzt. Der Sohn des hiesigen schon bejahrten und durchaus geachteten Friedensrichters lebte in Uneinigkeit mit seinem Schwager, der allgemein als ein Mann von heftiger Gemüthsart geschildert wird. In dem Hause des Sohnes, wo auch der Vater (der Friedensrichter) gerade anwesend war, entspann sich ein heftiger Wortwechsel zwischen dem Sohne und seinem Schwager, wobei unverhofft der Letztere einen Revolver hervorzog und auf seinen Gegner anlegte. Da sprang der alte Vater, ebenfalls mit einer Schußwaffe versehen, dem Sohne zur Hülfe, schoß ab und traf den Andern so unglücklich, daß er tödtlich getroffen niedersank und gleich verendete. Der Thäter, welcher vorgibt, sich im Falle der Nothwehr befunden zu haben, hat sich bereits freiwillig bei der Staatsanwaltschaft gestellt.“

Bereits am Mittwoch, den 8. April 1874 war ebenfalls in der Neusser Zeitung folgende Korrektur zu finden: „§ Jüchen, 3. April. Ueber den bereits erwähnten Vorfall in der Familie des hiesigen Friedensrichters geht uns ein zweiter Bericht zu, welchen wir zur Ergänzung resp. Berichtigung unseres ersten hier folgen lassen: Vorgestern begab sich hier in Folge der Trunksucht ein beklagenswerthes Unglück. Ein dem Trunke ergebener junger Mann, Köllges mit Namen, hatte sich gegen seine Eltern derart betragen, daß sie bei hiesigen Verwandten im Hause des Friedensrichters Dahmen Schutz suchten, wohin sie der Wütherich verfolgte. Kaum vermochte der Polizeidiener und mehrere starke Männer dieselben vor Mißhandlungen zu schützen. Um so gefährlicher war der Angreifer, weil er mit einem Doppelpistol [Pistol = veraltet für Pistole] bewaffnet war. Nachdem er von seinen Eltern abgelassen hatte, griff er unsern Friedensrichter an, der sich aber zurückzog und eben das Haus verlassen wollte, sich aber mit einem Terzerol [= kleine Vorderladerpistole] versehen hatte, als der Wüthende auf ihn eindrang. Der Herr Richter, immer noch zurückweichend, mahnte vom Angriff ab, indem er erklärte, bewaffnet zu sein – worauf K. zu seiner Waffe griff, der zur Nothwehr gedrängte Herr Richter aber das Schlimmste nicht abwartete, sondern den Störenfried niederschoß. Der Schuß durchdrang die Brust, und liegt der Getroffene schwer darnieder. Man fürchtet für sein Leben.“

Wie nahe Heinrich Köllges dem Tod stand, zeigt seine Sterbeurkunde aus dem Standesamtsregister Jüchen, Nr. 31/1874, denn er starb am 15. April 1874. Bemerkenswert und erwähnenswert dürfte hierbei aber ebenso Otto Dahmen, Schwager des Verstorbenen und Sohn des Täters als erster Deklarant sein.

Die Gladbacher Zeitung vom Dienstag des 21. April 1874 berichtet wie folgt:

Bereits drei Monate später wurde der Fall vor dem Düsseldorfer Schwurgericht verhandelt. Die Deutsche Reichs-Zeitung vom Donnerstag, den 23. Juli 1874, würdigte dieser Tat und dem Urteil nur wenige Zeilen ohne auf weitgehende Details einzugehen.

Die Kölnische Zeitung, das Solinger Kreis-Intelligenzblatt [Intelligenzblatt = amtliches Mitteilungsblatt nach englischem Vorbild], das Rheinische Volksblatt sowie die Rhein- und Ruhrzeitung berichteten aber sehr umfangreich und ausführlich über den Prozess und die Tat. Diese sind allerdings bis auf kleinere Bemerkungen alle identisch. (Markante Textstellen wurden vom Autor gekennzeichnet.)

„Düsseldorf, 19. Juli. (Ein ungerathender Sohn von einem Friedensrichter erschossen.) Bekanntlich ereignete sich vor Kurzem eine solche Mordgeschichte in Jüchen bei Grevenbroich. Dieser Fall gestern vor den hiesigen Assisen [= Schwurgericht] zur Verhandlung, und berichtet die „D.B.“ darüber: Der Angeklagte war der Friedensrichter zu Jüchen, 68 Jahre alt. Der Getödtete war der (etwa 24jährige) Ackerer Heinrich Köllges aus Hoppers, der nach gegenwärtiger Erziehungsmethode schon als Kind mit seinem Herrn Vater die Wirthshäuser besuchte, wo dieser denn von seinem hoffungsvollen Sohne rühmte, wie er „schon so viel vertragen könne und so stark sei.“ Heinrich war 11 Jahre alt, als er schon „Stärke“ fühlte und gegen seinen Lehrer anging. Als der Lehrer dem Vater dieses sagte, wurde derselbe grob. Heinrich wurde später Soldat und verbrauchte natürlich viel Geld, diente auch dafür 6 Monate länger, d. h. auf Festung, wegen eines Insubordinationsvergehens [= Verweigerung des Gehorsams gegen militärischen Vorgesetzten]. Im Januar d. J. kam er zurück. Angangs ging Alles gut, dann forderte er immer viel Geld, trank den Branntwein aus Milchtöpfen und ritt zu seinem Vergnügen mit dem Pferde in die Stube. Besondere Liebhaberei hatte er am Schießen. Er schoß mit einem Pistol ganze Nächte lang auf dem Hofe zuletzt in der Stube, und als er eines Tages von Odenkirchen zurückkam, sagte er nach dem Essen: „Adieu Vater, adieu Mutter!“ ging auf sein Schlafzimmer und feuerte zweimal ein Pistol ab. Dann kam er in die Stube zurück, feuerte aus einem Nebenzimmer einen Schuß über die Köpfe seiner Eltern ab, daß 30 Schrotkörner in die Zimmerdecke drangen. Die Eltern flüchteten sich nun voll Angst zu ihrer Tochter nach Jüchen, die dort an Otto Dahmen, den Sohn des Friedensrichters, verheirathet ist. Am andern Morgen, den 31. März, begab sich der alte Köllges mit seinem Schwager nach dem Bürgermeister von Jüchen, um mit diesem zu überlegen, was gegen das wüste Betragen seines Sohnes zu thun sein und bat ihn, denselben zu sich kommen zu lassen, um ihm sein rüdes Betragen vorzuhalten, forderte auch zugleich den Bürgermeister auf, einen Revolver neben sich zu legen und wenn der Junge einen Schritt auf ihn zumache, ihn nieder zu schießen, der Vater würde darüber nicht böse sein. Heinrich Köllges sagte an diesem Morgen zu seinem Nachbar Blankertz, dieser möge mit ihm nach Jüchen fahren, er wolle seine Eltern wieder holen.

In Jüchen angekommen, ging Heinrich in das Haus seines Schwagers und fand seinen Vater in der Stube sitzen. Er ging auf diesen zu, riß ihm die Pfeife aus dem Munde mit den Worten: „Die Pfeife gehört mir.“ Der alte Köllges erwiderte: „Noch gehört sie mir; wenn ich nicht mehr bin, dann sollst du sie erben.“ Auf die Ermahnung des Blankertz gab er seinem Vater die Pfeife zurück und fragte nach seiner Mutter. Auf die Antwort des Vaters, die Mutter sei nicht zu Hause, sagte der Junge: „Ich weiß, wo sie ist, sie ist oben“, ging dann die Treppe hinauf und fand seine Mutter auf einem Zimmer. Weil diese ahnte, er habe wieder ein Pistol in der Tasche, so war sie bemüht, ihm dasselbe abzunehmen und wurde darin von mehreren anderen Personen, jedoch ohne Erfolg unterstützt, weil er so stark gewesen sein soll, daß ihn 3 bis 4 Männer nicht zu überwältigen vermochten. Der Friedensrichter, der bei seinem Sohne im Hause wohnte, war mittlerweile zur Polizei gegangen, fand diese jedoch nicht. Nachdem an den jungen Köllges oben wieder frei gelassen, ging derselbe in die Küche, wo der eben angekommene Polizeidiener anwesend war, der zu ihm sagte: „Herr Köllges, bedenken Sie doch, daß Sie sich im Hause Ihrer Verwandten befinden, betragen Sie sich ordentlich!“ Köllges faßte hierauf den Beamten an, und als ihm der alte Friedensrichter zurief: „Heinrich, vergreife Dich nicht an der Polizei!“ lief er auf diesen zu. Der Friedensrichter ging auf den Hof, wohin auch Köllges und einige andere Personen nachfolgten, welche hiernochmals mit ihm rangen, um ihm das Pistol abzunehmen. Dieses hatte ihm aber vorher, ohne daß es Jemand gemerkt hatte, der Polizeidiener aus der Tasche genommen. Jetzt ging Heinrich wieder auf den Friedensrichter los, der ihm einen Revolver entgegenhielt und rief: „Heinrich bleib zurück oder ich schieße!“ Heinrich drehte sich um, lachte höhnisch und griff in die Tasche. In diesem Augenblick feuerte der Friedensrichter, Heinrich schlug die Hände über die Brust und fiel. Man trug ihn nach Hause und am 15. April starb er. Bei der Obduction fand man die Kugel in der Brusthöhle. Während seiner Krankheit scheint doch ein milderer Sinn über ihn gekommen zu sein, denn er äußerte, er müsse sterben, aber er vergebe dem Friedensrichter; es könne möglich sein, daß dieser in seinem Rechte gehandelt habe. Bei seiner gerichtlichen Vernehmung auf dem Sterbebette sprach er auch den Wunsch aus, der Friedensrichter möge nicht zur Bestrafung gezogen werden. Nach vollbrachter That stellte sich der Friedensrichter Dahmen der Behörde, doch war es wohl im Voraus abzusehen, daß nach Lage der Sache die Freisprechung erfolgen müsse. Die Geschworenen nahmen denn auch an, daß der Friedensrichter sich im Stande der Nothwehr befunden habe, und erklärten ihn für nichtschuldig.“

Literatur:

  • Bergische Zeitung: Ausgabe Nr. 43 vom 14. April 1874
  • Deutsche Reichs-Zeitung: Ausgabe Nr. 99 vom 11. April 1874
  • Deutsche Reichs-Zeitung: Ausgabe Nr. 200 vom 23. Juli 1874
  • Echo der Gegenwart: Ausgabe Nr. 87 vom 9. April 1874
  • Gladbacher Volkszeitung: Ausgabe Nr. 43 vom 21. April 1874
  • Gladbacher Zeitung: Ausgabe Nr. 39 vom 11. April 1874
  • Kölnische Zeitung: Ausgabe Nr. 203 vom 24. Juli 1874
  • Neusser Zeitung: Ausgabe Nr. 75 vom 4. April 1874
  • Neusser Zeitung: Ausgabe Nr. 77 vom 8. April 1874
  • Neusser Zeitung: Ausgabe Nr. 85 vom 17. April 1874
  • Portal Rheinische Geschichte: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Epochen/1794-bis-1815—aufbruch-in-die-moderne.-die-%22franzosenzeit%22/DE-2086/lido/57ab23d29508f8.06009224, Abruf am 29. August 2022
  • Ratinger Zeitung: Ausgabe Nr. 58 vom 22. Juli 1874
  • Rheinisches Volksblatt: Ausgabe Nr. 87 vom 28. Juli 1874
  • Rhein- und Ruhrzeitung: Ausgabe Nr. 168 vom 22. Juli 1874
  • Solinger Kreis-Intelligenzblatt: Ausgabe Nr. 87 vom 24. Juli 1874
  • Solinger Zeitung: Ausgabe Nr. 41 vom 8. April 1874
  • Solinger Zeitung: Ausgabe Nr. 43 vom 13. April 1874
  • Solinger Zeitung: Ausgabe Nr. 85 vom 22. Juli 1874
  • Strauch, Dieter: Rheinische Gerichte Einst und Jetzt, 2019, https://kups.ub.uni-koeln.de/10191/2/01JohlenVortragGaram.pdf, Abruf am 29. August 2022

Kneipenkultur von 1950 bis heute in Grevenbroich

Hier: Eine vorläufige Zusammenstellung.

Kneipenkultur in Grevenbroich?

Ja, diese gab es tatsächlich mal in Grevenbroich!

Bereits wenige Stunden nach dem Facebook-Aufruf konnten schon 56 Kneipen erfasst werden, die sich in der Stadtmitte, Südstadt, Elsen und Orken befanden. Eine unfassbare Anzahl, auch wenn vermutlich einige durch Doppelnennung (Namensänderung) zweifach erfasst wurden. Davon könnte man heute evtl. noch zwei – drei Lokale als eine Kneipe im Sinne der Kneipenkultur wie zum Ende des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Wenn heute überhaupt noch existent sind einige heute Restaurants. Den Rest gibt es einfach nicht mehr. Unglaublich!

 

Name

frühere Namen

Straße

1

Alt Grevenbroich

 

Montanushof

2

Alt Orken

Panzer

Richard-Wagner-Straße

3

Alte Grenze

 

Bahnstraße

4

Altstadt Schenke

Dohmen

Steinweg

5

An der Halde

 

Walter-Rathenau-Straße

6

Anno

Bierbrunnen, Anno Tobak 1900

Bahnstraße

7

Bienefeld

Flüchten

Rheydter Straße

8

Braustübl

 

Deutsch-Ritter-Allee

9

Brendgen

Schützenhof, Stinnes

Breitestraße

10

Buddy´s

 

Bahnstraße

11

Cafe Zinsen

 

Bahnhofsvorplatz

12

Casa Toni

abgebrannt

In der Herrschaft?

13

Condorclub

 

Orkener Straße

14

Delphi

Hotel zur Post

Lindenstraße

15

Didi’s

Williams, Richartz

Bahnhofsvorplatz

16

Ellenbeck

Hotel Halboth

Kölner Straße

17

Flönz

P. Froitzheim, J. Krüppel, Schur, Chat Bleu

Kölner Straße

18

Gartenlaube

 

Montanushof

19

Gaststube

 

Montanushof

20

Giardino

Ferrari

Bahnstraße

21

Graf Kessel

Krüppels Käth, Downtown, bei Alfred

Bahnstraße

22

Hansa

 

Auf der Schanze

23

Haus Hubertus

 

Lautawerkstraße

24

Haus Koch/Quasten?

 

Rheydter Straße

25

Haus Portz

 

Am Markt

26

Hausmann

   

27

Im Sträußchen

 

Rheydter Straße

28

Irisch Pub

 

Montanushof

29

Jägerhof

 

Düsseldorfer Straße

30

Jägersruh

 

Neuenhausener Straße

31

Kultus

Pferdestall, Teestube

Am Markt

32

Kupferkanne

 

Rheydter Straße

33

Lemmys Opa

 

Goethestraße

34

Lindenhof

Blauer Aap

Lindenstraße

35

London

 

Düsseldorfer Straße

36

London

 

Ecke Goethestr./Rheydter Str.

37

Maibaum

Bierklause

Bahnstraße

38

Odeon (Disco)

Galaktikum, Alm-Rausch, B59, Ballhaus, Exit Open

Montanushof

39

Op de Eck

Deutsches Eck, De Räuber, Anno II

Bahnstraße

40

Orchidee-Bar

 

Wallgasse

41

Queens Pub

 

Bahnstraße

42

Ratsstube

 

Am Ostwall

43

Rosengarten

 

Montanushof

44

Schiller

 

Schillerstraße

45

Schmitz

 

Ecke Richard Wagner/Rheydter

46

Schwarzwaldstube

 

Montanushof

47

Stechuhr

 

Montanushof (Bowling)

48

Südstadtklause

 

Neuenhausener Straße

49

Telegraph

 

Bahnhofsvorplatz

50

TUS-Heim

 

Schloßstraße

51

VIP (Disco)

 

Ostwall 18

52

Zille

 

Steinweg

53

Zum Südstern

Bei Linde

von Porten Straße

54

Zum Troll

Leyendecker

 

55

Zur Bahn

 

Merkatorstraße

56

Zur Eiche

 

Schillerstraße

13. April 1992 – Der Tag, an dem auch in Grevenbroich die Häuser wackelten.

Sicherlich erinnern sich noch viele an diese Nacht als morgens um 3.20 Uhr Gläser und Tassen in den Schränken klirrten oder sogar die Betten in Wohnungen und Häusern wackelten.

Es war das stärkste Beben seit 1756 im Rheinland und hatte im deutsch-niederländischen Grenzgebiet eine Stärke von 5,9 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag in den Niederlanden, ca. 4 km südwestlich von Roermond. Das Beben wurde in einer Tiefe von 18 Kilometern ausgelöst. Mehr als 30 Personen wurden – hauptsächlich durch herabfallende Schornsteine und Dachziegel – verletzt. Der geschätzte Sachschaden im Rheinland wurde auf etwa 150 Millionen DM beziffert. Im Raum Heinsberg wurden mehr als 150 Häuser beschädigt. Einige davon waren so schwer beschädigt, dass sie abgerissen werden mussten. In Köln stürzte sogar eine Kreuzblume vom Dom. Da die Niederrheinische Bucht eines der aktivsten Erdbebengebiete Mitteleuropas ist, tritt im langfristigen Mittel etwa alle 150 Jahre ein solches Beben auf.[1]

Mit diesem kurzen Beitrag möchte der Geschichtsverein Grevenbroich aufzeigen, dass es auch schon früher Erdbeben in Grevenbroich und den angrenzenden Regionen gab, welche das Leben der Grevenbroicher Bürger beeinflusst und vermutlich auch große Ängste hervorgerufen haben.

Unser Mitglied Stefan Faßbender, Familien- und Heimatforscher im Arbeitskreis Familienforschung, stieß im Jahr 2021 bei der Transkription aller Elfgener Schulchroniken von 1873 bis 1950 auf verschiedene Einträge, die dies belegen, da sie ansonsten wohl keine Erwähnung in den vorgenannten Schulchroniken gefunden hätten. Die Erdbeben werden in chronologischer Folge dargestellt.

  1. Das Erdbeben vom 24. Juni 1877:
© Stadtarchiv Grevenbroich

„Juni 24. Zwischen 8 u. 9 Uhr morgens Erdbeben in der Rheinprovinz. Hier erzitterten alle Gegenstände mächtig; in Aachen sind mehrere Schornsteine u. Giebelwände eingestürzt.“[2]

Gemäß dem Deutsche GeoForschungsZentrum in Potsdam fand das Erdbeben im Raum Herzogenrath (nördlich von Aachen) statt und hatte eine Magnitude von 5,3 auf der Richterskala.[3] Weitere Informationen über andere Schäden oder gar Tote sind nicht zu finden.

  1. Das Erdbeben vom 26. August 1878:
© Stadtarchiv Grevenbroich

„Aug. 26. Erdbeben. Die Erschütterung war sehr heftig und dauerte fast 20 Sekunden. Die Schulkinder, die sich wie auf Commando von ihren Sitzen erhoben hatten, konnten sich kaum auf den Beinen halten. In heller Angst verließen Lehrer und Schüler die Säle. – An meiner Dienstwohnung stürzte der Kamin theilweise ein. – Die Stöße wiederholten sich nachher noch mehrere Male.“[4]

Gemäß dem Deutsche GeoForschungsZentrum in Potsdam fand das Erdbeben im Raum Tollhausen bei Elsdorf (westlich von Köln) statt und hatte eine Magnitude von 5,9 auf der Richterskala.[5] Wie in Herzogenrath am 24. Juni 1877 waren bei diesem Beben in vielen Regionen rund um Tollhausen zahlreiche Gebäude von Mauerrissen, Giebeleinstürzen und Kaminschäden betroffen. Außerdem war mindestens ein Todesopfer zu beklagen.

„Dieses Beben hatte eine makroseismische Reichweite von etwa 300 Kilometer. […] Viele Schornsteine stürzten damals in Aachen ab; in der Kreuzkirche fiel eine Figur vom Altare. In Köln schlug die kleine Glocke des Domes mehrmals an. In der St. Gereonskirche schwankten die Pfeiler so stark, daß die Gläubigen von Schrecken erfüllt hinauseilten. Von herabstürzenden Kaminen wurden in Köln damals mehrere Personen verletzt und eine getötet.“[6]

  1. Das Erdbeben vom 10. Juli 1931:
© Stadtarchiv Grevenbroich

Erdbeben in Elfgen        10.7.1931

Gegen 18 Uhr verspürte man in Elfgen Erdstöße. Es war, als ob ein schwerer Lastwagen vorbeiführe. Ich befand mich auf einem Spaziergang und habe nichts wahrgenommen. Von den 43 Kindern meiner Klasse nahmen 4 das Beben wahr. Die Berichte dieser Kinder habe ich pflichtgemäß an die Erdbebenwarte Aachen gesandt.“[7]

In der Elfgener Schulchronik ist ein Aufsatz von Dr. Th. Kappes im Originaldruck enthalten, der nachfolgend in Teilen wörtlich zitiert wird.

„Am 10. Juli 1931 gegen 18 Uhr wurde ein großer Teil der Regierungsbezirke Aachen, Düsseldorf und Köln durch ein Erdbeben erschüttert. Über dieses Beben erhielt die Aachener Erdbebenwarte insgesamt 150 Mitteilungen aus 115 Orten. Die Ausdehnung des zusammenhängenden Schüttergebietes beträgt danach, wie die hier beigegebene Karte zeigt, in südwestnordöstlicher Richtung und in der senkrecht hierzu stehenden Richtung rund 90 Kilometer.

Nennenswerter Schaden ist nirgendwo entstanden. Als größte Schütterwirkung wurde die Bebenstärke 5 beobachtet. Eine Zone dieser Bebenstärke bilden die Ort Bedburg, Glesch und Elsdorf. In Bedburg fiel ein Beobachter von einem Stuhl. In Glesch liefen die Ortsbewohner erschreckt auf die Straße. In Elsdorf hörte ein Beobachter starkes Donnern und verspürte zugleich einen gewaltigen Stoß, so daß das Haus erzitterte. Die Wände krachten, und Kalk rieselte ab. Bei anderen Bewohnern schwankten die Schränke. In einem Zwinger liefen die Hunde wie toll umher und heulten furchtbar. […]

Innerhalb der Zone 4,5 ist noch Dormagen mit der Stärke 5 erschüttert worden. In der Schulklasse des Schulgebäudes bröckelte der Verputz ab. Auf dem Speicher fielen eine leere Flasche und ein Blumentopf um. In einem Neubau wurde eine Bodensenkung von etwa ein Zentimeter verursacht, so daß das Schloß der Haustür vollständig versagte.“[8]

Auf der nachfolgenden Karte, die ebenfalls aus „Das Beben vom 10.7.1931 von Dr. Th. Kappes, Sonderdruck aus dem Politischen Tagesblatt vom 29. August 1931“ entnommen wurde, sind die einzelnen Erdbebenzonen rund um Grevenbroich sehr gut zu erkennen.

© Stadtarchiv Grevenbroich
  1. Das Erdbeben vom 21. November 1932:
© Stadtarchiv Grevenbroich

„Ein Erdbeben                   21.11.32

wurde diese Nacht um 38 Minuten nach 12 Uhr verspürt. Viele Bewohner wurden aus mitternächtigem Schlafe geweckt. Möbel gerieten ins Wanken. Porzellan klirrte im Schranke. Es waren 2 Stöße von einer Gesamtdauer v. 5 – 6 Sekunden.“[9]

In der Elfgener Schulchronik ist ein Aufsatz von Otto Koentges im Originaldruck enthalten, der nachfolgend in Teilen wörtlich zitiert wird.

„Erdbeben vom 21. November 1932. Den Erderschütterungen, die im Rheinland am 1.4. und 10.7.1931 gespürt wurden, folgte erst wieder am 21. Nov. 1932 um 0 Uhr 38 Minuten ein ohne Instrumente bemerkbares mittelstarkes Erdbeben. Es weckte einen großen Teil der Bevölkerung der Rheinprovinz aus dem Schlafe.

Das Schüttergebiet dieses Erdbebens erstreckt sich, so weit bekannt geworden ist, über Holland, Belgien, Luxemburg, die Rheinprovinz, Westfalen und Teile von Hannover. Der Erdbebenwarte Aachen gingen aus 281 Orten der Rheinprovinz insgesamt 477 Mitteilungen über dieses Beben zu. Vorstehende Karte zeigt die Orte gleicher Bebenstärke. Sie enthält nur Orte, aus denen der Erdbebenwarte Nachrichten zugegangen sind. Sie wurde ohne Benutzung einer geologischen Karte entworfen. […]

In der Rheinprovinz ist die größte Bebenstärke 6 in den Orten Hüls in der Nähe von Krefeld, und in Lobberich, östlich Kaldenkirchen beobachtet worden. In Lobberich blieb eine Wanduhr stehen. Aus dem Küchenschrank stürzten Teller zu Boden. Kinder fielen aus den Betten; viele Leute liefen erschreckt mangelhaft bekleidet ins Freie.

In Hüls fiel ein Kleiderschrank um und von einem Balkon löste sich eine große Verzierung mit dem Verputz und fiel auf die Straße. Ein Glasballon mit 50 Liter Wein kippte um und zerbrach. […]

Das vorliegende Erdbeben ist seit 1926 das heftigste gewesen. Doch ist, wie bei jenem, nirgendwo bedeutenderer Schaden entstanden. Die Dauer der Erschütterungswirkungen wird zwischen wenigen Sekunden und drei Minuten angegeben.“[10]

Auf der nachfolgenden Karte, die ebenfalls aus „Erdbeben vom 21. November 1932 von Otto Koentges, Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter der Erdbebenwarte Aachen, Ort des Abdruckes unbekannt“ entnommen wurde, sind die einzelnen Erdbebenzonen rund um Grevenbroich sehr gut zu erkennen.

© Stadtarchiv Grevenbroich

Der Geschichtsverein Grevenbroich bedankt sich beim Stadtarchiv Grevenbroich für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages, der sicherlich auch für den Geschichtsverein etwas Ungewöhnliches in seiner Art des Themas darstellt.

[1] Geologischer Dienst NRW, https://web.archive.org/web/20131029194510/http://www.gd.nrw.de/zip/ l_yroer.pdf, Abruf am 11. Juni 2022 um 14.55 Uhr

[2] Stefan Faßbender, Transkription der Elfgener Schulchronik 1873 – 1897, StA Grevenbroich, Best GV 12 Schulchroniken Nr. 214

[3] https://www.gfz-potsdam.de/sektion/erdbebengefaehrdung-und-dynamische-risiken/themen/hintergrund informationen-erdbeben/seismizitaet-in-deutschland, Abruf am 11. Juni 2022 um 15.54 Uhr

[4] Stefan Faßbender, Transkription der Elfgener Schulchronik 1873 – 1897, StA Grevenbroich, Best GV 12 Schulchroniken Nr. 214

[5] https://www.gfz-potsdam.de/sektion/erdbebengefaehrdung-und-dynamische-risiken/themen/hintergrund informationen-erdbeben/seismizitaet-in-deutschland, Abruf am 11. Juni 2022 um 16.16 Uhr

[6] Das Beben vom 10.7.1931 von Dr. Th. Kappes, Sonderdruck aus dem Politischen Tagesblatt vom 29. August 1931, Aachener Zeitung, Aachen.

[7] Stefan Faßbender, Transkription der Elfgener Schulchronik 1927 – 1933, StA Grevenbroich, Best GV 12 Schulchroniken Nr. 216

[8] Das Beben vom 10.7.1931 von Dr. Th. Kappes, Sonderdruck aus dem Politischen Tagesblatt vom 29. August 1931, Aachener Zeitung, Aachen.

[9] Stefan Faßbender, Transkription der Elfgener Schulchronik 1927 – 1933, StA Grevenbroich, Best GV 12 Schulchroniken Nr. 216

[10] Erdbeben vom 21. November 1932 von Otto Koentges, Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter der Erdbebenwarte Aachen. Ort des Abdruckes ist unbekannt.

Wir alle sind verschieden – wir alle sind Pascal!

Ahnenforschung und Erstellung eines Familienstammbaums

Unter diesem Motto stand ein Projekt des UNESCO-Projekttages des Pascal Gymnasiums in Grevenbroich.

Projektbeschreibung: Jeder Mensch hat eine persönliche Geschichte, seine eigene und die seiner Familie. Mit diesem Projekt gingen die Schüler*innen auf Spurensuche. Sie untersuchten ihre Familiengeschichten, erstellten Familienstammbäume und recherchierten, wie ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gelebt haben. Aus welchen Orten und Ländern stammten sie? Wie sah es damals in diesen Ländern aus? Und was hat sich im Gegensatz zu heute geändert? Am Ende sollten alle Teilnehmer*innen einen Familienstammbaum und eine Mappe erstellen, in der die Ergebnisse festgehalten werden, so dass alle eine bleibende Erinnerung erhalten.

Zwangsläufig führten diese Zielvorgaben die 20 Schüler*innen auch in das Stadtarchiv Grevenbroich, um die dortigen, vielfältigen Recherchemöglichkeiten kennenzulernen. Neben einer Führung im Archivkeller stellte Frau Schulte vom Stadtarchiv den Schüler*innen u. a. Standesamtsregister, Schulchroniken, eine Totenzettelsammlung, Ahnenpässe und viele andere Recherchemöglichkeiten vor. Also Geschichte zum Anfassen und dies alles hautnah. Auch die Fragen der Schüler*innen konnten kompetent beantwortet werden.

Für Stefan Faßbender, Mitglied im Arbeitskreis Familienforschung im Geschichtsverein Grevenbroich, war es daher selbstverständlich, aus seiner langjährigen Erfahrung (Ratschläge über Suchmöglichkeiten, die Dokumentation von Forschungsergebnissen in Stammbäumen oder Ahnenprogrammen, die Auswertung von historischen Hochzeitsfotos, Online-Recherchen etc.) zu berichten. Darüber hinaus hatten die Schüler*innen und Lehrer*innen auch die Möglichkeit in der vom Arbeitskreis Familienforschung aufgebauten Datenbank „Genius“ direkt nach ihren Vorfahren zu suchen und im Anschluss auch ausgedruckte Urkunden vom Stadtarchiv zu erhalten. Am Folgetag hatten die Schüler*innen nochmals in der Schule die Möglichkeit gemeinsam mit dem Familienforscher Online-Recherchen in vielen verschiedenen öffentlich zugänglichen Datenbanken durchzuführen und kennenzulernen bzw. nochmals gezielt nach Urkunden in der vereinseigenen Datenbank zu suchen.

Wir vom Arbeitskreis Familienforschung und das Stadtarchiv Grevenbroich danken für das große Interesse und das uns entgegengebrachte Vertrauen, dass wir dieses Projekt unterstützen bzw. begleiten durften, um Geschichte und Familienforschung lebhafter zu machen.

Noch zwei Anmerkungen zum Thema „Manchmal gibt es auch in der Ahnenforschung Zufallsfunde“.

Wie sich während der gemeinsamen Recherchen herausstellte, sind die Lehrerin Frau Welter und Stefan Faßbender in direkter Linie (gemeinsame Urgroßeltern in 4. Generation) miteinander verwandt, so dass Familienfeste zukünftig wohl auch gemeinsam gefeiert werden können.

Ebenso fanden wir in den Stammbäumen von zwei Schülerinnen, die sich bisher noch nicht einmal namentlich kannten, eine identische Person. Ob es sich hierbei um eine direkte Verwandtschaft oder „nur“ eine Nebenlinie handelt, konnte noch nicht abschließend geklärt werden.

Das Thema „Ahnenforschung“ bleibt also weiterhin spannend und interessant. Der Arbeitskreis Familienforschung freut sich über die vielen gefundenen Ergebnisse und steht interessierten Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften zukünftig weiterhin gerne mit Rat und Tat beiseite.

Alte Baupläne

Manchmal kann auch eine Toilette zur Familienforschung gehören. Bei Recherchen zu meiner Familienchronik bin ich im Stadtarchiv auf eine alte Bauakte gestoßen, die den erstmaligen Bau eines Aborts meines jetzigen Wohnhauses beschreibt. Vorangegangen ist die Beschwerde des damaligen Mieters, dass es keinen Abort gibt und auch noch sonstige „Baumängel“ vorhanden sind. Auch wenn meine Familie das Haus zu dem Zeitpunkt noch nicht selbst bewohnt hat, stellt dies für mich jedoch trotzdem ein Stück Zeitgeschichte dar. Denn die Akte „beschreibt“ die Lebensumstände meiner Vorfahren auch noch in den 1910er Jahren als sie das Haus erworben haben. Anhand weiterer Bau- und Umbaupläne konnte ich den genauen Ort und Zeitraum der Nutzung recht gut rekonstruieren.

An dieser Stelle möchte ich mal ausdrücklich bei allen Mitarbeiterinnen des Stadtarchives Grevenbroich bedanken, die mich als Familien- und Heimatforscher bereits seit Jahren bereitwillig, freundlich, hilfsbereit und immer ergebnisorientiert bei allen Anfragen meinerseits unterstützt haben. Ohne deren Mithilfe wäre z. B. meine eigene Familienchronik nicht so gewachsen und interessant geworden. Vielen lieben Dank!!!

Quellen aller Bilder: Stadtarchiv Grevenbroich/Stefan Faßbender

Wo sind meine Wurzeln?

Die Familie ist wie ein Baum. Die Zweige wachsen in unterschiedliche Richtungen, jedoch halten die Wurzeln alles zusammen. Viele Andenken schlummern vielleicht noch in Schränken, Kellern und auf Dachböden. Für die eigene Familiengeschichte gute Voraussetzungen, um mit der Familienforschung zu beginnen. Eltern und Großeltern erzählen sicher gern über ihre Kindheit und geben ihre Erinnerungen aus dieser Zeit weiter. Interessante Anekdoten und Einblicke in längst vergangene Zeiten bergen für kommenden Generationen erhaltenswerte Geschichten.

  • Befrage deine Verwandten.
  • Mache dir Notizen.
  • Sammele auch scheinbar unwichtige Dokumente.
  • Bewerte deine gesammelten Informationen.
  • Suche Standesämter auf.
  • Forsche in Archiven.
  • Befasse dich mit der Regionalgeschichte.
  • Erstelle einen Stammbaum deiner Familie.

Software zur Erstellung von Stammbäumen

Wurde jemand vom Virus der Ahnenforschung infiziert, stellt sich oft die Frage: „Wie stelle ich meine Vorfahren in einer Übersicht dar?“. Hierzu bieten sich Ahnenforschungs- oder aber auch spezielle Stammbaumprogramme an. Den Darstellungsmöglichkeiten sind nahezu keine Grenzen, wie z. B. Vorfahren- bzw. Nachfahrentafeln, Kreis- oder Fächerdiagramme, mit bzw. ohne Hintergrund, mit Fotos oder auch ohne, gesetzt. Ein Mitglied unseres AK hat in der Vergangenheit schon mal einen Stammbaum in der Größe von ca. 4 m x 1 m mit 14 Generationen vorgestellt.

In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein oder dem Erstellen von Stammbäumen mittels Software zu informieren.

Rothschild & Fleck Grevenbroich: Pessach in einer christlichen Nachbarschaft

Kölner Strape um die Jahrhundertwende

Das jüdische Manufakturwarengeschäft Rothschild & Fleck zählte spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts zu den führenden Geschäften Grevenbroichs. Die Inhaberfamilien Rothschild, mehr noch die Familie Fleck pflegten ihre  Religion – sie gehörten der orthodoxen Richtung an. Sie schlossen ihr Geschäft auf der heutigen Kölnerstraße 38-46 zwar nicht an den normalen Sabbat-Tagen.

Da die Synagoge in Grevenbroich jedoch in direkter Nachbarschaft auf der Kölnerstraße 24 beheimatet war, blieb der Besuch des Sabbatgottesdienstes möglich.

ie Familien Rothschild und Fleck schlossen ihr Geschäft aber regelmäßig zu den jüdischen Hohen Feiertagen, so auch an Pessach – dem jüdischen Osterfest. Regelmäßig informierten sie ihre Kunden mit Anzeigen im Grevenbroicher Kreisblatt, dass ihr Geschäft geschlossen blieb.

So inserierten sie auch vor 166 Jahren am 20. April 1856: „Der Feiertage halber bleibt am heutigen Sonntag 20., Montag, den 21. sowie Sonntag den 27. ds. Mts. Unser Geschäft geschlossen“.

Interessant an der Geschäftsanzeige ist zunächst, dass es zu dieser Zeit keine Sonntagsruhe im allgemeinen Geschäftsverkehr gab. Damals durften alle Geschäfte auch Sonntags öffnen, nur während der Hauptgottesdienstzeiten waren diese zu schließen sowie feilgebotene Waren mit Tüchern zu verdecken.

 Wenn auch nicht zum vorhergehenden Sabbat, so schlossen Rothschild & Fleck allerdings Sonntag und Montag ihr Geschäft, da nach jüdischem Kalender am 20 April 1856 der 15. Nissan des Jahres 5616 nach Erschaffung der Welt (יום ראשון ט”ו ניסן ה’תרט”ז) und damit das Pessach-Fest begann. An diesem Festtag wurde der festliche Sederabend zuhause im Kreise der Familie auf der Kölnerstraße gefeiert, der mit symbolischen Speisen und ungesäuertem Brot weltweit in der jüdischen Gemeinschaft an den Auszug aus Ägypten alljährlich am 15. Nissan erinnert. Es ist das Fest der Befreiung von Sklaverei und Unterdrückung.

Als volle Feiertage gelten jedoch nur der erste Tag – der Tag des Auszugs – und der letzte Tag – der Tag der Spaltung des Schilfmeeres. Und da das Pessach-Fest in der Diaspora acht anstatt sieben Tage gefeiert wurde, schloss das Geschäft von Rothschild & Fleck auch erneut am Sonntag, den 27. April 1856, worauf Rothschild & Fleck erneut mit einer Anzeige im Grevenbroich Kreisblatt hinwiesen.

Ulrich Herlitz

Jahrmarkt: der Laetare- oder Halfbfastenmarkt vor Ostern

Ulrich Herlitz

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war in Grevenbroich der wohl bedeutendste Jahrmarkt der “Laetare”-Markt. Er war nebem dem Laurentius-Markt im August und dem Hubertusjahrmarkt Anfang November der dritte Grevenbroicher Jahrmarkt, jeweils verbunden mit einem Viehmarkt.

Slg Herlitz: Breitestr. um 1890
Breitestraße um 1890 – die 1899 erbaute Pfarrkirche fehlt noch. Wegen ihrer Breite war die Straße immer attraktiv für Veranstaltungen. (Postkarte Slg Herlitz)
Der Laetare-Markt wurde während der Fastenzeit am Sonntag „in der halben Fasten“ gehalten, verbunden mit einem an den beiden folgenden Wochentagen stattfindenden großen Viehmarkt. Der Laetare-Sonntag war dabei wahrlich ein besonderer Anlaß. Als Halb- oder Mittfastensonntag war er vom Fasten ausgenommen. Das Motto „Laetare“ – „Freu´dich, Jerusalem“ – war der Sonntagsliturgie entnommen und verhieß den Gläubigen schon die österliche Freude, die im Laetare-Jahrmarkt ihr weltliches Pendant als Anlaß zu ausgelassenem Jubel und Trubel fand.

Jahrmarktsverzeichnisse aus unserer Region ergeben ein Bild von den feilgebotenen Waren. Es handelte sich um „Faßbinderwaren, Kurzwaren, Ellenwaren, Blech- und Eisenwaren, Messer, Porzellan, Schuhe, Hüte, Seil, Strümpfe, Mausefallen, Zinnwaren, Spielzeug, Mützen, Birnen, Kämme, Holzpferde, Tabak, „Bildcher“, „Bettbücher“, „Frauenkappen“ und alte Kleider“. Auf dem Viehmarkt wurden Geschäfte gemacht, die besiegelt und gefeiert werden wollten.

War der Marktbesuch bereits aus diesen Gründen nicht alltäglich, war er den Menschen, die sich für die Kirche eigens zurechtgemacht hatten, auch Anlaß, am Sonntag „Staat“ zu machen.

Der Bezug auf “Bildcher” und “Bettbücher” im Jahrmarktsverzeichnis nimmt dabei noch Bezug auf die kirchlichen Wurzeln, wurden doch Heiligenbilder oder Bilder mit biblischen Szenen neben Gebetbüchern und religiöser Erbauungsliteratur feilgeboten.

Bereits um die 1840er Jahre hatte sich die drei ursprünglich mit kirchlichen Festen verbundenen Jahrmärkte jedoch fast völlig von seinen kirchlichen Wurzeln gelöst, so dass ab 1845 auch die Düsseldorfer Regierung wegen des zunehmend weltlichen Charakters die Sonntagsmärkte “nach und nach” abschaffte, nur der Laetare-Markt durfte wegen seiner Bedeutung zunächst noch am Sonntag abgehalten werden, aber nicht mehr der damit verbundene zweitägige Viehmarkt. 
Der Heimatforscher Jakob Hubert Dickers schilderte 1912 den Reiz des Jahrmarktes, den der Halb-Fastenmarkt schon “seit alters her” ausmachte: „Die Krambuden standen auf der Straße hinter der Erftbrücke bis weit die Kölnerstraße hinauf. Außerdem fanden sich Kunstreiter, Seiltänzer, Stelzenläufer und Kölner Hänneschen-Theater ein, die mit ihren trag- und fahrbaren leinenumspannten Kasten von einer Stelle zur anderen zogen. In den Toreingängen waren vollständige Manufakturwarengeschäfte eingerichtet. In der Breiten Straße befand sich damals eine alte Wirtschaft „Im Schwan“ mit Toreingang, wo die fahrenden Künstler, die Kameltreiber, Bärenführer mit ihren Tieren sowie der sogenannte reisende “Pöngel” herbergten.“ Auf dem Grundstück am Steinweg, auf dem später das Lichtschlagsche Haus erbaut wurde, sollte sich bald das erste “Karussell“ gedreht haben.
 

In einer eher seltenen Jahrmarkts-Anzeige aus dem Grevenbroicher Kreisblatt vom 29. März 1857 werden von der Firma Hannen neben “Pfeiffenwaren” (Tabakwaren) auch Galanterie- und Kurzwaren feilgeboten. “Galanteriewaren heißen die zum Putz und Schmuck gehörenden Luxusartikel, mit Ausnahme der Schnittwaren, als seidene Bänder, kleine Tücher, Fichus, Handschuhe, Fächer, Bijouteriewaren, Dosen, seine Gegenstände aus Gußeisen, Bronze, Zink, Neusilber, Leder, Holz, Elfenbein, Hartgummi, Knochen, Zelluloid, Glas, Blech u. dgl., also etwa gleichbedeutend mit Kurzwaren (s.d.). Die Franzosen, die den Ausdruck G. gar nicht kennen, sagen dafür: articles de nouveauté et de modes, objets de bijouterie, articles de Paris u. dgl.” so heißt es in Meyers Lexikon von 1907. Und der Begriff “Kurzwaaren” nahm Bezug auf den älteren, im 18. Jahrhundert gebräuchlichen Begriff „kurze Waren“. Dies war zunächst wörtlich zu verstehen, also Waren, die nicht mit der Elle gemessen werden, keine “Ellenwaren” – keine Ware am Laufmeter, wie damals üblicherweise Stoffe verkauft wurden. Es handelte sich vielmehr um Stück- oder Schüttgut, wobei sich das Adjektiv „kurz“ aber nicht unbedingt nur auf die Länge bezog, es konnte auch im Sinne von „klein“ gebraucht werden. Hierzu passte dann auch Heinens Werbung, gleich “mehrere tausend Stück” Tischmesser, Gabeln, Feilen und Bohren und “sonstige nützliche Sachen” anzubieten…

Zunehmend fanden sich auch Buden mit reinen Süßigkeiten (“Moppen”) bis hin zu Speiseeis auf dem Jahrmarkt wieder.

Letztlich durfte auch der Halbfastenmarkt Ende der 1850er Jahre nicht mehr am Sonntag abgehalten werden und wurde ebenfalls auf einen Mittwoch gelegt. Damit verlor er zunehmend an Bedeutung, zumal auch die stehenden Manufakturwarengeschäfte in der Stadt stetig zunahmen.
 
Die Schilderung Dickers macht auch deutlich, dass der Jahrmarkt sich nicht nur von seinen kirchlichen Wurzeln losgelöst hatte, sondern dass sich der reine Krammarkt zu einem regelrechten Volksfest entwickelte, in dem Schaustellungen und Volksbelustigung immer mehr in den Vordergrund und das Feilbieten von Kurz- und Galanteriewaren in den Hintergrund gerieten.

Eine 1894 erlassene Verordnung der Stadt Grevenbroich gibt ein Eindruck von den damals auf den Jahrmärkten vertretenen und zu versteuernden “Lustbarkeiten”: Bis zu 10 Mark mussten gezahlt werden für „Schaustellungen, z. Bsp. von Gymnastikern, Equilibristen, Ballett- und Seiltänzern, Taschenspielern, Zauberkünstlern, Bauchrednern, Panoramen, mechanischen Bühnen, Marionetten, Feuerwerken, Wachsfiguren-Kabinetten, sowie das Vorzeigen von fremden Tieren oder Kuriositäten, Museen etc“. Denselben Preis kostete eine Zirkus-Vorstellung oder ähnlich größere Schaubuden-Vorstellung, während Würfel- und Schießbuden mit 15 Mark pro Tag besteuert wurden.
Für das Aufstellen eines Karussells wurde ein gestaffelter Steuersatz erhoben, je nachdem, ob das Karussell „durch Menschenhand, durch Pferdekraft“ oder „durch maschinelle Kraft“ angetrieben wurde. Neben der herkömmlichen Schaukel wurden erstmals auch Schiffschaukel und russische Schaukel – das Riesenrad – extra besteuert.

Die in der Lustarbkeitssteuer genannten Schaustellungen fanden sich allerdings bald nur noch auf dem Anfang September an drei Tagen, einschließlich des Sonntags abgehaltene Kirmesjahrmarktes auf dem eigens dafür angelegten Schützenplatz GV Stadtmitte. Die Kirmes erfuhr immer mehr Zulauf, zumal sie mit dem Schützenfest des BSV 1849 Grevenbroich e.V. verbunden war. Zusammen mit den Schützenumzügen, den zahlreichen Bällen in den Gaststätten und dem Festzelt auf dem Schützenplatz war er nicht nur für die Grevenbroicher äußert attraktiv und zog auch darüber hinaus Publikum aus dem gesamten Kreisgebiet an…

Der Halbfastenmarkt hingegen wurde 1902 endgültig aufgehoben, allerdings hallte sein Ruf noch eine gewisse Zeit nach. 1911 machte der Bürgerverein Grevenbroich sich wieder für ein Wiederaufleben des Halbfastenmarktes stark. Vergeblich, auch wenn die Grevenbroicher Stadträte und selbst der Bürgermeister dies unterstützten – die Aufsichtsbehörden waren strikt gegen Jahrmärkte und Kirmessen eingestellt…

Laetare wird heutzutage nur noch in der Kirche gefeiert. Allerding gab es noch im vergangenen Jahr den (auch nicht umgesetzten) Vorschlag, pandemiebedingt ausgefallenen Karnevalsumzüge am Laetare-Sonntag nachzuholen…


Wollen Sie mehr über die Grevenbroicher Jahrmärkte, Kirmessen bis hin zur Entwicklung von Schützenfest und Kirmes, wie wir es noch heute am ersten Septemberwochenende feiern, erfahren?!? Dann empfehlen wir gerne den Aufsatz unseres Vorsitzenden Ulrich Herlitz in der Festschrift des BSV-Grevenbroich aus dem Jahr 1999 aus Anlass des 150-jährigen Vereinsjubiläums.