Die Bedeutung von Totenzettel

Ein Beitrag von Bernd Mockel (Arbeitskreis Familienforschung).

Bis vor 20 bis 30 Jahren waren sie noch bei jeder Beerdigung dabei. Es waren einfache oder gefaltete Zettel mit den wichtigsten Lebensdaten der Verstorbenen. In der Messe oder der Trauerfeier wurden sie an die Trauergäste verteilt. Der Brauch war früher im gesamten katholischen Europa verbreitet und wird regional immer noch gepflegt. Doch in unserer Gegend sind sie leider nicht mehr angesagt.  Denn aus heutiger Sicht sind diese Totenzettel für Ahnenforscher eine unverzichtbare Quelle, um etwas mehr über die Vorfahren zu erfahren.

Im weiteren Sinn versteht man unter Totenzettel auch Todesnachrichten, die früher im Ort verteilt oder versandt wurden. Was heute die Todesanzeige in einer Zeitung macht, wurde damals mit der Verteilung der Totenzettel erreicht. Auch sollte das Gebet für den Verstorbenen und seine Familie erbeten werden und zur kirchlichen Trauerfeier einladen.

Gewiss in manchen Zetteln wurde zu viel des Lobes über den Verstorbenen oder die Verstorbene geschrieben. Aber die Zettel sagen viel über das Lebenswerk der Toten aus. Was waren die Vorlieben, was wurde für Zwischenmenschliches geleistet und in welchem Milieu lebte die verstorbene Person.

Nach dem Studium eines Totenzettels wusste der Leser nicht nur wo und wann der Tote geboren, geheiratet und verstorben war. Man wusste auch, wer der Ehepartner war und wie viele Kinder aus der Gemeinschaft entstanden waren. Manchmal stand auch die Todesursache auf dem Zettel. Bei gefallenen Soldaten konnte man die Kriegsstationen des Verstorbenen nachverfolgen und wusste, bei welchen Einheiten der Tote gedient hatte. Für Totenzettel gilt das gleiche wie für Fotos. Je älter – umso wertvoller.

© Bernd Mockel

Die ältesten Totenzettel in meiner Sammlung sind die meiner Ururgroßeltern – also Altgroßeltern nach der Benennung der Ahnen – aus dem Jahre 1888. Das Besondere daran, sie starben beide auf Ostern. Heinrich Tillmann am Ostersonntag, 01. April und Elisabeth Tillmann geb. Biermann am Ostermontag, 02. April. Gemeinsam wurde sie am 04. April 1888 in Bedburdyck beerdigt. Ohne Totenzettel wüsste das heute keiner mehr.

Auch wenn die Totenzettel meistens schwarz gedruckt wurden, so sind sie doch sehr oft mit Bildern und kunstvollen Rändern geschmückt. Natürlich gibt es auch farbige Totenzettel. Aber das ist die Ausnahme. Manche Zettel zeigen auch Fotos von den Verstorbenen. Der Gestaltungsfantasie waren und sind keine Grenzen gesetzt.

In den letzten 20 Jahren habe ich viele Totenzettel gesammelt. Die Zettel werden sortiert, gescannt und ins Internet eingestellt. Hier arbeite ich mit Josef Wißkirchen von der Sammlung Rhein Erft Geschichte aus Stommeln zusammen. Herr Wißkirchen war früher Lehrer am Erasmus Gymnasium in Grevenbroich und ist mehrfacher Autor von Büchern über seine Heimatregion. Die Sammlung umfasst beinahe 45.000 Totenzettel. Aus dem Bereich Wallrath/Rath konnte ich bisher rund 700 Zettel beisteuern. Einfach “www.rhein-erft-geschichte.de/totenzettel/” eingeben und mal stöbern.

In vielen Familien liegen sie noch irgendwo im Schrank und werden dann möglicherweise vielleicht achtlos von Kindern und Enkel entsorgt. Das wäre sehr schade. Wer also Totenzettel hat, kann mir (Bernd Mockel) diese zur Verfügung stellen. Nach dem Einscannen gebe ich die Totenzettel garantiert unbeschadet zurück und die Geschichte unserer Vorfahren ist um eine Erinnerung reicher.

Zur Kontaktaufnahme und Abstimmung der Vorgehensweise bitte ich um Verwendung folgender Mail-Anschrift:

familienforschung-grevenbroich(at)t-online.de

4 Gedanken zu „Die Bedeutung von Totenzettel“

  1. Sehr interessanter Beitrag.
    Vielleicht auch für viele ein Tipp, was man statt einer Entsorgung in die blaue Mülltonne mit den vielen Totenzettel aus den alten Kirchenbüchern der Eltern oder Großeltern anfangen könnte.
    Denn üblicherweise steckten diese Zettel in den Kirchenbüchern.

  2. Guter Hinweis. Bei der Großtante waren sie immer im Gesangbuch.
    Leider funktioniert derzeit der Link zu den Totenzetteln nicht.

  3. Tolle Infos über Totenzettel.
    Vielleicht gibt dieser Beitrag manchem den Anstoß selbst einmal nach Ahnen zu forschen und einen Stammbaum zu erstellen.

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