Das Findelkind „Pantaleon Neukirchen“

Ein Zufallsfund in den standesamtlichen Registern der Stadt Jüchen.

Ein Beitrag von Stefan Faßbender (Arbeitskreis Familienforschung).

Im 19. Jahrhundert gab es leider noch keine Babyklappe wie wir sie heute kennen, denn diese wurde erstmals Anfang des Jahres 2000 in Hamburg eingerichtet. Ein Einzelschicksal? Nein, denn bei meinen Recherchen zu Findelkindern finden sich erschreckende Zahlen. Ca. 500.000 Findelkinder sollen sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa in sogenannten Findelhäusern befunden haben. Die gesamte Anzahl von Findelkindern dürfte daher in dieser Zeit mehrere Millionen in Europa betragen haben. In erster Linie wurden Kinder wohl aus wirtschaftlicher Not oder aus Angst vor Repressalien bei einer unehelichen Geburt ausgesetzt. Aus den mir vorliegenden Urkunden ist weder der Grund der Aussetzung noch die Eltern zu erkennen. Im Kirchenbuch von Hochneukirch ist ebenfalls kein Hinweis zu finden. Leider befinden sich im Stadtarchiv Jüchen auch keine weiteren Unterlagen zu Pantaleon Neukirchen.

© Stadtarchiv Jüchen

“Das Kind wurde am 14.10.1816, abends sieben Uhr, von Johann Tuscher in dem Garten der Witwe Hartmann eingewickelt in schlichtem Leinen gefunden. Es schien nur ein paar Tage alt gewesen zu sein. Das Kind bekam den Namen „Pantaleon Neukirchen“. Es wurde der katholischen Religion gewidmet und für sein Unterkommen gesorgt.”

Die Namensvergabe erfolgte vermutlich wegen des Namens der katholischen Kirche „St. Pantaleon“, in der es getauft wurde und dem Ortsnamen „Neukirchen“ (heute Hochneukirch), in dem es aufgefunden wurde.

© Stadtarchiv Jüchen

“Pantaleon ist am 10.12.1816, morgens sechs Uhr, an Krämpfen ohne ärztliche Behandlung verstorben.”

Bei wem Pantaleon gelebt hat, ist nicht zu erkennen. Johann Tuscher, der „Finder“ des Kindes, taucht in dieser Urkunde lediglich als Nachbar auf.

Ich danke dem Stadtarchiv Jüchen für die Unterstützung.

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