Projekt Kriegstote

In Zeiten von Kontaktsperren und Lock-Down im Kulturbereich wollen wir nach neuen Präsentationsformen Ausschau halten. Zum Auftakt des Projektes “Kriegstote Grevenbroich” hier unsere kleine Präsentation zum Projektauftakt anlässlich des Volkstrauertages.

Die Rheinische Post/ngz berichtet hierüber auch in ihrer Ausgabe 
NGZ 16.11.2020 – Neues Netzwerk der Erinnerung:

Projekt “Kriegstote” Volkstrauertag 2020

Nie wieder – Never again!

Am 15. November 2020 wird in Deutschland der Volkstrauertag als stiller Feiertag begangen. In diesem Jahr sind alle öffentlichen Veranstaltungen pandemiebedingt aus Gesundheitsschutzgründen abgesagt.

Grund genug, in Erinnerung an die Kriegstoten – gefallene Soldaten aller Nationen, zivile Bompenopfer, Vermisste, Zwangsarbeiter*innen und Holocaustopfer – unser neues gleichnamiges Projekt vorzustellen. Wir wollen ein Netzwerk aufbauen, mit dem wir der Grevenbroicher Kriegstoten, aber auch Leid und Schrecken, die der 2. Weltkrieg als Vernichtungskrieg über Deutschland, Europa, ja die ganze Welt gebracht hat, gedenken. Mehr davon morgen in einer Online-Präsentation an dieser Stelle und auf social media und Montag in der Lokalausgabe der Rheinischen Post/NGZ!

Der Volkstrauertag steht 2020 unter dem Vorzeichen des 75-jährigen Kriegsendes. Der englische Kronprinz Charles wird die Gedenkrede im Deutschen Bundestag halten.

Liveübertragung ZDF Volkrstrauertag Bundestag 2020

Übertragung Sonntag, 15. November 2020, ab 13.30 Uhr

Am vergangenen Sonntag haben wir die Biographie von Liesel Katz und ihren Eltern aus Grevenbroich vorgestellt. Heute leben die beiden Töchter Joan und Mari in Englanf. Als jüdische Holocaustüberlebende de 2. Generation hat Marion im letzten Jahr wieder die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Ein großer Vertrauensbeweis in unsere Demokratie, aber auch Verwantwortung und Verpflichtung zugleich…

Ihr Großvater, der Pferde- und Viehhändler Alex Katz, kämpfte selbstverständlich als Kavallerist für sein Vaterland, als Kaiser Wilhelm Ende August 1914 keine Parteien, keine Konfessionen und Unterscheide, sondern nur noch Deutsche kannte.

Sein Vaterland hat es Alexander Katz nicht gedankt, der mit seiner Frau Elfriede aus Deutschland illegal nach Belgien und Frankreich fliehen musste und am 4. September 1942 in Auschwitz ermordet wurde.

Diese und andere Biographien Grevenbroicher Kriegstoten lehren uns:

“Nie wieder! Never again”

Bisher sind als Netzwerkpartner beteiligt: Verein Luftschutzanlagen Rhein Kreis Neuss e.V., Arbeitskreis Familienforschung & Arbeitskreis Judentum im Geschichtsverein Grevenbroich, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke/Archiv im Rhein-Kreis Neuss, Stadt Grevenbroich Bürgermeister Klaus Krützen/Stadtarchiv Grevenbroich, Reservistenkameradschaft Grevenbroich.

Liesel Katz und ihre Eltern

– eine jüdische Geschichte von Emigration und mißglückten Fluchten –
 
Der Lockdwon im Kulturbereich trifft auch uns, zum einen mit unserem Vortrags- und Ausstellungprogramm im Museum in der Villa Erckens, aber auch mit unseren öffentlich noch geplanten Veranstaltungen im öffentlichen Raum. Dies gilt zunächst für den Monat November und wir müssen weiter sehen, was Pandemiebekämpfung und Gesundheitsschutz eventuell noch von uns allen abverelangen.
 
Gleichwohl wollen wir versuchen, auch neue Präsentationsformen im Geschichtsverein anzubieten. Am Sonntag, den 8. November 2020, haben eine Online-Präsentation zu Liesel Katz vorgestellt. 
 
 
Die Grevenbroicherin Lieselotte Katz war mit ihren Eltern auf der Orkenerstraße 92 im Grevenbroicher Bahnhofsviertel heimisch war.
 
Lieselotte Katz hat als 16-jähriges Mädchen im Januar 1933 ein Tagebuch geschenkt bekommen, dass noch erhalten ist. Sie floh ebenso wie ihr Bruder 1937/38 aus Grevenbroich, sie nach Palästina, er nach Südafrika. In Palästina trat sie den weiblichen Hilfskräfte der britischen Airforce bei, um ihren späteren Mann Helmut Katz aus Köln, der mit ihrem Bruder auf dem selben Schiff nach Südafrika kam, als Militärangehörige heiraten zu können.
 
Sie lebten nach der Heirat in Südafrika, wo die beiden Töchter Joan und Mari geboren wurden.
 
Joan & Mari leben heute in England und werden die Geschichte ihrer Mutter vorstellen. Mit vielen Bildern, Dokumenten und Zitaten aus dem Tagebuch ihrer Mutter. Die Tagebuchauszüge sind vond er Schauspielerin Katja Heinrich eingesprochen worden. Joan & Mari´s Großeltern Alex und Elfriede Katz flohen illegal nach Belgien und dann nach Frankreich, wurden jedoch interniert und über Drancy im September 1942 via Drancy nach Auschwitz deportiert und wurden dort ermordet.
 
Joan & Mari haben sich viel Mühe mit der Präsentation gemacht und – wenn Corona es zuläßt – wollen Sie im nächsten Jahr zu einer Gedenk- und Begegnungswoche nach Grevenbroich kommen.
 
Joan ist darüber hinaus Künstlerin und setzt sich mit ihrer Familiengeschichte, aber auch dem Thema Flucht künsterlisch auseinander.
 
Eventuell planen wir im kommenden Jahr im November 2021 auch einen Kunst-Workshop mit Joan zum Thema.
 
Sie sehen, eine sehr interessante Biographie und eine sicher lohnende virtuelle Veranstaltun, die wir demnächst auch dauerhaft online stellen. 
 
Ein Dank gilt der Initiative “Demokratie leben!” im Rhein-Kreis Neuss, die die Erstellung der Multimediapräsentation unterstützt!
 
Bleiben wir alle gesund…
…und auch geschichtsbewusst!
 
 

Geschichten aus Wevelinghoven

Vortrag 1. Oktober 2020, 19.30 Uhr – Museum Villa Erckens:

“Sonntags um 11 Uhr geht man zum Boxring. Am Wochenende laufen im Burgtheater die neuesten, teilweise skandalösen Filme. Internationales Flair entfaltet sich auf der Pferderennbahn an der Erftruhe. Berühmte Persönlichkeiten aus Wevelinghoven schreiben Geschichte. Das im Jugendstil erbaute Rathaus entfaltet repräsentativen Glanz in der Stadt. Die Poststrasse ist autofrei. Sechs junge Frauen verlieren ihr Leben bei einer Explosion in der Pulverfabrik. Im Keller des „Alten Pastorates“ wird während eines Luftangriffs ein Junge geboren. Im Kloster Langwaden beten Nonnen stehend bis zu 9 Stunden am Tag.”

Jahr für Jahr hat der Autor Dr. Friedrich Schmitz Geschichten aus Wevelinghoven im Jahreskalender des BSV Wevelinghoven aufgeschrieben. Helmut Coenen und Kerstin Buchholz  tragne aus dem Sammelband, den der Geschichtsverein aus Anlass des 80. Geburtstags von Dr. Schmitz als Ehrenvorsitzendem im Geschichtsverein herausgegeben hat, vor. Ein Muss für jeden Fan von Wevelinghoven und der Region…

Anmeldung erforderlich kultur@grevenbroich.de oder Tel.: 02181-608-656  – es gelten die Corona-Gesundheitsschutzmaßnahmen des Museums!

Zum jüdischen Fast- und Feiertag: Gmar Chatima Tova ve’Zom kal! מר חתימה טובה וצום קל לכולם !

Allen jüdischen Freunden, vor allen denen mit Wurzeln aus Grevenbroich, die heute ab Sonnenuntergang den höchsten…

Gepostet von Judentum Grevenbroich am Sonntag, 27. September 2020

Toten- und Gefallenenehrung der Bruderschaft in Gindorf

Heute fand die Gefallenenehrung der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Gindorf 1671 e.V. statt. Auf dem Ehrenmal ist auch der im April 1918 an der Westfront bei St. Albert in Frankreich gefallene Gindorfer Siegmund Baum verzeichnet. Er war der Sohn des über Jahrzehnte in Gindorf tätigen jüdischen Lehrers Alexander Baum. Die Bruderschaft Gindorf forderte in den heutigen Redebeiträgen dazu auf, den bis heute andauernden Antisemitismus und Rassenhass auf den Straßen mitten in unserer Gesellschaft aktiv zu bekämpfen.
Witwer Alexander Baum wurde mit seinen bei ihm wohnenden Töchtern Frieda und Caroline in der “Reichskristallnacht” des 9. Novembers 1938 in Gindorf in ihrem Zuhause heimgesucht.
Alle drei wurden Anfang des Jahres 1939 aus ihrer geliebten Heimat vertrieben. Hochbetagt wurde Alexander nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet. Auch seine beiden Töchter wurden im Holocaust ermordet, ebenso wie Sohn Ernst und Tochter Selma, beide mit ihren kompletten Familien.Am 19. Juni 2020 verlegte Gunter Demnig auf Initiative des Geschichtsvereins in Gindorf auf der Mühlenstraße Stolpersteine für Alexander, Frieda und Caroline.
Zu den Stolpersteinen für die Familie Baum geht es hier…
 
Für die gesamte Familie Baum gibt es auf dem Ehrenmal der Opfer des 2. Weltkrieges einen Gedenkstein. Dies ist dem Ortsnetzwerk aller Gindorfer und Gustorfer Vereine zu verdanken, das für alle 43 aus Gindorf und Gustorf stammenden jüdischen Holocaustoper mit ihren Familien Gedenksteine errichtet hat.
 
Ausführliche Infos zum Ortsnetzwerk Gustorf-Gindorf gibt es hier… 
 
 

Reise zu Spuren seiner Vorfahren anlässlich des 90. Geburtstages – Prof. Dr. Hans Georg Kirchhoff

Prof. Dr. Hans Georg Kirchhoff hat anlässlich seines 90. Geburtstags Godelheim besucht, den Wohnort seiner Vorfahren. Gerne schließen wir uns den Geburtstagsglückwünschen an und rufen dem engagierten Heimatforscher zu: hoffentlich noch auf viele Jahre – ad multos annos!

Einen im Westfalenblatt vom 16. Juni 2020 veröffentlichten Bericht zu seiner Suche auf den Spuren seiner Vorfahren in Goldelheim finden Sie hier…

Der Historiker und Geschichtsprofessor hat auch zahlreiche Beiträge in unserer Publikationsreihe veröffentlicht, unter anderem zur Fürhgeschichte sowie zur Stadtgeschichte Grevenbroichs in zwei Bänden oder gesammelte Aufsätze zu Mittelalter an Erft und Gillbach.

Zahlreiche Bücher aus unserer Publikationsreihe “Beiträge zur Geschichte der Stadt Grevenbroich”, darunter auch die von Hans Georg Kirchhoff, sind bei uns auch noch erhältlich…

Kneipenrundgang mit Stadtkrätzchen

Foto: NGZ Wiljo Piel
Wie werden Fische mit einer Martini-Flasche gefangen?
Wie kommen 14-Jährige an die Groschen fürs Flipper-Spiel?
Welches verbotene Getränk war der ´Brammi´?

Am 2. Juli 2020 hätten wir gerne auf eine Stadtführung der besonderen Art angeboten. Ein Kneipenbummel mit dem Grevenbroicher Ur-Gestein Ulrich Spanier und Krätzchen sowie Anekdoten zu seinem “Veedel” in den 70er und 80er Jahren in der Innenstadt.
Coronabeding fällt dieser Rundgang leider aus, wird aber ganz bestimmt nachgeholt – versprochen!!!

 

Holocaust begann in der Nachbarschaft

Im Zuge der NGZ-Berichterstattung zur 8. Verlegung von Stolpersteinen durch Gunter Demnig am 19. Juni 2020 gab Geschichtsvereinsvorsitzende Ulrich Herlitz ein Interview zu den Grevenbroicher Stolpersteinen, Gründe für eine Verlegugn vor den früheren Wohnungen und Häusern der Grevenbroicher Juden und die Motivation, warum sich Menschen für Stolpersteine engagieren. Das NGZ-Interview führte Dirk Neubauer.

Frage: Wie viele Stolpersteine gibt es in Grevenbroich und wie viele kamen am Freitag hinzu?
 
Ulrich Herlitz: Bislang gab es 64 Stolpersteine, die an 64 Menschen erinnerten, die im Holocaust oder durch die Folgen der Nazi-Barbarei ums Leben kamen. Am Freitag kamen zehn Stolpersteine hinzu – in Hülchrath, in Grevenbroich Mitte und in Gindorf.
 
Frage: Worin besteht Ihre Arbeit?
 
Ulrich Herlitz: In Grevenbroich und seinen Ortsteilen setzen sich viele unterschiedliche Menschen für das Projekt der Stolpersteine ein – und verhindern so, dass die Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus vergessen werden. Das sind manchmal Handwerksbetriebe, die eine Patenschaft für einen Stolperstein in der Nähe ihres Firmensitzes übernehmen. In Hülchrath, als Beispiel,  ist die Dorfgemeinschaft sehr aktiv. Über den Geschichtsverein versuchen wir, all diese Initiativen zu bündeln und diese dann der Stadt vorzulegen. Die informiert jeweils die Hausbesitzer.
 
Frage: Warum ist es Ihnen wichtig, dass stets neue Stolpersteine verlegt werden?
 
Ulrich Herlitz: Durch die vielen Initiativen haben wir weit mehr Vorschläge, als Gunther Demnig bewältigen kann. Ich persönlich finde es wichtig, dass das Erinnern an den Holocaust Namen und Gesichter hat. Vor allem, weil in der jüngeren Vergangenheit Hass, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus wieder zugenommen haben. Und erschreckenderweise manchmal bis mitten hinein in die Gesellschaft Anhänger finden.
 
Frage: Also sollten wir weiter gedenken?
 
Ulrich Herlitz: Eindeutig ja. Der Holocaust begann im Kleinen – mit der Ausgrenzung in der Nachbarschaft. Mit Hass und Gewalt gegen die Nächsten. Und da helfen uns unter anderem die Stolpersteine, uns immer wieder daran zu erinnern. Aus meinen Kontakten mit den Nachkommen der Holocaust-Opfer weiß ich, dass Deutschland heute vielfach als sicherer Ort, als gefestigte Demokratie angesehen wird. Dazu haben wir alle beigetragen.
 
Ein Fotoalbum zur Verlegung finden Sie hier:

 
Den NGZ-Bericht vom 20. Juni 2020  von Dirk Neubauer zur Verlegung der Stolpersteine finden Sie hier…

Kleine Steine erinnern an Schicksale

Grevenbroich Nach dem großen Termin am Freitag gibt es nun insgesamt 74 Stolpersteine in Grevenbroich. Hinter jedem Mahnmal verbirgt sich eine Geschichte. Und die Verpflichtung, sich zu erinnern.

Manchmal ist es wichtig, über Namen zu stolpern. Über Cilly Hirsch zum Beispiel. Sie starb in der Gaskammer des Konzentrationslagers Auschwitz am 31. August 1942. Nun blinkt ihr Name auf der Messingplatte eines Stolpersteins, der vor ihrem Elternhaus in Hülchrath im Pflaster eingelassen ist – unter dem ihrer Mutter Julie Hirsch, die von den Nationalsozialisten bereits am 4. September 1939 in den Tod getrieben wurde, und neben den Stolpersteinen ihrer Schwestern Jenny und Elli. Während der Freitagnachmittag-Verkehr über die Herzogstraße brummte, hatten sich zwei Dutzend Anwohner eingefunden. Gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Krützen und Ulrich Herlitz vom Geschichtsverein Grevenbroich verfolgten sie die Arbeit eines Mannes, der dazu niederkniete: Gunter Demnig montierte die neuen Stolpersteine in das Hülchrather Pflaster.

In einem eng getakteten Zeitplan kamen am Freitag insgesamt zehn neue Stolpersteine zu den bereits in Grevenbroich verlegten 64 Steinen hinzu. An der Bahnstraße 88 tragen sie die Namen von Mutter und Tochter Edith und Hannelore Burrack. An der Kölner Straße 38-46 – vor der Coens-Galerie – gilt das Gedenken den Eheleute Bloemendal. Und an der Mühlenstraße 13 in Gindorf liegen ab sofort Stolpersteine zu Ehren des Gindorfer Lehrers Alexander Baum und seinen beiden Töchtern Frieda und Caroline.

Nach dem Corona-Shutdown war der Termin in Grevenbroich erst der zweite, zu dem Gunter Demnig wieder selbst Hand anlegte. Nach mehr als 75.000 verlegten Stolpersteinen in Europa und Deutschland macht der Künstler nicht mehr viele Worte. Routiniert versenkt er mit sanften Bewegungen die Steine mit den aufgeschraubten Platten im Pflaster. Sorgfältig wird anschließend mit einem Besen nachgearbeitet. Dass er anschließend in Hülchrath etwas sagen soll, macht ihn verlegen. Demnig wehrt ab. Er macht diese Arbeit seit fast drei Jahrzehnten nicht, um selbst im Mittelpunkt zu stehen.

An allen vier Grevenbroicher Gedenkorten lenkte stattdessen Ulrich Herlitz vom Arbeitskreis Judentum im Geschichtsverein Grevenbroich die Gedanken und Erinnerungen der Zuhörer.

Cilly Hirsch etwa hatte ihre Liebe bei einem Fußballspiel in Hülchrath gefunden. Ihr Cousin Josef Claessens aus dem niederländischen Sittard wurde später ihr Ehemann. Sie heirateten 1935. Da wurden Mutter und Töchter in dem stolzen jüdischen Haus Hirsch in Hülchrath schon seit Jahren von den örtlichen Nazis bedrängt, beleidigt, bedroht.

Der Davidstern im Hausgiebel, die Verzierungen, die an Thorarollen erinnern sollen, stachelte die Antisemiten auf. Dem wollte Cilly durch den Umzug nach Sittard entkommen. Doch nur wenige Jahre später marschierten auch dort die Deutschen ein. Josef und Cilly haben auch in Sittard Stolpersteine. Els Kamp und José Brinkhuyzen aus Sittard waren am Freitag eigens nach Hülchrath gekommen, um hier an der Stolperstein-Verlegung teilzunehmen. Die beiden organisieren das Gedenken in ihrer Heimat.

So verbindet sich mit jedem Stolperstein eine Geschichte. Die des jüdischen Religionslehrers Alexander Baum aus Gindorf, der Kinder aus Grevenbroich, Dormagen und Bedburg unterrichtete und hochbetagt im Alter von 87 Jahren ins KZ Theresienstadt verschleppt und dort ermordet wurde. Die Geschichte der Modehändler Emma und Aron Bloemendal, die bereits 1933 vor den Nazis nach Lüttich flohen und ihnen dort 1943/44 in die Hände fielen.

Oder das Schicksal von Hannelore und Edith Burrack – die vor zudringlichen Grevenbroicher Nazi-Schergen nach Litauen flohen. Auch das war am Ende nicht weit genug weg. Für Herlitz sind diese Namen und Geschichten nicht Geschichte. Sondern eine Ermahnung an die heute in der Stadt Lebenden: „Das Gute ist, dass wir Grevenbroicher heute noch ganz viele Vorschläge haben – für weitere Stolpersteine.“