Ja, die gab es wirklich! Der Geschichtsverein Grevenbroich konnte bisher drei Personen ausmachen, die in den 1920er und 1930er Jahren in dieser bis heute mit sehr vielen Mythen beschriebenen Elitearmee dienten. Die Fremdenlegion oder auch „Légion étrangère“ wurde am 9. März 1831 durch König Louis Philippe von Frankreich ins Leben gerufen. Sie durfte per Dekret lediglich außerhalb von Europa, insbesondere in den Kolonialstaaten, eingesetzt werden. Bis heute besteht diese Einheit fast ausnahmslos aus Soldaten, die nicht Franzosen sind. Über 100 Jahre lang stellten Deutsche den größten Anteil der Legionäre.

Seit jeher besteht der Mythos, dass sich deutsche Straftäter der Gerichtsbarkeit entziehen wollten und dies das Hauptmotiv für den Eintritt in die Fremdenlegion gewesen sei. Heutige Untersuchungen belegen jedoch, dass dies nicht richtig ist. Vielmehr führten eine schlechte Ausbildung, Arbeitslosigkeit und Armut die jungen Männer auf den Weg in die Legion.

Vermutlich bedingt durch die sogenannte „Erbfeindschaft“ mit Frankreich hatte die Fremdenlegion in Deutschland kein gutes Ansehen. Immer wieder wurde von menschenunwürdigen Behandlungen und Strafen berichtet. Es wurden sogar Anti-Legionsvereine gegründet, um Deutsche vor dem Eintritt in die Fremdenlegion zu beschützen, und es wurde sehr viel „Aufklärungsarbeit“ geleistet, um insbesondere Schulabgänger davor zu warnen. So auch geschehen in Grevenbroich, wie folgendes Fundstück aus dem Stadtarchiv Grevenbroich zeigt.

Aber nicht nur durch die Anwerbetätigkeit vieler Vereine „Ehemaliger Fremdenlegionäre“, sondern auch durch diese Aufklärungsarbeit wurden viele junge Männer erst auf die Fremdenlegion aufmerksam und sahen darin unter Umständen die Chance, ein „Abenteurerleben“ führen zu können.


1) Der Legionär Peter Baas
Peter Baas wurde am 3. November 1910 als Sohn des Güterbodenarbeiters (Arbeiter im Güterschuppen einer Bahnanlage) Joseph Baas und der Wilhelmine Wüst in Münchrath geboren. Vermutlich hat Peter lediglich eine kurze Nachricht im elterlichen Haus hinterlassen, wie die nachfolgende Suchanzeige der Eltern vom 28. August 1929 zeigt. In dieser wurde lediglich hinterlassen, dass er nach Hamburg will.

Bereits am 16. September 1929 wurde die Suche nach Peter Baas eingestellt, da bekannt wurde, dass er in die französische Fremdenlegion eingetreten war. Über seine Dienstzeit, seine Einsatzorte und seine Rückkehr nach Deutschland oder ob die Eltern versucht haben, ihn aus der Fremdenlegion herauszuholen, ist leider nichts bekannt. Laut einem Randvermerk auf seiner Geburtsurkunde starb er 1949 im Alter von ca. 39 Jahren in Neuss. Nachfolgend der relativ nüchterne Beleg, dass die Suche nach ihm als erledigt angesehen werden konnte.

2) Der Legionär Peter Bättgen
Peter Bättgen wurde am 14. Dezember 1907 in Frauwuellesheim im Kreis Düren geboren. Er heiratete am 23. April 1927 Elisabeth Hoffmann in Wevelinghoven und lebte danach auch noch dort. Seine „spannende“ Geschichte ist aus dem ausführlichen noch erhaltenen Schriftverkehr zwischen den Behörden sehr gut lesbar. Peter erschien am 20. April 1933 im Deutschen Generalkonsulat für Spanien in Barcelona. Dort stellte einen Antrag auf Heimschaffung über Genua, da er der Fremdenlegion entwichen sei und keine Mittel zur Heimreise besäße. Beigetreten war er der Fremdenlegion am 29. Oktober 1931.

Bereits am 24. April 1933 sendete der Bürgermeister Widmann ein Schreiben nach Spanien, in dem er die Angaben bestätigte und sowohl die Ausstellung eines Reisepasses als auch die Heimschaffung befürwortete.

Innerhalb der nächsten vier Wochen muss Peter Bättgen gemäß dem Düsseldorfer Polizeipräsidium wieder in Deutschland eingereist sein und sich auf den Weg zu seiner Ehefrau nach Wevelinghoven gemacht haben.


Ob Peter Bättgen wie oben beschrieben infolge von Arbeitslosigkeit freiwillig oder nur zur Vermeidung einer Haftstrafe (Verurteilung wegen Schmuggelns) der Fremdenlegion beigetreten ist, kann nur vermutet werden. Auffällig ist jedoch seine Flucht aus der Fremdenlegion Anfang 1933, nachdem am 20. Dezember 1932 allen Straftätern mit dem sogenannten „Schleicher-Amnestie-Gesetz“ die Straffreiheit bei politischen Straftaten sowie die Straffreiheit bei Straftaten aus wirtschaftlicher Not gewährt wurde. Zudem wurde er nach seiner Rückkehr weiterhin durch die Polizeibehörde überwacht. Was es mit dem Foto von Heinrich Dehlen im oben gezeigten Brief auf sich hatte, konnte bisher nicht geklärt werden, da weder das Foto noch ein weiterer Hinweis dazu im Archiv zu finden ist.

Peter Bättgen überlebte ebenfalls den Zweiten Weltkrieg. Seine Spuren verlieren sich Ende der 1950er Jahre als er ein zweites Mal heiratete.
3) Der Legionär Heinrich Faßbender
Der Dreher Heinrich Faßbender wurde am 26. Februar 1905 als Sohn des Tagelöhners Conrad Hubert genannt Gerhard Faßbender und der Anna Maria Becker in Orken geboren. Seine „Geschichte“ beginnt am 11. April 1929 in Hamburg, wo er von der Hamburger Polizeibehörde aufgegriffen und verhaftet wurde. Im Grevenbroicher Stadtarchiv ist das Vernehmungsprotokoll der Hamburger Polizei vom 11. April 1929 erhalten geblieben. Danach war Heinrich im Mai 1928 freiwillig in die Fremdenlegion eingetreten. Seine Arbeitslosigkeit war der Grund seines Eintritts.

Lesehilfe zu 8d):
„d) ist in der Verpflichtungserklärung ein Vermerk enthalten, wonach der Angeworbene bestätigt, in seiner Landessprache von dem Inhalte seiner Verpflichtung Kenntnis genommen zu haben.“
Am 17. Juni 1928 hatte er seine Verpflichtungserklärung in Metz abgegeben. Von dort ging es per Bahn nach Marseille. Dort bestieg er ein Schiff, welches ihn nach Oran brachte. Oran ist eine Küstenstadt im Westen von Algerien. Laut seinen Angaben desertierte er bereits neun Monate später. Er floh von Arzew, eine Hafenstadt in Algerien, die etwa 40 km von Oran entfernt liegt. Von dort reiste er zunächst mit dem englischen Dampfer „Holwood“ nach Leith, einem Stadtteil der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Seine weitere Reise führte ihn mit dem englischen Dampfer „Breslau“ nach Hamburg.

Bereits am 13. April 1929 erreichte eine Anfrage die Ortspolizeibehörde in Elsen. Mit dieser wurde darum gebeten zu bestätigen, dass die von Heinrich angegebenen Daten stimmen und ob gegen ihn etwas vorliegt. Inwieweit man die Hamburger Polizeibehörde auf die enthaltenen Fehler aufmerksam machte, ist leider nicht dokumentiert. In der Anfrage wird mit dem 28. Februar 1905 ein falsches Geburtsdatum genannt. Ebenso wird nicht seine leibliche Mutter, sondern seine Stiefmutter genannt.

Besonders beeindruckend sind die in der oben gezeigten Anfrage erhalten gebliebenen Fotos der Polizeibehörde Hamburg, die den nur 24jährigen Heinrich Faßbender zeigen.

Zur Feststellung seiner Persönlichkeit war er vom 11. April 1929 bis zum 15. April 1929 in Polizeihaft, wie nachfolgende Bescheinigung zeigt. Da zwischen dem Eingang der Anfrage und der Entlassung nur zwei Tage lagen, ist davon auszugehen, dass die Polizeibehörde Elsen umgehend ein Telegramm mit der Bestätigung nach Hamburg sandte.

Wie akribisch die Geschichte von Heinrich Faßbender festgehalten wurde und wem Meldung gemacht wurde, zeigt ein Brief an den Landrat in Grevenbroich, in dem auch darauf verwiesen wurde, dass man die Landeskriminalpolizeistelle in Düsseldorf informiert hatte.

„[…] Gestern meldete sich beim hiesigen Meldebüro der Dreher Heinrich Faßbender, geboren am 26. Februar 1905 zu Orken, preuß. Staatsangehöriger, ledig, hier Elsen, Kaiserstr. 2, an. Faßbender ist als angeblicher Flüchtling aus der französischen Fremdenlegion am 11. d. Mts. in Hamburg auf dem englischen Dampfer „Breslau“ eingetroffen. Vom 11. bis 15. d. Mts. befand er sich zur Feststellung seiner Persönlichkeit in Polizeihaft in Hamburg. Die Polizeibehörde in Hamburg, Abteilung II, (Kriminal- und Staatspolizei) hat Faßbender nach seiner Angabe vernommen, weshalb hier von seiner nochmaligen Vernehmung abgesehen worden ist.
Dem Polizeipräsidenten (Landeskriminalpolizeistelle) in Düsseldorf habe ich von der Rückkehr des Faßbender Nachricht gegeben.“
Der Polizeipräsident in Düsseldorf forderte den Grevenbroicher Landrat mit Schreiben vom 10. Mai 1929 auf, den zurückgekehrten Heinrich Faßbender unter Beobachtung zu nehmen. Leider konnte nicht recherchiert werden, wie und wie lange diese Beobachtung erfolgte.

Der mittlerweile als Eisendreher arbeitende Heinrich Faßbender heiratete am 8. Juli 1932 die Christine Thomaßen im Standesamt Grevenbroich. Damit endet seine Geschichte aber noch nicht, denn nur wenige Jahre später holte ihn der Militärdienst wieder ein.
Heinrich Faßbender war im 2. Weltkrieg Panzergrenadier in der 2. Kompanie des Grenadier Regiments 5. Er erlag seinen schweren Verwundungen durch einen Bauchschuss und starb am 22. Dezember 1942 um 5 Uhr im Feldlazarett in Tatewo (Ostfront). Sein Grab befindet sich auf dem Heldenfriedhof bei Schloss Tatewo.

Heinrich Faßbender ist einer der mehr als 2.000 Grevenbroicher Kriegstoten, zu denen seit Januar 2024 im Stadtarchiv Grevenbroich in einer Sammlung recherchiert werden kann.
Stefan Faßbender für den Geschichtsverein Grevenbroich, 2024





Natürlich wurde Weihnachten auch in Grevenbroich zu Hause, im Kreis der Familie, gefeiert. Ein Hauch der Goldenen Zwanziger lag in der Luft, das hoffnungsvolle Gesicht der Weimarer Republik war ein wenig aus dem Schatten der Nachkriegszeit getreten. Auch wenn der Erste Weltkrieg und seine Folgen immer noch nachwirkten: Oft herrschte noch Wohnungsnot in der Stadt, Heizen war immer noch ein Problem und manch eine Familie war darum bemüht, Ihren Kindern in diesen Tagen eine wenn auch noch so kleine Freude zu bereiten. Da das Weihnachtsfest oft die einzige Gelegenheit war, wo sich die gesamte Familie traf, boten die Festtage vielen Paaren die Möglichkeit, ihre Verlobung im Kreis ihrer Lieben bekannt zu geben…

Die Grevenbroicher konnten sich jedenfalls wieder einen Weihnachtsbaum auf dem Tisch leisten. Christbaumschmuck gab es bei W. Sommer Nachfahren zu kaufen. Kuchen und Torten gab es natürlich besonders zu Weihnachten in den Cafés wie Deden, Schall, der Dampfbäckerei Bremer oder Poser.
Besonders beliebt war die Weihnachtsfeier des BSV Grevenbroich. Hier fand man gesellschaftlichen Anschluss und Anerkennung. Auf der Weihnachtsfeier des 1920 von vielen Vereinen und ehemaligen Schützen neugegründeten Bürger-Schützenvereins stellte der Vereinspräsident Jean Plum ein weihnachtliches Programm zusammen.
Sie fand im Saal des Vereinslokals „Hotel Lersch“, auch genannt „Zur Traube“, statt. Plum hatte seine Töchter gewinnen können, in einem „Melodram“ das deutsche Weihnachtslied „Stille Nacht“ vorzutragen, es folgte ein von Kindern der Vereinsmitglieder vorgetragenes Weihnachtsspiel „Am Eigelstein“. Höhepunkt und heiß ersehnt war zum Abschluss des offiziellen Teils vor allem die große Weihnachtsverlosung. Je nach Los sorgte sie für „hochbeglückte“, oder aber „zerknitterte“ Mienen. Den Abschluss bildeten frohe Stunden der Geselligkeit und Tanz „nach neuesten oder veralterten Tanzmoden“, musikalisch gestaltet durch die Kreisfeuerwehrkapelle Skibba.
Allerdings hatte sich die Wirtevereinigung in diesem Jahr abgesprochen, zu Weihnachten und am ersten Feiertag geschlossen zu bleiben, ihr Motto: „Auch wir wollen Weihnachten in unseren Familien feiern!“
Drei nicht der Vereinigung angehörende Wirte öffneten allerdings ihre Türen, unter anderem auch das Gasthaus von Joseph Portz. Sie wollten Weihnachten „wie üblich mit ihren Gästen“ feiern…
Aber auch das Vereinswesen stand immer noch zu einem großen Teil unter den Vorzeichen der Nachkriegszeit. Es gab mit Marineverein, Artillerieverein, Gardeverein, Kriegerverein und dem Bund der Kriegsbeschädigten zahlreiche Kameraden- und Ehemaligenvereine, hatte der Versailler Friedensvertrag doch das Reichsheer drastisch auf 100.000 Mann reduziert.
An den Weihnachtsfeiertagen selbst gab es eine Fülle von Freizeitangeboten: vor allem die beiden Grevenbroicher Kinos, das „Lichtspielhaus“ auf der Breitestraße 21 und die „Lichtspiele“ im Rheinischen Hof boten Vergnügen. Kassenschlager waren zum Beispiel der neue „Blockbuster“ von Buster Keaton, Regina Ralli oder Reginald Deny. Die Veranstaltungen wurden vielfach als „Amerikanisierung“ des Alltags kritisiert, hatte sich doch nicht nur in den Gaststätten mit der Jazz-Musik neue Unterhaltungsangebote etabliert. Sie waren aber auch geeignet, immer noch stark ausgeprägte Klassengegensätze zu überwinden, denn ihre Besucher sangen dieselben Schlager, die sie in den neuen Medien Kino und Radio kennenlernten. Ein wichtiges Argument für den Besuch des Silvesterballs waren deshalb auch „garantiert erstklassige Schlager“.
Für die überwiegend christliche Bevölkerung waren die Weihnachtsgottesdienste natürlich der Höhepunkt des Festes. In der evangelischen Kirche ebenso wie der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul wurden Gottesdienste abgehalten. Die Christmette in St. Peter und Paul wurde durch den Pfarrchor „Cäcilia“ mit seinem neuen Knabenchor „in prächtiger Weise mit wirkungsvoller Orgelbegleitung“ gestaltet und trug so dazu bei, „die Weihnachtsstimmung zu mehren und die Herzen empfänglich zu machen für der Weihnacht Gnade und Zauber“, wie die Zeitung berichtete. In der Synagoge Grevenbroichs auf der Kölnerstraße 26 wurde natürlich kein Weihnachten gefeiert, aber am 8. Dezember war das Lichterfest Chanukka zu Ende gegangen…
das Wohlfahrtsamt Grevenbroichs hatte mit der städtischen Wohlfahrtskommission „mit einer Reihe Damen der Stadt“ zu Spenden für arme Mitbürger aufgerufen und die „Armen und Hilfsbedürftigen“ dank des „in unserer Stadt herrschenden Opfersinns aller Schichten“ „praktische und schöne Gegenstände“ sowie Briketts, Braunkohlen und Koks ausgegeben. Ebenfalls Geldgeschenke für diejenigen, die sich ein Weihnachtsfest aus eigenen Mitteln nicht leisten konnten…



















Und auch der BSV Grevenbroich beteiligte sich anlässlich des 175-jährigen Vereins-Jubiläums mit Regimentsstandarte und einer Abordnung und BSV-Königspaar, ebenso wie eine Fahnenabordnung des Jägerzuges St. Hubertus, der in diesem Jahr seinen 125 Gründungstag feiert.






































