Der Niederrhein-Impact: Einschlag aus dem Weltraum ins Land zwischen Maas und Rhein

Müssen wir Angst haben, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt?!?

Dieser vermutlich meteoritische Brocken wurde am 10. April 2018 als Oberflächenfund im Rhein-Kreis Neuss, NRW, geborgen. Gewicht 26 kg, Maße ca. 45 cm x 30 cm; Dichte 4,72 g/cm3; stark magnetisch. Es dürfte sich um ein basaltisches Objekt (das bisher größte) mit reichlich Einschlüssen von nativem Eisen handeln. Interessant noch eine partiell erhaltene regmaglyptische Oberflächenskulptur, die typisch für Meteorite ist, die durch Reibungsschmelze beim Flug durch die Atmosphäre entsteht.
© G. Waldmann
Quelle hier…

Eigentlich wollten wir heute in einem Vortrag von Dr. Georg Waldmann dieser Frage nachgehen. Denn vor ca. 600.000 Jahren kam es vermutlich zu einem großen Meteoriteneinschlag im Land zwischen Rhein und Maas. Hier ein Bericht von Friedhelm Ruf aus der NGZ vom 24.4.2018 hierzu:

Die Geschichte ist damals von keinem aufgeschrieben worden. Aber dennoch lohnt es sich, sie zu erzählen. Es ist eine alte Geschichte, eine sehr alte. Sie beginnt an einem Tag vor 600.000 Jahren, als es den heutigen Menschen noch gar nicht gab. So hätte nur Homo erectus, der Vorläufer des Neandertalers und des Homo sapiens, das Geschehen erleben können, das sich über dem südlichen linken Niederrhein ereignete. Ein Meteorit kam mit gewaltigem Getöse herangebraust und streute seine Splitter über das Land. “Es kam wohl von einem Meteor, der aus losem Gestein eine lockere Verbindung eingegangen war”, sagt Georg Waldmann. Der Biologe und Geologe hat die Spuren eines Einschlags in der Landschaft rund um seine Heimat Korschenbroich entdeckt. Dabei handelt es sich um Basaltgestein, das natives Eisen enthält. “Das kommt so auf der Erde gar nicht vor.” Zudem haben die Steine, die Georg Waldmann gefunden hat, eine scharfkantige Oberfläche mit Einkerbungen und Zerklüftungen.

Ein Stein, der eine lange Geschichte auf der Erde hat, wird entweder in Flüssen oder Bächen glatt geschliffen. Oder er wird in einem Eiskörper mitgeschoben und glattgehobelt. Solche glatten Basaltsteine finden sich auch rund um Korschenbroich. Sie sind auf jeden Fall mit Wasser in Berührung gekommen. Ob es Eis war, ist für Georg Waldmann bislang noch eine offene Frage. Eine der Eiszeiten, und zwar jene, die vor etwa 650.000 Jahren endete, kam nach heutigen Erkenntnissen sogar bis nach Korschenbroich. Daher sind die später eingeschlagenen Meteoriten auch nicht glatt gehobelt.

Eine Besonderheit in der Stadt ist der Liedberg mit seinem Sandgestein und Quarzit. Es war das Meer, das vor etwa 37 Millionen Jahren diesen Sand staute, als es bis nach Köln vordrang. “Der Liedberg wurde in der vor 650.000 Jahren beendeten Eiszeit vom Inlandeis freigehobelt,” vermutet Waldmann.

Der Geologe hat die Gesteine in seiner Umgebung seit Jahren genau beobachtet. Inzwischen hat er mehr als 10.000 Stücke in Kisten gesammelt, um zu dokumentieren, welche Gesteine am südlichen Niederrhein gefunden werden können. Darunter sind auch die ungewöhnlichen Relikte aus dem Weltraum. Der Geologe informierte Kollegen von seinen Funden, so dass die Dokumentation ein Gemeinschaftswerk wurde. Außer Georg Waldmann sind das Friedel Herten, Michael Hiltl und Kord Ernstson, Professor für Impaktforschung, also das Aufspüren von Meteoriten oder anderen Objekten aus dem Weltall. Auf einer Wissenschaftskonferenz im amerikanischen Houston wurden die Funde Waldmanns vorgestellt. Denn es sind ungewöhnliche Entdeckungen. Die Forschung steht noch ganz am Anfang. Für Georg Waldmann sind etwa die vielen Wasserschlösser in der Region durchaus Hinweise auf Einschlagsergebnisse. “Die meisten Schlösser liegen erhöht auf einer Kuppe, von Wasser umgeben. Aus größerer Entfernung gesehen, sind das runde Löcher, die Kuppen könnten bei einem Meteoriteneinschlag entstanden sein.”

“Wo das Gestein genau herkommt, können wir noch nicht sagen”, meint Waldmann. Die meisten bisher auf der Erde gefundenen Meteoriten sind Bruchstücke aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Aber ihren Ursprung könnten die von Waldmann gefundenen Objekte auch auf Mond oder Mars haben. Wenn nämlich dort ein Gestein aufprallt, entstehen Splitter, die zuweilen von der Erde aufgefangen werden. Die meisten Meteoriten verglühen aufgrund ihrer Größe in der Atmosphäre, manche kommen durch und landen zumeist im Meer. Jedes Jahr werden – allerdings nur wenige – Einschläge auf der Erde wahrgenommen. Großen Schaden richtet ein Meteorit nur selten an. Deshalb muss auch niemand die Angst des Häuptlings Majestix aus den Asterix-Comics haben, dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte.

Quelle:
Friedhelm Ruf, NGZ 24.4.2018, Korschenbroich, Wie der Meteorit ins Pferdsbruch kam

Neugierig geworden?!? Hier gibt es weitere interessante Informationen zum Thema:

www.niederrheinimpakt.de/

www.faz.net/aktuell/wissen/weltraum/sensationsfunde-zwei-neue-meteoriteneinschlaege-entdeckt-15545733.html

Eine Kurzübersischt der in Texas am 23. März 2018 von Dr. Georg Waldmann und seinen Kollegen vorgestellten Ergebnisse finden Sie hier:
(in Englisch)

Lunar & Planetary Science Conference (LPSC) 19. – 23. März, 2018, The Woodlands, Texas, USA – Poster Präsentationen über neue Impakte

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