Software zur Beschriftung von Personen auf Fotos

Fast jede Familie hat in seinen Fotoalben oder in den sogenannten „Fotokisten“ z. B. alte Hochzeitsfotos mit unzähligen Personen darauf. Nach ein bis zwei Generationen geht das Wissen über die Personen jedoch in der Regel verloren. Daher unsere Empfehlung: Sichern Sie die Informationen über Namen etc. auf Kopien mittels Beschriftung oder komfortabel per Software auf Bildkopien.

In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein oder die Dokumentation von Personen auf Fotos mittels Software zu informieren.

Bei dem nachfolgenden Foto handelt es sich um ein Schulfoto vom Einschulungsjahrgang 1917 aus der Schule Elsen. Hiervon ist lediglich eine Person bekannt. Vielleicht erkennt ja jemand seinen Großvater oder seine Großmutter? Hinweise werden gerne angenommen.

Letzter jüdischer Zeitzeuge aus Grevenbroich verstorben

In Erinnerung an Fritz (Fred) Stern

Grevenbroich 18.9.1923
26.12.2021 Corona del Mar/CA USA

Fred Stern 2014 vor dem Fotoalbum, das er 1938/39 kurz vor seiner Emigration anlegte.

Fritz Stern wurde am 18. September 1923 in Grevenbroich geboren und besuchte von 1933 bis 1936 das Realprogymnasium, die Vorläuferschule des Erasmus-Gymnasiums. Seine Familie war jüdischen Glaubens und wohnte seit Generationen in Grevenbroich. Sie war sehr angesehen und vielfältig im Stadtleben engagiert, vor allem seine Großeltern Lazarus & Julie Goldstein sowie sein Großonkel Jacob Goldstein: Bei der Gründung der Höheren Bürgerschule 1861 (der damalige Name des heutigen Erasmus-Gymnasiums), in der Freiwilligen Feuerwehr, bei der Gründung des Roten Kreuzes, bei der Versorgung von Veteranen des Ersten Weltkriegs, mit der Gründung eines Lesevereins und im Leben der jüdischen Gemeinde Grevenbroich. Unter anderem übereignete er auch mit seinem Bruder der jüdischen Gemeinde das Grundstück mit der Synagoge in der Innenstadt – den heutigen Synagogenplatz.

Fritz Sterns Vater, Julius Stern, nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde als Frontkämpfer ausgezeichnet, bevor er Martha Goldstein heiratete.

Jacob Goldstein war ein angesehener Religionslehrer, Mitgründer und über Jahrzehnte einer der prägenden Persönlichkeiten der „israelitischen Lehrerkonferenz für Westfalen und die Rheinprovinz – einige Jahre sogar als Lehrer an der Höheren Bürgerschule!

Die nationalsozialistische Ideologie und insbesondere der seit 1933 zur Staatsdoktrin aufgewertete Antisemitismus war auch im Realprogymnasium deutlich spürbar. Aufgrund diverser antisemitischer Vorfälle auch an der Schule bis 1936 verließ Fritz Stern das Realprogymnasium gegen den Willen seines Vaters, der seinem Sohn trotz allem die bestmögliche Bildung angedeihen lassen wollte. Fritz beendete das Schuljahr auf der Jüdischen Oberschule in Düsseldorf, begann danach ebenda eine handwerkliche Ausbildung und bereitete sich auf die Emigration in die Vereinigten Staaten vor.

 Seine Familie hatte nach den brutalen Übergriffen im Zuge des Novemberpogroms der „Reichskristallnacht“ und anschließenden Inhaftierungen in das KZ Dachau, von denen auch Fritz Onkel Ludwig Goldstein und sein Vater Julius Stern betroffen waren,  den Entschluss gefasst, ihre langjährige Heimat zu verlassen.

2012 Fred Stern mit seinen Erinnerungen “Recollections from My Youth”

Fritz Stern war noch keine 15 Jahre alt, als er im Frühjahr 1939 zusammen mit seinen Eltern in die USA emigrierte und dort als Fred Stern ein neues Leben begann. Hier fand er für die nächsten acht Jahrzehnte eine neue Heimstätte, war beruflich erfolgreich und gründete eine Familie. Verheiratet war er in erster Ehe mit Hannelore (Bier), mit ihr hatte Fred drei Töchter, sein Sohn David verstarb als Kind bei einem tragischen Unfall. In zweiter Ehe war er seit 1972 mit der vor drei Jahren verstobenen Ann (Gerhard) verheiratet.

Den Kontakt zu seiner früheren Heimatstadt hatte Fred Stern nie verloren, fühlte sich ihr bis zuletzt verbunden. Bis in sein Alter bedauerte Fred Stern, dass ihm der Gymnasialabschluss in Deutschland unmöglich war. Im Senior Center seiner neuen Heimat Corona del Mar/Newport Beach nahm er regen Anteil an der „German Class“, außerdem engagierte er sich für die UCI (University of California Irvine).

Ann und Fred Stern 2009 am Erasmusgymnasium.

Im Jahre 2009 besuchte Fred Stern, wie er sich in den USA nannte, mit Hilfe der Bundes-Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, dem Förderverein des Erasmus-Gymnasiums auf Anregung des „Arbeitskreis Judentum“ im Geschichtsverein zuletzt seine Heimatstadt Grevenbroich und auch seine ehemalige Schule, um Schülerinnen und Schülern von seiner Biographie zu berichten. Auch die Gräber seiner in Grevenbroich ansässigen Vorfahren besuchte er gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern auf dem jüdischen Friedhof in Grevenbroich.

Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Judentum um den heutigen Geschichtsvereinsvorsitzenden Ulrich Herlitz warb er im Rahmen seines Besuches 2009 erfolgreich im Rat  der Stadt Grevenbroich für die Verlegung von Stolpersteinen in Grevenbroich  durch Gunter Demnig. Auch für seine Großeltern Lazarus & Julie Goldstein, seine Großtante Julie Goldstein und seinen Onkel Ludwig Goldstein, ebenfalls Abiturient am Progymnasium (1912), wurden daraufhin Stolpersteine am früheren großväterlichen Anwesen auf der

Stolpersteine Familie Goldstein Lindenstr. 27

Lindenstraße 27 verlegt. Mittlerweile ist die 9. Stolpersteinverlegung mit Gunter Demnig für dieses Jahr in Planung, in deren Rahmen auch ein Stolperstein für die ehemalige Schülerin (Höhere Mädchenschule) und Groß cousine von Fritz Stern, Grete Goldstein, verlegt werden soll.

Ulrich Herlitz verfasste einen Aufsatz zu Fritz Stern und seiner Familie in der Festschrift zum 150. Gründungstag des Gymnasiums. Gemeinsam mit dem Geschichtsverein und Geschichtslehrer Martin Lönne wurden pädagogische Arbeitsblätter zu seiner Familie sowie eine Arbeitsmappe zu den Stolper-steinen der Familie Goldstein erarbeitet, die bis heute genutzt werden.

Zurzeit beschäftigen sich zwei Kurse Geschichte mit den Lehrern Till Krewer und Peter Cwik am Erasmusgymnasium mit Fritz „Fred“ Stern und bereiten einen Projekttag zu ihm und seiner Familie anlässlich des Holocaustgedenktages vor.

Am 26. Dezember 2021 verstarb der ehemalige Schüler Fritz Stern im Alter von 98 Jahren in seiner Heimat Corona del Mar / Newport Beach, Kalifornien. Um ihn trauern seine drei Töchter Julie, Peggy und Barbara mit ihren Familien.

Mit Fred Stern ist die Stimme eines der letzten Zeitzeugen und Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung in Grevenbroich, aber auch einer der ältesten, seit mehreren Generationen ansässigen Familien Grevenbroichs endgültig verstummt. Nun liegt es umso mehr auch an uns, seine Familiengeschichte und die der nationalsozialistischen Zeit in Grevenbroich sowie der Grevenbroicher Holocaustopfer zu erzählen. Auch die Schulgemeinde des Erasmusgymnasiums will sich der Erinnerung an ihren ehemaligen Schüler Fritz Stern in besonderem annehmen.

Viele seiner Briefe und Nachrichten endeten mit Fred´s Gruß an seine frühere Heimatstadt, nun ist es an uns, uns von ihm zu verabschieden mit einem letzten Gruß: „Tschüss Fritz“!

Ulrich Herlitz
Arbeitskreis Judentum / Geschichtsverein Grevenbroich

Dr. Michael Collel
Schulgemeinschaft des Erasmusgymnasium

Eckard Cwik
 Verein der Förderer und Freunde des Erasmusgymnasiums

 

 

 

Standesamtsregister Zons, Nievenheim und Dormagen

Unser neues Projekt:

Der Arbeitskreis Familienforschung im Geschichtsverein Grevenbroich konnte in Zusammenarbeit mit dem Archiv im Rhein-Kreis Neuss und der Stadt Dormagen ein neues Projekt starten.

Hierzu wurden uns von den Kooperationspartnern kurz vor Weihnachten mehr als 60.000 Digitalisate aus den ehemaligen Standesämtern Zons, Nievenheim und Dormagen zur Verfügung gestellt:

– Geburtsurkunden 1798 – 1904

– Heiratsurkunden 1798 – 1934

– Sterbeurkunden 1798 – 1984

Diese werden nun von 12 Mitgliedern erfasst und sukzessiv in unsere Datenbank überführt, so dass wir wohl spätestens im Frühsommer auch über diesen Teil des Kreises umfassend Auskünfte in unseren Sprechstunden geben können.

In den letzten 14 Tagen konnten so bereits mehr als 5.000 Urkunden erfasst werden.

Ahnenforschungsprogramme

Karteikarten, Excel, Word oder gleich ein Ahnenforschungsprogramm?

Viele Anfänger in der Ahnenforschung sind oft verwundert, wenn wir fragen mit welchem Programm sie denn arbeiten. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass auch Neulinge in der Ahnenforschung in der Regel relativ schnell eine große Anzahl von Verwandten finden und dann mit der Darstellung, Erfassung etc. den Überblick verlieren.

Daher unsere Empfehlung: Von Anfang an ein Ahnenerfassungsprogramm zu benutzen, denn gute Programme gibt es auch kostenlos. Außerdem kann man damit ganz tolle und jederzeit aktualisierbare Auswertungen bzw. Stammbäume drucken.

In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein oder die verschiedenen Ahnenforschungsprogramme zu informieren.

 

„Peng“, „Oralon“ und „Esha-Kola“: Die Fanta und Coca-Cola von Grevenbroich.

Oder wie nach 50 Jahren ein Kronkorken nach Grevenbroich zurückkehrt.

Ein Beitrag von Stefan Faßbender im Geschichtsverein Grevenbroich.

Dank eines aufmerksamen Familienforschers aus dem Geschichtsverein für Grevenbroich und Umgebung e. V. konnte ich einen seltenen Limonaden Kronkorken der Marke „Peng“ ersteigern, der so nach über 50 Jahren wieder in seine Heimatstadt Grevenbroich zurückkehrte.

Seine Reise begann vor dem Jahr 1970, denn in diesem Jahr wurde die Produktion der „Peng“ Limonade in Grevenbroich eingestellt und die letzten Flaschen verkauft. Doch dieser Kronkorken landete nicht wie üblich im Müll, sondern wurde von jemandem aufbewahrt. Diese Person las 1974 eine Zeitungsanzeige (TV Hören und Sehen), in der eine Mutter für Ihren schwerkranken Sohn um die Zusendung von Kronkorken bat. So kam es, dass der Junge tausende Kronkorken, Kuscheltiere und Liebesbriefe von kleinen Mädchen ins Krankenhaus Wangen geschickt bekam. Es waren so viele Päckchen, dass ein separates Zimmer eingerichtet wurde, in dem die kleinen Patienten gemeinsam die Post öffneten und die Kronkorken aus ganz Deutschland und dem Ausland sortieren konnten. Diese Art der Ablenkung hat dem Jungen sehr geholfen seine Krankheit zu überwinden, so dass er sich heute bester Gesundheit erfreut und seine riesige Sammlung Stückweise verkaufen kann.

Vielleicht erinnert sich noch ein(e) Grevenbroicher(in) daran, diesen Kronkorken einst versendet zu haben?!

Fest steht, dass dieser kleine Kronkorken bereits zwei Menschen „glücklich“ gemacht hat. Den kleinen Jungen bei der Zusendung und fünfzig Jahre später mich, der als Familienforscher natürlich auch solche Erinnerungsstücke sammelt. Vielleicht macht er aber auch Sie glücklich?! Wenn Sie sich wieder daran erinnern bzw. erfahren, dass in Grevenbroich einst Limonaden hergestellt und abgefüllt wurden.

Begonnen hat die Firmengeschichte meines Großvaters Wilhelm Faßbender im Jahre 1929. Laut einem Eintrag im Biersteuerkontrollbuch aus dem Jahr 1934 (Quelle: Stadtarchiv Grevenbroich) wurde mein Großvater als Kutschenbierhändler bezeichnet.

Das erste Auslieferungsfahrzeug in den 1930er Jahren.

Vermutlich Erntedankfestfeier in Grevenbroich in den 1930er Jahren.

Bis zum Beginn des Krieges wurden die eigenen Limonaden und das Bier nur in kleinem Rahmen für Selbstabholer und einige Gaststätten in der Innenstadt hergestellt bzw. abgefüllt. Nach dem 2. Weltkrieg baute mein Großvater neue Lager- und Abfüllhallen in denen er – auf dem aktuellsten Stand der damaligen Technik – die Limonadenproduktion in der Grevenbroicher Innenstadt erweiterte, um der gestiegenen Nachfrage nachkommen zu können.

Mein Urgroßvater bei der “Vorwäsche” des Leerguts in den 1950er Jahren.

Mein Urgroßvater und Onkel im Abfüllraum in den 1950er Jahren.

Ein Onkel von mir bei der Reinigung des Abfüllraumes im Jahr 1961.

Es war ein reiner Familienbetrieb, in dem selbst mein Urgroßvater mitarbeiten „musste“. Aber auch viele Südstädter Jugendliche (Freunde meines Cousins) halfen – gegen Bezahlung in „Frei-Limonade“ – beim Reinigen der Limonadenflaschen.

Mein Großvater bei der Qualitätskontrolle in den 1950er Jahren.

Teil eines Lagerraumes in den 1950er Jahren.

Neben der Marke „Peng“ wurde auch noch die Limonade „Oralon“, beide in den Geschmacksrichtungen Zitrone und Orange, die Limonade „Weiße Perle“ (leider kein Bild mehr vorhanden) als auch „Esha-Kola“ hergestellt und abgefüllt.

Werbeplakat aus den 1960er Jahren.

Original Werbebanner aus den 1960er Jahren (ca. 3 m x 1 m).

Aus vielen Familienerzählungen weiß ich, dass wegen der Vielzahl der Sorten und um der Nachfrage aus dem gesamten Kreisgebiet gerecht zu werden, die Produktion jeden Tag gewechselt wurde. Neben der Produktion der Limonaden gehörte auch die Abfüllung von Malzbier und diversen Biersorten zum täglichen Geschäft.

Firmenfahrzeug mit der Werbung “Oralon” im Jahr 1961.

Firmenfahrzeug (Ende der 1960er Jahre) an der BP auf der Lindenstraße.(Danach Reiterhof Flaß; heute Neubaugebiet.)

Mit dem Tod meines Großvaters Wilhelm Faßbender im Mai 1970 wurde die Produktion von Limonaden bzw. Cola und die Abfüllung von hellen Bieren und Malzbier endgültig eingestellt. Ein weiterer mir bekannter Hersteller von Limonaden war die Firma Preckel in Hemmerden, die ihre Produktion von alkoholfreien Getränken bereits im Jahre 1964 einstellte.

Bügelverschlüsse (Bierflaschen) aus unbekannter Zeit.

Familienchroniken

Die Ahnenforschung kann vielmehr als nur die Sammlung von Namen und Daten sein. Durch das Beifügen von Bildern, Geschichten, Anekdoten und vielen weiteren Unterlagen bildet sie das Gedächtnis der Familie.

Oft geraten viele Ereignisse, Geschichten und zum Teil die Personen selbst bereits nach zwei Generationen in Vergessenheit. Dieses Wissen über die Familie ist dann für immer unwiederholbar verloren.

In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein oder das Schreiben einer Familienchronik zu informieren.

 

 

Die Bombennacht vom 14. Januar 1945

Am 23. November 2021  wurde in Grevenbroich-Orken eine 250 Kilogramm Fliegerbombe erfolgreich entschärft. Die amerikanische Sprengbombe wurde auf dem Kirmesplatz in rund 6 Meter Tiefe gefunden.

Quelle: Stadt Grevenbroich

Das in Orken auch heute noch Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden, ist keine Überraschung. Durch die unmittelbare Nähe zum Grevenbroicher Bahnhof war Orken in besonderer Weise von den schweren Luftangriffen der Jahre 1944/45 betroffen.

Anfang 1945 war der Bahnhof in Grevenbroich der westlichste Eisenbahnknotenpunkt im Deutschen Reich. Alleine im Januar und Februar 1945 flogen englische und US-amerikanische Bomber insgesamt 7 Angriffe auf Grevenbroich.

Den wohl schwersten Angriff flog die Royal Air Force am 14. Januar 1945 mit 151 Bombern.

In der Bombennacht vom 14. Januar 1945 gab es in Grevenbroich-Stadtmitte nachweislich und dokumentiert insgesamt 29 Tote durch Bombenverletzungen. Davon entfielen 21 Tote auf die Richard-Wagner-Straße, Schillerstraße und Noithausener Straße. Unter den Toten dieser Straßen waren 9 Kinder zwischen 5 und 16 Jahren.

In der Elfgener Schulchronik hielt der Lehrer Matthias Braß, welcher diesen Angriff hautnah erlebt hatte, seine Erinnerungen wie folgt fest:

“Gegen 19.30 Uhr wollte ich nach Hause gehen und wurde von Fliegeralarm überrascht. Vor den fallenden Bomben habe ich mich in den Schnee geworfen, während 20 Minuten lang vor mir und um mich die Bomben krachten. Immer wieder blitzte es über mir auf, immer wieder rauschten pfeifend Bomben, dann bebte die Erde von den Aufschlägen, und dann krachte es erregend. Die Mehrzahl der Bomben ging in der Nähe der Bahn nieder. Bahnhof, Finanzamt, Elektrizitätswerk, eine Reihe Häuser wurden zerstört, andere beschädigt. 35 Menschen wurden getötet. Ich habe in Todesangst geschwebt und wurde zu Hause angstvoll zurück erwartet.“

Hinweis: Die Differenz von 6 weiteren toten Grevenbroichern, die vom Lehrer genannt wurden,  konnte bisher nicht geklärt werden. Dies kann daran liegen, dass der Sterbefall z. B. in einem gemeindefremden Krankenhaus stattfand und dieser außerhalb der Stadt Grevenbroich dokumentiert wurde. Vielleicht wurden die Sterbefälle – geschuldet der damaligen Zeit mit vielen Bombenangriffen und Toten oder dem Fehlen von Familienangehörigen – auch einfach nicht dem Standesamt gemeldet und registriert. 

Am 3. Februar 1945 beschrieb der Lehrer Matthias Braß die Zerstörungen in Orken so:

“Von der Elsener Schule ab fuhr ich durch die Ruinen von Orken. Kaum ein bewohnbares Haus. Bis zur Unterführung bei Noithausen erstreckten sich die Bombentrichter. Die Trichter sind klein, doch ist die Sprengwirkung sehr stark.“

Noch heute kann man die Auswirkungen dieser Bombardierung an Hand der vielen Bombentrichter, die sich im angrenzenden Waldgebiet erhalten haben, sehen.

 

Stolpersteinführung Bahnhofsviertel Familie Katz

Im Bahnhofsviertel wurde um 1900 die Familie von Abraham Katz auf der Bahnstraße 79 heimisch. Gemeinsam mit seiner Frau hatte er vier Söhne und vier Töchter. Die Söhne waren wie ihr Vater im Viehhandelsgeschäft, die Tochter Johanna war in den Christen Adolf Rings verliebt und lebte mit ihm auf der Orkenerstraße 27. Am Ende der Straße wohnte auch Alex Katz mit seiner Ehefrau Elfriede geb. Voss und den beiden Kindern Walter und Lieselotte. Während die Kinder 1937/38 emigrieren konnten, blieben Alex und Elfriede in Grevenbroich. Nach dem Novemberpogrom der “Reichskristallnacht” mussten sie Grevenbroich verlassen und flohen über Köln nach Belgien und Frankreich. Von dort wurden sie am 2. September 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Johanna Rings geb. Katz überlebte – zuletzt versteckt und trotz aller Verfolgungen – in der “privilegierten Rassenmischehe” mit Adolf Rings, der sich immer zu ihr bekannte. Anhand der Stolpersteine im Bahnhofsviertel ging Ulrich, Vorsitzender des Geschichtsverein Grevenbroich, am 5. November 2021 der Familienbiographie der Katz-Familie nach! 

     
 
     
 

Kleine Geschichte großer Geschäfte

Gottschall Katalog 1950er Jahre. Eigene Toiletten oder gar Badezimmer mit Badewanne waren damals noch purer Luxus.

In einem kurzweiligen Vortrag ging Fritz Hollweg, 1988 bis 2015 geschäftsführender Gesellschafter des Großhandelshauses für Haustechnik Gottschall & Sohn, auf die Geschichte der Toilette, Hygiene und sanitären Einrichtungen ein. Angefangen von biblischen Zeiten über die Römer, das Mittelalter bis in die Jetztzeit wurde die Toilettengeschichte in Bildern, mit fundiertem Fachwissen und Informationenlebendig. 

Ein gut besuchter Vortrag mit einem begeistertem Publikum dankten dem im Ruhestand befindlichen  “Kloverkäufer”
Fritz Hollweg für seine Ausführungen.

Auch die NGZ berichtete in ihrer Ausgabe vom 23. Oktober 2021…

Ein Bericht der NGZ zu Fritz Hollweg und der Firma Gottschall & Sohn aus dem Jahr 2010 gibt es hier…

Nach fast 80 Jahren ein kleines Stück Gewissheit…

Die Geschichte von Ignaz und seiner Familie aus Elfgen. Ignaz wurde am 17.09.1905 in Elfgen geboren und starb am 25.11.1944 im Alter von nur 39 Jahren am Südostrand des Matragebirges in Ungarn. Er hinterließ seine Frau Theresia und drei Kinder im Alter von 4, 8 und 14 Jahren.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

Am „Südostrand des Matragebirges“. Dieser Begriff brannte sich über fast 80 Jahre bei unserer Zeitzeugin ein. Da sie bei dem Tod ihres Vaters erst vier Jahre alt war und sich nicht mehr an ihn erinnern kann, verfolgte diese Ortsangabe und das fehlende „Wissen“ über ihren Vater, sie ein Leben lang. Für das Netzwerk „Grevenbroicher Kriegstote“ öffnete sie aber ihre „Schatzkiste“, welche sich seit Jahrzehnten im Familienbesitz befindet.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

Bei der Durchsicht der Unterlagen fielen die vielen sorgfältig gefalteten Feldpostbriefe, die Ignaz an seine Frau schickte, auf. Feldpostbriefe wurden oft so gefaltet, dass sie gleichzeitig den Umschlag bildeten.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

Während unseres Gespräches erzählte uns die Zeitzeugin, dass sie eigentlich nichts über ihren Vater weiß und sie gerne wüsste, ob er sie auch „lieb“ gehabt hatte und wie er über die Familie empfunden hatte. Über ihn wurde in der Familie nur sehr wenig bis gar nicht gesprochen. Vermutlich nicht, weil er ein schlechter Mensch war, sondern weil es in der Nachkriegszeit vielfach einfach so üblich war, die Toten „ruhen“ zu lassen. Außerdem waren viel drängendere Probleme wie Arbeitssuche, Nahrungsbeschaffung und Wohnungssuche als alleinerziehende Mutter zu bewältigen.

Traurigerweise stellte sich heraus, dass unsere Zeitzeugin über viele Jahre versucht hat, diese vielen Briefe ihres Vaters zu entziffern, um etwas über ihn und seine Beziehung zur Familie zu erfahren. Die Mischung aus Sütterlin und Deutscher Volksschrift machten es ihr aber unmöglich. Hierbei konnten wir der Dame jedoch helfen. Die Feldpostbriefe wurden fotografiert und danach Zeile für Zeile transkribiert. Nur wenige Tage später konnte unserer Zeitzeugin eine Mappe mit den Fotos und der Transkription übergeben werden, die sie mit einem weinendem und einem lächelnden Auge entgegennahm. An dieser Stelle möchten wir uns für das entgegengebrachte Vertrauen, uns private Post ihres verstorbenen Vaters zur Verfügung zu stellen, zutiefst bedanken. Eine Stelle aus diesen Briefen dürfen wir veröffentlichen, da sich mit ihr, eine jahrzehntelange Last vom Herzen unserer Zeitzeugin löste. Sie wurde im letzten Brief des Vaters vom 15.11.1944 – also 10 Tage vor seinem Tod – gefunden:

„Und dann habe ich die Karte von meinem kleinen Liebling erhalten, welches mich am meisten gefreut hat und wenn ich mal wieder nach Hause komme, kriegt es auch von mir ein schönes Namenstaggeschenk, jetzt kann ich ja nichts schicken, ich habe noch etwas Bonbons, aber ich kann die nicht schicken.“

Hierzu ist es leider nie gekommen, da Ignaz am 25. November, dem Tag an dem unsere Zeitzeugin ihren Namenstag feiert, gestorben ist. Für sie war es aber sehr wichtig zu erfahren, als kleiner Liebling bezeichnet zu werden und dass er an sie gedacht hat. Die Zuneigung zur Ehefrau Theresia und den beiden Söhnen war – trotz der schwierigen Verhältnisse und Geschehnissen im Kriegseinsatz – in allen Briefen zu lesen.

Mit diesem Wissen, welche Last viele Menschen in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit oder auch ein ganzes Leben mit sich tragen mussten, wirkt das offizielle Schreiben der Wehrmacht über den Tod wie der blanke Hohn.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

“Stabsveterinär Vogel                                                                 Im Felde, 14.12.44

– 43 988 –

Sehr geehrte Frau xxxxxxxxxxxx,

bei den Abwehrkämpfen am Südostrand des Matragebirges in Ungarn wurde Ihr Ehemann – der Gefreite Ignatz xxxxxxxxxxx – am 24.11.44 schwer verwundet und erlag am 25.11. auf einem Hauptverbandplatz seinen Verwundungen.

Im Kampf um die Freiheit Großdeutschlands in soldatischer Pflichterfüllung, getreu seinem Fahneneid für Führer, Volk und Vaterland starb er den Heldentod.

Zugleich im Namen seiner Kameraden spreche ich Ihnen meine wärmste Anteilnahme aus. Die Kompanie wird Ihren Mann stets ein ehrendes Andenken bewahren und in ihm ein Vorbild sehen.

Die Gewissheit, dass Ihr Mann für die Größe und Zukunft unseres ewigen deutschen Volkes sein Leben hingab, möge Ihnen ein Trost sein in dem schweren Leid, dass Sie betroffen hat, und Ihnen Kraft geben.

Ihr Mann erhielt einen Kopfschuss und hat das Bewusstsein nicht wiedererlangt. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem Heldenfriedhof Salgotarjan (Ungarn) beigesetzt. (Grabanlage: Feld A, 5. Reihe, 3. Grab.)

In allen Fürsorge- und Versorgungsfragen wird Ihnen das zuständige Versorgungsamt, dessen Standort bei jeder militärischen Dienststelle zu erfragen ist, bereitwilligst Auskunft erteilen. Auch ich stehe Ihnen weiterhin gern zur Verfügung.

In aufrichtigem Mitgefühl grüße ich Sie mit

                               Heil Hitler!

                               Wilfried Vogel

                               Stabsveterinär u. Komp. Fhef”

Diese Nachricht muss die Familie vermutlich Anfang Januar 1945 erreicht haben. Die Zeitzeugin erzählte von der Begebenheit wie die Nachricht übergeben wurde, die sich wie der Begriff „am Südostrand des Matragebirges“ in ihre Erinnerungen „eingebrannt“ hat. „Ich stand mit meiner Mutter im Garten. Wir beide sahen einen Mann schweren Schrittes die Straße hinaufkommen. Da wusste meine Mutter, dass ihr Mann, mein Vater gestorben war.“ Wie schwer auch die Übermittlung solcher schlimmen Nachrichten war, ist der Schulchronik Elfgen zu entnehmen, wo der Lehrer Brass genau den Tag davor beschreibt:

„2.1.45 Hubert xxxxxx und Ignaz xxxxxx gefallen.

Zellenleiter Franz xxxxxx zeigte mir soeben die Nachricht vom Heldentode des Bauers Hubert xxxxxx und des Straßenwärters Ignaz xxxxxx. Beide sind verheiratet und hinterlassen je 2 bzw. 3 Kinder. Ich bin erschüttert. Zellenleiter xxxxxx, der die Nachricht überbringen muss, will bis morgen warten. Auch er scheut den schweren Weg zu den Angehörigen. Hubert xxxxxx fiel in Kurland. Er starb am 9.12.44 im Feldlazarett an den Folgen der am 7.12. erlittenen schweren Verwundung. Ignaz xxxxxxx ist in Ungarn gefallen.“ Quelle: Schulchronik Elfgen, Stadtarchiv Grevenbroich.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021

Mit ein wenig Recherche konnten wir die Friedhofsanlage ausfindig machen und unserer Zeitzeugin sogar Bilder vom Grab ihres Vaters und der Gesamtanlage überreichen. Das Grab von Ignaz befindet sich heute in der Nähe von Budapest auf dem größten Soldatenfriedhof in Ungarn, der sowohl deutschen als auch ungarischen Soldaten als letzte Ruhestätte dient.

Wir danken der Zeitzeugin für das entgegengebrachte Vertrauen gegenüber dem Netzwerk „Kriegstote Grevenbroich“. Ebenso danken wir besonders für die Unterlagen, Informationen und den „Mut“ uns an einem Teil ihrer Familiengeschichte teilnehmen zu lassen. Auf Wunsch der Zeitzeugin wurde der Nachname der Familie in den Bildern entfernt, was wir uneingeschränkt respektieren.

Wir hoffen, mit diesem kleinen Beitrag viele Grevenbroicher zu erreichen, die uns bei dem Netzwerk „Kriegstote Grevenbroich“ unterstützen möchten und uns ebenfalls Bilder, Informationen und Geschichten zur Verfügung stellen.

Foto: © Stefan Faßbender, 2021