Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war in Grevenbroich der wohl bedeutendste Jahrmarkt der “Laetare”-Markt. Er war nebem dem Laurentius-Markt im August und dem Hubertusjahrmarkt Anfang November der dritte Grevenbroicher Jahrmarkt, jeweils verbunden mit einem Viehmarkt.
Breitestraße um 1890 – die 1899 erbaute Pfarrkirche fehlt noch. Wegen ihrer Breite war die Straße immer attraktiv für Veranstaltungen. (Postkarte Slg Herlitz)
Der Laetare-Markt wurde während der Fastenzeit am Sonntag „in der halben Fasten“ gehalten, verbunden mit einem an den beiden folgenden Wochentagen stattfindenden großen Viehmarkt. Der Laetare-Sonntag war dabei wahrlich ein besonderer Anlaß. Als Halb- oder Mittfastensonntag war er vom Fasten ausgenommen. Das Motto „Laetare“ – „Freu´dich, Jerusalem“ – war der Sonntagsliturgie entnommen und verhieß den Gläubigen schon die österliche Freude, die im Laetare-Jahrmarkt ihr weltliches Pendant als Anlaß zu ausgelassenem Jubel und Trubel fand.
Jahrmarktsverzeichnisse aus unserer Region ergeben ein Bild von den feilgebotenen Waren. Es handelte sich um „Faßbinderwaren, Kurzwaren, Ellenwaren, Blech- und Eisenwaren, Messer, Porzellan, Schuhe, Hüte, Seil, Strümpfe, Mausefallen, Zinnwaren, Spielzeug, Mützen, Birnen, Kämme, Holzpferde, Tabak, „Bildcher“, „Bettbücher“, „Frauenkappen“ und alte Kleider“. Auf dem Viehmarkt wurden Geschäfte gemacht, die besiegelt und gefeiert werden wollten.
War der Marktbesuch bereits aus diesen Gründen nicht alltäglich, war er den Menschen, die sich für die Kirche eigens zurechtgemacht hatten, auch Anlaß, am Sonntag „Staat“ zu machen.
Der Bezug auf “Bildcher” und “Bettbücher” im Jahrmarktsverzeichnis nimmt dabei noch Bezug auf die kirchlichen Wurzeln, wurden doch Heiligenbilder oder Bilder mit biblischen Szenen neben Gebetbüchern und religiöser Erbauungsliteratur feilgeboten.
Bereits um die 1840er Jahre hatte sich die drei ursprünglich mit kirchlichen Festen verbundenen Jahrmärkte jedoch fast völlig von seinen kirchlichen Wurzeln gelöst, so dass ab 1845 auch die Düsseldorfer Regierung wegen des zunehmend weltlichen Charakters die Sonntagsmärkte “nach und nach” abschaffte, nur der Laetare-Markt durfte wegen seiner Bedeutung zunächst noch am Sonntag abgehalten werden, aber nicht mehr der damit verbundene zweitägige Viehmarkt.
Der Heimatforscher Jakob Hubert Dickers schilderte 1912 den Reiz des Jahrmarktes, den der Halb-Fastenmarkt schon “seit alters her” ausmachte: „Die Krambuden standen auf der Straße hinter der Erftbrücke bis weit die Kölnerstraße hinauf. Außerdem fanden sich Kunstreiter, Seiltänzer, Stelzenläufer und Kölner Hänneschen-Theater ein, die mit ihren trag- und fahrbaren leinenumspannten Kasten von einer Stelle zur anderen zogen. In den Toreingängen waren vollständige Manufakturwarengeschäfte eingerichtet. In der Breiten Straße befand sich damals eine alte Wirtschaft „Im Schwan“ mit Toreingang, wo die fahrenden Künstler, die Kameltreiber, Bärenführer mit ihren Tieren sowie der sogenannte reisende “Pöngel” herbergten.“ Auf dem Grundstück am Steinweg, auf dem später das Lichtschlagsche Haus erbaut wurde, sollte sich bald das erste “Karussell“ gedreht haben.
In einer eher seltenen Jahrmarkts-Anzeige aus dem Grevenbroicher Kreisblatt vom 29. März 1857 werden von der Firma Hannen neben “Pfeiffenwaren” (Tabakwaren) auch Galanterie- und Kurzwaren feilgeboten. “Galanteriewaren heißen die zum Putz und Schmuck gehörenden Luxusartikel, mit Ausnahme der Schnittwaren, als seidene Bänder, kleine Tücher, Fichus, Handschuhe, Fächer, Bijouteriewaren, Dosen, seine Gegenstände aus Gußeisen, Bronze, Zink, Neusilber, Leder, Holz, Elfenbein, Hartgummi, Knochen, Zelluloid, Glas, Blech u. dgl., also etwa gleichbedeutend mit Kurzwaren (s.d.). Die Franzosen, die den Ausdruck G. gar nicht kennen, sagen dafür: articles de nouveauté et de modes, objets de bijouterie, articles de Paris u. dgl.” so heißt es in Meyers Lexikon von 1907. Und der Begriff “Kurzwaaren” nahm Bezug auf den älteren, im 18. Jahrhundert gebräuchlichen Begriff „kurze Waren“. Dies war zunächst wörtlich zu verstehen, also Waren, die nicht mit der Elle gemessen werden, keine “Ellenwaren” – keine Ware am Laufmeter, wie damals üblicherweise Stoffe verkauft wurden. Es handelte sich vielmehr um Stück- oder Schüttgut, wobei sich das Adjektiv „kurz“ aber nicht unbedingt nur auf die Länge bezog, es konnte auch im Sinne von „klein“ gebraucht werden. Hierzu passte dann auch Heinens Werbung, gleich “mehrere tausend Stück” Tischmesser, Gabeln, Feilen und Bohren und “sonstige nützliche Sachen” anzubieten…
Zunehmend fanden sich auch Buden mit reinen Süßigkeiten (“Moppen”) bis hin zu Speiseeis auf dem Jahrmarkt wieder.
Letztlich durfte auch der Halbfastenmarkt Ende der 1850er Jahre nicht mehr am Sonntag abgehalten werden und wurde ebenfalls auf einen Mittwoch gelegt. Damit verlor er zunehmend an Bedeutung, zumal auch die stehenden Manufakturwarengeschäfte in der Stadt stetig zunahmen.
Die Schilderung Dickers macht auch deutlich, dass der Jahrmarkt sich nicht nur von seinen kirchlichen Wurzeln losgelöst hatte, sondern dass sich der reine Krammarkt zu einem regelrechten Volksfest entwickelte, in dem Schaustellungen und Volksbelustigung immer mehr in den Vordergrund und das Feilbieten von Kurz- und Galanteriewaren in den Hintergrund gerieten.
Eine 1894 erlassene Verordnung der Stadt Grevenbroich gibt ein Eindruck von den damals auf den Jahrmärkten vertretenen und zu versteuernden “Lustbarkeiten”: Bis zu 10 Mark mussten gezahlt werden für „Schaustellungen, z. Bsp. von Gymnastikern, Equilibristen, Ballett- und Seiltänzern, Taschenspielern, Zauberkünstlern, Bauchrednern, Panoramen, mechanischen Bühnen, Marionetten, Feuerwerken, Wachsfiguren-Kabinetten, sowie das Vorzeigen von fremden Tieren oder Kuriositäten, Museen etc“. Denselben Preis kostete eine Zirkus-Vorstellung oder ähnlich größere Schaubuden-Vorstellung, während Würfel- und Schießbuden mit 15 Mark pro Tag besteuert wurden.
Für das Aufstellen eines Karussells wurde ein gestaffelter Steuersatz erhoben, je nachdem, ob das Karussell „durch Menschenhand, durch Pferdekraft“ oder „durch maschinelle Kraft“ angetrieben wurde. Neben der herkömmlichen Schaukel wurden erstmals auch Schiffschaukel und russische Schaukel – das Riesenrad – extra besteuert.
Die in der Lustarbkeitssteuer genannten Schaustellungen fanden sich allerdings bald nur noch auf dem Anfang September an drei Tagen, einschließlich des Sonntags abgehaltene Kirmesjahrmarktes auf dem eigens dafür angelegten Schützenplatz GV Stadtmitte. Die Kirmes erfuhr immer mehr Zulauf, zumal sie mit dem Schützenfest des BSV 1849 Grevenbroich e.V. verbunden war. Zusammen mit den Schützenumzügen, den zahlreichen Bällen in den Gaststätten und dem Festzelt auf dem Schützenplatz war er nicht nur für die Grevenbroicher äußert attraktiv und zog auch darüber hinaus Publikum aus dem gesamten Kreisgebiet an…
Der Halbfastenmarkt hingegen wurde 1902 endgültig aufgehoben, allerdings hallte sein Ruf noch eine gewisse Zeit nach. 1911 machte der Bürgerverein Grevenbroich sich wieder für ein Wiederaufleben des Halbfastenmarktes stark. Vergeblich, auch wenn die Grevenbroicher Stadträte und selbst der Bürgermeister dies unterstützten – die Aufsichtsbehörden waren strikt gegen Jahrmärkte und Kirmessen eingestellt…
Laetare wird heutzutage nur noch in der Kirche gefeiert. Allerding gab es noch im vergangenen Jahr den (auch nicht umgesetzten) Vorschlag, pandemiebedingt ausgefallenen Karnevalsumzüge am Laetare-Sonntag nachzuholen…
Wollen Sie mehr über die Grevenbroicher Jahrmärkte, Kirmessen bis hin zur Entwicklung von Schützenfest und Kirmes, wie wir es noch heute am ersten Septemberwochenende feiern, erfahren?!? Dann empfehlen wir gerne den Aufsatz unseres Vorsitzenden Ulrich Herlitz in der Festschrift des BSV-Grevenbroich aus dem Jahr 1999 aus Anlass des 150-jährigen Vereinsjubiläums.
Das Thema „Entwicklung des Luftkrieges“ fesselte die Mitglieder und Gäste des Arbeitskreises mehr als 1,5 Stunden. Der Vortrag umfasste die Entwicklung des Zeitraums von 1914 bis 1945 und wurde von eindrucksvollem Bildmaterial und sowie Zitaten aus Schul- und Kirchenchroniken aus dem gesamten Kreisgebiet ergänzt. Aber auch die Betrachtung aus alliierter Sicht kam dabei nicht zu kurz.
Eindrucksvoll wurde der erste 1.000-Bomber-Angriff am 31. Mai 1942 auf Köln mit seiner Durchführung und den Auswirkungen auf die Bevölkerung dargestellt. Die Darstellungen von Statistiken über die Luftangriffe, der mehr als 2.000 Luftalarme auf unser Kreisgebiet und der Bau von Luftschutzanlagen auf unserem Kreisgebiet rundeten den Vortrag ab. Die Zahlendarstellung der zivilen Opfer durch Luftangriffe anhand eines Zeitstrahles während des 2. Weltkriegs beeindruckte die Zuhörer gerade im Hinblick auf den derzeitigen Krieg umso mehr.
Nachfolgend eine Übersicht aller Opfer durch Luftangriffe auf dem jetzigen Gebiet der Stadt Grevenbroich zwischen 1939 und 1945 getrennt nach deutschen und anderen Staatsangehörigen.
Der Arbeitskreis Familienforschung trifft sich monatlich zum Erfahrungsaustausch. Er lädt Interessierte herzlich ein, an den offenen Diskussionsrunden teilzunehmen, die eigenen Ergebnisse ihrer Familienforschung vorzustellen oder Vorträgen zu folgen.
Wer sich für die Ahnenforschung interessiert, wird früher oder später vor der Herausforderung stehen, handschriftliche Urkunden aus Kirchenbüchern oder Standesamtsregistern lesen zu wollen. Das gestaltet sich manchmal schwieriger als erwartet.
Aber wie bei allen Dingen im Leben gilt auch hier: Übung macht den Meister!
Hier der Text zu dem obigen Bild: “20. November 1768 Ist hier getraut worden Thomas Eheleibl Sohn des Seel Symon Luda Bauern auß Ringwitz, mit der Ehrbahren Magd Marianna Eheleibl Tochter des Thomas Prziklenk Bauer auß Pogorß”
Bei der verwendeten Schrift in älteren Urkunden handelt es sich meist nicht, wie oft fälschlich angenommen, um die nach seinem Erfinder Ludwig Sütterlin benannte Schrift. In den Kirchen und Amtsstuben der vergangenen Jahrhunderte war stattdessen u. a. die deutsche Kurrentschrift üblich.
Wer also bei der Ahnenforschung erfolgreich sein will, muss das Lesen ein zweites Mal erlernen, wird aber sicher mit manch spannender Entdeckung belohnt.
In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein zu informieren. Wir geben aber auch Hilfestellung beim Lesen von alten Urkunden, wenn Wörter mal nicht gelesen werden können oder zeigen wo man Schrifttafeln finden kann.
Fast jede Familie hat in seinen Fotoalben oder in den sogenannten „Fotokisten“ z. B. alte Hochzeitsfotos mit unzähligen Personen darauf. Nach ein bis zwei Generationen geht das Wissen über die Personen jedoch in der Regel verloren. Daher unsere Empfehlung: Sichern Sie die Informationen über Namen etc. auf Kopien mittels Beschriftung oder komfortabel per Software auf Bildkopien.
In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein oder die Dokumentation von Personen auf Fotos mittels Software zu informieren.
Bei dem nachfolgenden Foto handelt es sich um ein Schulfoto vom Einschulungsjahrgang 1917 aus der Schule Elsen. Hiervon ist lediglich eine Person bekannt. Vielleicht erkennt ja jemand seinen Großvater oder seine Großmutter? Hinweise werden gerne angenommen.
Grevenbroich 18.9.1923 26.12.2021 Corona del Mar/CA USA
Fred Stern 2014 vor dem Fotoalbum, das er 1938/39 kurz vor seiner Emigration anlegte.
Fritz Stern wurde am 18. September 1923 in Grevenbroich geboren und besuchte von 1933 bis 1936 das Realprogymnasium, die Vorläuferschule des Erasmus-Gymnasiums. Seine Familie war jüdischen Glaubens und wohnte seit Generationen in Grevenbroich. Sie war sehr angesehen und vielfältig im Stadtleben engagiert, vor allem seine Großeltern Lazarus & Julie Goldstein sowie sein Großonkel Jacob Goldstein: Bei der Gründung der Höheren Bürgerschule 1861 (der damalige Name des heutigen Erasmus-Gymnasiums), in der Freiwilligen Feuerwehr, bei der Gründung des Roten Kreuzes, bei der Versorgung von Veteranen des Ersten Weltkriegs, mit der Gründung eines Lesevereins und im Leben der jüdischen Gemeinde Grevenbroich. Unter anderem übereignete er auch mit seinem Bruder der jüdischen Gemeinde das Grundstück mit der Synagoge in der Innenstadt – den heutigen Synagogenplatz.
Fritz Sterns Vater, Julius Stern, nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde als Frontkämpfer ausgezeichnet, bevor er Martha Goldstein heiratete.
Jacob Goldstein war ein angesehener Religionslehrer, Mitgründer und über Jahrzehnte einer der prägenden Persönlichkeiten der „israelitischen Lehrerkonferenz für Westfalen und die Rheinprovinz – einige Jahre sogar als Lehrer an der Höheren Bürgerschule!
Die nationalsozialistische Ideologie und insbesondere der seit 1933 zur Staatsdoktrin aufgewertete Antisemitismus war auch im Realprogymnasium deutlich spürbar. Aufgrund diverser antisemitischer Vorfälle auch an der Schule bis 1936 verließ Fritz Stern das Realprogymnasium gegen den Willen seines Vaters, der seinem Sohn trotz allem die bestmögliche Bildung angedeihen lassen wollte. Fritz beendete das Schuljahr auf der Jüdischen Oberschule in Düsseldorf, begann danach ebenda eine handwerkliche Ausbildung und bereitete sich auf die Emigration in die Vereinigten Staaten vor.
Seine Familie hatte nach den brutalen Übergriffen im Zuge des Novemberpogroms der „Reichskristallnacht“ und anschließenden Inhaftierungen in das KZ Dachau, von denen auch Fritz Onkel Ludwig Goldstein und sein Vater Julius Stern betroffen waren, den Entschluss gefasst, ihre langjährige Heimat zu verlassen.
2012 Fred Stern mit seinen Erinnerungen “Recollections from My Youth”
Fritz Stern war noch keine 15 Jahre alt, als er im Frühjahr 1939 zusammen mit seinen Eltern in die USA emigrierte und dort als Fred Stern ein neues Leben begann. Hier fand er für die nächsten acht Jahrzehnte eine neue Heimstätte, war beruflich erfolgreich und gründete eine Familie. Verheiratet war er in erster Ehe mit Hannelore (Bier), mit ihr hatte Fred drei Töchter, sein Sohn David verstarb als Kind bei einem tragischen Unfall. In zweiter Ehe war er seit 1972 mit der vor drei Jahren verstobenen Ann (Gerhard) verheiratet.
Den Kontakt zu seiner früheren Heimatstadt hatte Fred Stern nie verloren, fühlte sich ihr bis zuletzt verbunden. Bis in sein Alter bedauerte Fred Stern, dass ihm der Gymnasialabschluss in Deutschland unmöglich war. Im Senior Center seiner neuen Heimat Corona del Mar/Newport Beach nahm er regen Anteil an der „German Class“, außerdem engagierte er sich für die UCI (University of California Irvine).
Ann und Fred Stern 2009 am Erasmusgymnasium.
Im Jahre 2009 besuchte Fred Stern, wie er sich in den USA nannte, mit Hilfe der Bundes-Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, dem Förderverein des Erasmus-Gymnasiums auf Anregung des „Arbeitskreis Judentum“ im Geschichtsverein zuletzt seine Heimatstadt Grevenbroich und auch seine ehemalige Schule, um Schülerinnen und Schülern von seiner Biographie zu berichten. Auch die Gräber seiner in Grevenbroich ansässigen Vorfahren besuchte er gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern auf dem jüdischen Friedhof in Grevenbroich.
Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Judentum um den heutigen Geschichtsvereinsvorsitzenden Ulrich Herlitz warb er im Rahmen seines Besuches 2009 erfolgreich im Rat der Stadt Grevenbroich für die Verlegung von Stolpersteinen in Grevenbroich durch Gunter Demnig. Auch für seine Großeltern Lazarus & Julie Goldstein, seine Großtante Julie Goldstein und seinen Onkel Ludwig Goldstein, ebenfalls Abiturient am Progymnasium (1912), wurden daraufhin Stolpersteine am früheren großväterlichen Anwesen auf der
Stolpersteine Familie Goldstein Lindenstr. 27
Lindenstraße 27 verlegt. Mittlerweile ist die 9. Stolpersteinverlegung mit Gunter Demnig für dieses Jahr in Planung, in deren Rahmen auch ein Stolperstein für die ehemalige Schülerin (Höhere Mädchenschule) und Groß cousine von Fritz Stern, Grete Goldstein, verlegt werden soll.
Ulrich Herlitz verfasste einen Aufsatz zu Fritz Stern und seiner Familie in der Festschrift zum 150. Gründungstag des Gymnasiums. Gemeinsam mit dem Geschichtsverein und Geschichtslehrer Martin Lönne wurden pädagogische Arbeitsblätter zu seiner Familie sowie eine Arbeitsmappe zu den Stolper-steinen der Familie Goldstein erarbeitet, die bis heute genutzt werden.
Zurzeit beschäftigen sich zwei Kurse Geschichte mit den Lehrern Till Krewer und Peter Cwik am Erasmusgymnasium mit Fritz „Fred“ Stern und bereiten einen Projekttag zu ihm und seiner Familie anlässlich des Holocaustgedenktages vor.
Am 26. Dezember 2021 verstarb der ehemalige Schüler Fritz Stern im Alter von 98 Jahren in seiner Heimat Corona del Mar / Newport Beach, Kalifornien. Um ihn trauern seine drei Töchter Julie, Peggy und Barbara mit ihren Familien.
Mit Fred Stern ist die Stimme eines der letzten Zeitzeugen und Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung in Grevenbroich, aber auch einer der ältesten, seit mehreren Generationen ansässigen Familien Grevenbroichs endgültig verstummt. Nun liegt es umso mehr auch an uns, seine Familiengeschichte und die der nationalsozialistischen Zeit in Grevenbroich sowie der Grevenbroicher Holocaustopfer zu erzählen. Auch die Schulgemeinde des Erasmusgymnasiums will sich der Erinnerung an ihren ehemaligen Schüler Fritz Stern in besonderem annehmen.
Viele seiner Briefe und Nachrichten endeten mit Fred´s Gruß an seine frühere Heimatstadt, nun ist es an uns, uns von ihm zu verabschieden mit einem letzten Gruß: „Tschüss Fritz“!
Der Arbeitskreis Familienforschung im Geschichtsverein Grevenbroich konnte in Zusammenarbeit mit dem Archiv im Rhein-Kreis Neuss und der Stadt Dormagen ein neues Projekt starten.
Hierzu wurden uns von den Kooperationspartnern mehr als 70.000 Digitalisate aus den ehemaligen Standesämtern Zons, Nievenheim und Dormagen zur Verfügung gestellt:
– Geburtsurkunden 1798 – 1911
– Heiratsurkunden 1798 – 1941
– Sterbeurkunden 1798 – 1991
Diese wurden von 12 Mitgliedern erfasst und sukzessiv in unsere Datenbank überführt, so dass wir ab sofort auch über diesen Teil des Kreises umfassend Auskünfte in unseren Sprechstunden geben können.
Karteikarten, Excel, Word oder gleich ein Ahnenforschungsprogramm?
Viele Anfänger in der Ahnenforschung sind oft verwundert, wenn wir fragen mit welchem Programm sie denn arbeiten. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass auch Neulinge in der Ahnenforschung in der Regel relativ schnell eine große Anzahl von Verwandten finden und dann mit der Darstellung, Erfassung etc. den Überblick verlieren.
Daher unsere Empfehlung: Von Anfang an ein Ahnenerfassungsprogramm zu benutzen, denn gute Programme gibt es auch kostenlos. Außerdem kann man damit ganz tolle und jederzeit aktualisierbare Auswertungen bzw. Stammbäume drucken.
In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein oder die verschiedenen Ahnenforschungsprogramme zu informieren.
Oder wie nach 50 Jahren ein Kronkorken nach Grevenbroich zurückkehrt.
Ein Beitrag von Stefan Faßbender im Geschichtsverein Grevenbroich.
Dank eines aufmerksamen Familienforschers aus dem Geschichtsverein für Grevenbroich und Umgebung e. V. konnte ich einen seltenen Limonaden Kronkorken der Marke „Peng“ ersteigern, der so nach über 50 Jahren wieder in seine Heimatstadt Grevenbroich zurückkehrte.
Seine Reise begann vor dem Jahr 1970, denn in diesem Jahr wurde die Produktion der „Peng“ Limonade in Grevenbroich eingestellt und die letzten Flaschen verkauft. Doch dieser Kronkorken landete nicht wie üblich im Müll, sondern wurde von jemandem aufbewahrt. Diese Person las 1974 eine Zeitungsanzeige (TV Hören und Sehen), in der eine Mutter für Ihren schwerkranken Sohn um die Zusendung von Kronkorken bat. So kam es, dass der Junge tausende Kronkorken, Kuscheltiere und Liebesbriefe von kleinen Mädchen ins Krankenhaus Wangen geschickt bekam. Es waren so viele Päckchen, dass ein separates Zimmer eingerichtet wurde, in dem die kleinen Patienten gemeinsam die Post öffneten und die Kronkorken aus ganz Deutschland und dem Ausland sortieren konnten. Diese Art der Ablenkung hat dem Jungen sehr geholfen seine Krankheit zu überwinden, so dass er sich heute bester Gesundheit erfreut und seine riesige Sammlung Stückweise verkaufen kann.
Vielleicht erinnert sich noch ein(e) Grevenbroicher(in) daran, diesen Kronkorken einst versendet zu haben?!
Fest steht, dass dieser kleine Kronkorken bereits zwei Menschen „glücklich“ gemacht hat. Den kleinen Jungen bei der Zusendung und fünfzig Jahre später mich, der als Familienforscher natürlich auch solche Erinnerungsstücke sammelt. Vielleicht macht er aber auch Sie glücklich?! Wenn Sie sich wieder daran erinnern bzw. erfahren, dass in Grevenbroich einst Limonaden hergestellt und abgefüllt wurden.
Begonnen hat die Firmengeschichte meines Großvaters Wilhelm Faßbender im Jahre 1929. Laut einem Eintrag im Biersteuerkontrollbuch aus dem Jahr 1934 (Quelle: Stadtarchiv Grevenbroich) wurde mein Großvater als Kutschenbierhändler bezeichnet.
Das erste Auslieferungsfahrzeug in den 1930er Jahren.
Vermutlich Erntedankfestfeier in Grevenbroich in den 1930er Jahren.
Bis zum Beginn des Krieges wurden die eigenen Limonaden und das Bier nur in kleinem Rahmen für Selbstabholer und einige Gaststätten in der Innenstadt hergestellt bzw. abgefüllt. Nach dem 2. Weltkrieg baute mein Großvater neue Lager- und Abfüllhallen in denen er – auf dem aktuellsten Stand der damaligen Technik – die Limonadenproduktion in der Grevenbroicher Innenstadt erweiterte, um der gestiegenen Nachfrage nachkommen zu können.
Mein Urgroßvater bei der “Vorwäsche” des Leerguts in den 1950er Jahren.
Mein Urgroßvater und Onkel im Abfüllraum in den 1950er Jahren.
Ein Onkel von mir bei der Reinigung des Abfüllraumes im Jahr 1961.
Es war ein reiner Familienbetrieb, in dem selbst mein Urgroßvater mitarbeiten „musste“. Aber auch viele Südstädter Jugendliche (Freunde meines Cousins) halfen – gegen Bezahlung in „Frei-Limonade“ – beim Reinigen der Limonadenflaschen.
Mein Großvater bei der Qualitätskontrolle in den 1950er Jahren.
Teil eines Lagerraumes in den 1950er Jahren.
Neben der Marke „Peng“ wurde auch noch die Limonade „Oralon“, beide in den Geschmacksrichtungen Zitrone und Orange, die Limonade „Weiße Perle“ (leider kein Bild mehr vorhanden) als auch „Esha-Kola“ hergestellt und abgefüllt.
Werbeplakat aus den 1960er Jahren.
Original Werbebanner aus den 1960er Jahren (ca. 3 m x 1 m).
Aus vielen Familienerzählungen weiß ich, dass wegen der Vielzahl der Sorten und um der Nachfrage aus dem gesamten Kreisgebiet gerecht zu werden, die Produktion jeden Tag gewechselt wurde. Neben der Produktion der Limonaden gehörte auch die Abfüllung von Malzbier und diversen Biersorten zum täglichen Geschäft.
Firmenfahrzeug mit der Werbung “Oralon” im Jahr 1961.
Firmenfahrzeug (Ende der 1960er Jahre) an der BP auf der Lindenstraße.(Danach Reiterhof Flaß; heute Neubaugebiet.)
Mit dem Tod meines Großvaters Wilhelm Faßbender im Mai 1970 wurde die Produktion von Limonaden bzw. Cola und die Abfüllung von hellen Bieren und Malzbier endgültig eingestellt. Ein weiterer mir bekannter Hersteller von Limonaden war die Firma Preckel in Hemmerden, die ihre Produktion von alkoholfreien Getränken bereits im Jahre 1964 einstellte.
Bügelverschlüsse (Bierflaschen) aus unbekannter Zeit.
Die Ahnenforschung kann vielmehr als nur die Sammlung von Namen und Daten sein. Durch das Beifügen von Bildern, Geschichten, Anekdoten und vielen weiteren Unterlagen bildet sie das Gedächtnis der Familie.
Oft geraten viele Ereignisse, Geschichten und zum Teil die Personen selbst bereits nach zwei Generationen in Vergessenheit. Dieses Wissen über die Familie ist dann für immer unwiederholbar verloren.
In unseren monatlichen Sprechstunden bieten wir neben Recherchehilfen in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern auch die Möglichkeit, sich z. B. über die Ahnenforschung allgemein oder das Schreiben einer Familienchronik zu informieren.
Am 23. November 2021 wurde in Grevenbroich-Orken eine 250 Kilogramm Fliegerbombe erfolgreich entschärft. Die amerikanische Sprengbombe wurde auf dem Kirmesplatz in rund 6 Meter Tiefe gefunden.
Quelle: Stadt Grevenbroich
Das in Orken auch heute noch Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden, ist keine Überraschung. Durch die unmittelbare Nähe zum Grevenbroicher Bahnhof war Orken in besonderer Weise von den schweren Luftangriffen der Jahre 1944/45 betroffen.
Anfang 1945 war der Bahnhof in Grevenbroich der westlichste Eisenbahnknotenpunkt im Deutschen Reich. Alleine im Januar und Februar 1945 flogen englische und US-amerikanische Bomber insgesamt 7 Angriffe auf Grevenbroich.
Den wohl schwersten Angriff flog die Royal Air Force am 14. Januar 1945 mit 151 Bombern.
In der Bombennacht vom 14. Januar 1945 gab es in Grevenbroich-Stadtmitte nachweislich und dokumentiert insgesamt 29 Tote durch Bombenverletzungen. Davon entfielen 21 Tote auf die Richard-Wagner-Straße, Schillerstraße und Noithausener Straße. Unter den Toten dieser Straßen waren 9 Kinder zwischen 5 und 16 Jahren.
In der Elfgener Schulchronik hielt der Lehrer Matthias Braß, welcher diesen Angriff hautnah erlebt hatte, seine Erinnerungen wie folgt fest:
“Gegen 19.30 Uhr wollte ich nach Hause gehen und wurde von Fliegeralarm überrascht. Vor den fallenden Bomben habe ich mich in den Schnee geworfen, während 20 Minuten lang vor mir und um mich die Bomben krachten. Immer wieder blitzte es über mir auf, immer wieder rauschten pfeifend Bomben, dann bebte die Erde von den Aufschlägen, und dann krachte es erregend. Die Mehrzahl der Bomben ging in der Nähe der Bahn nieder. Bahnhof, Finanzamt, Elektrizitätswerk, eine Reihe Häuser wurden zerstört, andere beschädigt. 35 Menschen wurden getötet. Ich habe in Todesangst geschwebt und wurde zu Hause angstvoll zurück erwartet.“
Hinweis: Die Differenz von 6 weiteren toten Grevenbroichern, die vom Lehrer genannt wurden, konnte bisher nicht geklärt werden. Dies kann daran liegen, dass der Sterbefall z. B. in einem gemeindefremden Krankenhaus stattfand und dieser außerhalb der Stadt Grevenbroich dokumentiert wurde. Vielleicht wurden die Sterbefälle – geschuldet der damaligen Zeit mit vielen Bombenangriffen und Toten oder dem Fehlen von Familienangehörigen – auch einfach nicht dem Standesamt gemeldet und registriert.
Am 3. Februar 1945 beschrieb der Lehrer Matthias Braß die Zerstörungen in Orken so:
“Von der Elsener Schule ab fuhr ich durch die Ruinen von Orken. Kaum ein bewohnbares Haus. Bis zur Unterführung bei Noithausen erstreckten sich die Bombentrichter. Die Trichter sind klein, doch ist die Sprengwirkung sehr stark.“
Noch heute kann man die Auswirkungen dieser Bombardierung an Hand der vielen Bombentrichter, die sich im angrenzenden Waldgebiet erhalten haben, sehen.